Aktualisiert 26.02.2010 14:18

Wall-Street-TrendsportFinanzjongleure fahren ab auf Curling

Die Adrenalin-Junkies an der New Yorker Wall Street haben einen neuen Lieblingssport: Curling. Die Übertragungen aus Vancouver üben auf sie eine beruhigende Wirkung aus – «wie Rotwein».

von
pbl
Ein Finanzanalyst bei der Arbeit, während auf dem Bildschirm der Schweizer Ralph Stöckli einen Stein spielt. (Bild: New York Times)

Ein Finanzanalyst bei der Arbeit, während auf dem Bildschirm der Schweizer Ralph Stöckli einen Stein spielt. (Bild: New York Times)

Das zeitlupenmässige Spiel mit Stein und Wischer hat die hochtourige Welt der Börsenhändler und Finanzanalysten «beinahe durch Zufall» erobert, schreibt die «New York Times». Der Zufall trägt die Bezeichnung CNBC. Der Wirtschaftssender des grossen US-Networks NBC liefert beständig News und Klatsch aus der Businesswelt und läuft deshalb pausenlos auf dem Börsenparkett und in den Büros der Investmentbanken.

NBC ist aber auch jener Fernsehsender, der für die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele 2010 in Vancouver und 2012 in London zwei Milliarden Dollar bezahlt hat. Diese Mega-Summe will refinanziert sein, weshalb NBC auch seine Ableger für die Übertragungen einspannt. Und weil sich das Sportangebot bei Winterspielen in überschaubarem Rahmen hält, bleibt für CNBC nur eine Disziplin: Curling. Jeden Tag kurz nach Börsenschluss werden die Partien aus dem Vancouver Olympic Centre ausgestrahlt.

Entspannung beim «Schach auf dem Eis»

Mit überraschenden Folgen: Nach einem harten Kampftag an der Finanzfront finden viele Trader Entspannung beim «Schach auf dem Eis». Fans sprechen laut «New York Times» von einer «Nach-Handels-Therapie» – «als ob man Merlot trinkt», so Douglas A. Kass, Präsident des Hedgefonds Seabreeze Partners. Ein Analyst schwärmt, man könne gleichzeitig die Finanzdaten im Auge behalten und das Spiel verfolgen. Fachausdrücke aus dem Curling sollen schon ins Wall-Street-Vokabular eingegangen sein.

Und nicht zu vergessen: Curling ist immer noch ein Sport. «Es geht ums Gewinnen – wie an der Wall Street», meinte Robert Kelly, CEO der Bank of New York Mellon, der als gebürtiger Kanadier einst selber gecurlt hat. Allerdings zeigten die Aktienkurse in den letzten Tagen eher nach unten. Vielleicht doch Zeit, dass die Olympischen Spiele vorbei sind und der Alltag im Weltfinanzzentrum zurückkehrt.

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