Obama greift in TV-Duell an: Finanzkrise ist Quittung für acht Jahre Bush
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Obama greift in TV-Duell anFinanzkrise ist Quittung für acht Jahre Bush

Weniger als sechs Wochen vor der Präsidentschaftswahl in den USA haben sich die Kandidaten Barack Obama und John McCain ein erstes hitziges Duell in einer Fernsehdebatte geliefert. Obama attackierte dabei McCain als einen Wiedergänger Bushs und dessen Politik.

Einig waren sich beide, dass der Kongress schnell beim Rettungspaket zur Beilegung der Finanzkrise handeln muss, um eine Ausweitung zu verhindern. Deutliche Meinungsunterschiede gab es dann zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan, wobei McCain Obama öfter vorwarf, keine Ahnung von der Sicherheitspolitik zu haben.

Obama stellte zunächst das Urteilsvermögen von McCain in Frage, weil dieser 2003 für den Irak-Krieg gestimmt habe. McCain hielt Obama vor, dass dieser die Entsendung von weiteren 30.000 Soldaten nicht unterstützt habe, mit denen es gelungen sei, die Gewalt im Irak deutlich einzudämmen. Obama setzte dem entgegen, dass der Irak-Krieg das US-Militär davon abgehalten habe, Terrorführer Osama bin Laden zu verfolgen, der sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet versteckt halte.

Beil statt Skalpell

Im ersten Drittel der Debatte in der Universität von Mississippi in Oxford ging es aber vor allem um die angeschlagene US-Wirtschaft. McCain sprach sich dabei für einen Ausgabenstopp in allen Bereichen ausser der Verteidigung, der Veteranenversorgung und der Rentenzahlungen der Sozialprogramme aus. Obama erklärte, dass sei so, als ob der Arzt statt des Skalpells ein Beil zur Heilung des Patienten benutze.

Beide Kandidaten gingen mit unterschiedlichen Zielen in die Debatte. Der jung und dynamisch wirkende Obama muss die Wähler davon überzeugen, dass er als Präsident auch die Rolle eines Oberkommandierenden der Streitkräfte übernehmen kann. Und angesichts der Finanzmarktkrise muss er zeigen, dass er auch die Nöte der einfachen Menschen versteht, die sich Sorgen um ihre Zukunft machen und die ihn bislang in den Vorwahlen kaum unterstützt haben. McCain, der sich bislang als erfahrener Politiker präsentierte, muss sich von der bisherigen Politik der Regierung von Präsident George W. Bush distanzieren.

Wirtschaftskrise

Kritiker haben McCain mangelnde Wirtschaftskompetenz vorgeworfen, was in der Debatte aber kaum zum Tragen kam. McCain rückte erst kurz vor Beginn der Sendung von seiner ursprünglichen Forderung abgerückt, dass er erst nach einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen zwischen Regierung und Kongress über das Rettungspaket an einer solche Debatte teilnehmen könne. Obama hatte dies als politisches Manöver kritisiert und darauf bestanden, dass die Fernsehdebatte wie geplant stattfinden sollte. Die Verabschiedung des Rettungspakets sei von höchster Priorität, sagte Obama. Es sei aber auch wichtig, «dem amerikanischen Volk aufzuzeigen, wohin der nächste Präsident das Land führen will und wie er mit dieser Krise umgehen will».

Obama ging auch schnell in die Offensive und erklärte, die Krise an der Wall Street seit das «letzte Urteil über acht Jahre gescheiterter Wirtschaftspolitik», wie sie von Präsident Bush und Senator McCain vertreten wurde. «Wir können uns vier weitere nicht leisten», fügte er hinzu.

Nächste Debatten

Wegen des Kopf-an-Kopf-Rennens der beiden Kandidaten in den Umfragen wird den insgesamt drei Fernsehauftritten grosse Bedeutung für den Wahlausgang am 4. November beigemessen. Die nächsten Debatten finden am 7. Oktober in der Belmont Universität in Nashville in Tennessee und am 15. Oktober an der Hofstra Universität in Hempsted in New York statt. Die Vizepräsidentschaftskandidaten Sarah Palin und Joe Biden treffen einmal am 2. Oktober aufeinander.

$$VIDEO$$ (dapd)

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