Aktualisiert 23.05.2019 13:54

Risiken

Finanzkontrolle rüffelt die Post-Chefs

Die Eidgenössische Finanzkontrolle ist nicht zufrieden mit der Schweizerischen Post. Der Konzern schätze Risiken oft zu lange als Chancen ein.

von
rkn
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Rüge für Urs Schwaller und die Schweizerische Post: Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kritisiert, dass die Post Risiken nicht richtig einschätzt.

Rüge für Urs Schwaller und die Schweizerische Post: Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) kritisiert, dass die Post Risiken nicht richtig einschätzt.

Keystone/Peter Klaunzer
Versagt hat das System etwa im Fall von CarPostal ­France. Das Auslandabenteuer könnte die Post Millionen kosten.

Versagt hat das System etwa im Fall von CarPostal ­France. Das Auslandabenteuer könnte die Post Millionen kosten.

Keystone/Peter Klaunzer
Die Rentabilität von CarPostal France sei schon in frühen Jahren unbefriedigend gewesen, heisst es im Bericht. Eine Rendite im Frankreichgeschäft sei immer unrealistischer geworden.

Die Rentabilität von CarPostal France sei schon in frühen Jahren unbefriedigend gewesen, heisst es im Bericht. Eine Rendite im Frankreichgeschäft sei immer unrealistischer geworden.

Keystone/urs Flueeler

Die Eidgenössische ­Finanzkontrolle (EFK) hat das Risikomanagement der Schweizerischen Post geprüft. Die EFK kritisiert, dass die Risiken nicht immer richtig eingeschätzt würden. Versagt hat das System etwa im Fall von CarPostal France. Das Auslandabenteuer könnte die Post Millionen kosten.

Im Sommer 2018 war bekannt geworden, dass die Post auch im Ausland nicht sauber abgerechnet hatte. Wegen unzulässiger Subventionen musste sich CarPostal France mit über 6 Millionen Euro freikaufen. Inzwischen sucht die Post einen Käufer für das Tochterunternehmen. Das Auslandengagement könnte zum Millionengrab werden.

Rendite unrealistisch

Die Eidgenössische Finanzkontrolle hat untersucht, wie es so weit kommen konnte. Die Rentabilität von CarPostal France sei schon in frühen Jahren unbefriedigend gewesen, heisst es in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Mit 19 Millionen Franken Kapitalerhöhungen und 57 Millionen Franken Schulden gegenüber dem Konzern sei eine Rendite im Frankreichgeschäft immer unrealistischer geworden.

Trotzdem wurde CarPostal France vom Konzern bis Ende 2017 als «Chance» statt als Risiko eingestuft. Aufgrund der Resultate der Vorjahre sei die angenommene Ergebnissteigerung nicht realistisch gewesen. Der Mitte 2018 angekündigte Rückzug aus Frankreich stellt laut EFK ein neues Risiko dar.

Allzu optimistisch

Nach Beurteilung der Post übersteigen die Aktiven von CarPostal France die Schulden. Die EFK hält diese Einschätzung für allzu optimistisch. Sie verlangt, dass die Bewertung der Aktiven überprüft und allfällige Zusatzkosten durch einen Personalabbau berücksichtigt werden. Ein weiteres Risiko sieht die EFK im vorzeitigen Abgang von Schlüsselpersonen.

Auch die Post-Tochter Publibike schreibt gemäss dem Bericht Millionenverluste. 2017 waren es 5 Millionen Franken – bei einem Umsatz von 1,1 Millionen Franken. Trotzdem führte das Risikoreporting der Post Publibike 2016 als «Top-Chance». Auch 2018 fiel die Beurteilung laut EFK noch zu optimistisch aus.

Formale Aspekte genügen

Die Finanzkontrolle anerkennt, dass das «Risikomanagementgerüst» vorhanden ist und den formalen Aspekten genügt. Positiv bewertet sie auch die Rolle des Konzernrisikomanagements bei der Beurteilung von wichtigen Einzelinvestitionsanträgen und bei Grossprojekten.

Die für den Verwaltungsrat und die Konzernleitung relevanten Aspekte wie Risikostrategie und Risikokommunikation hätten aber zu wenig Platz im Konzernrisikomanagement bekommen. Die EFK kritisiert auch, dass das Konzernrisikomanagement neu direkt dem Leiter Finanzen unterstellt ist. Dies könne die Unabhängigkeit beeinträchtigen, schreibt sie.

Post hat reagiert

Die Post hat die Rollenverteilung bisher nicht geändert. In einem Schreiben vom April weist sie aber auf zahlreiche Anpassungen aufgrund von EFK-Empfehlungen hin. So sollen beispielsweise mit einem neu eingeführten Modell die Risiko-Eintrittshäufigkeit und das Schadenausmass besser bestimmt werden können. Zudem sei der Katalog der allgemeinen Risikoursachen komplett überarbeitet worden.

Probleme ortet die EFK auch beim Bund. Als Eigner mache dieser zu wenig Vorgaben zum Risikomanagement. Genauere Vorgaben wurden erstmals für die Periode 2017–2020 eingeführt. Gemäss dem Bericht wird deren Umsetzung jedoch nur formell und nicht inhaltlich geprüft. (rkn/sda)

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