Lüthi will in Königsklasse: Finanzkrise verunsichert Töffstars
Aktualisiert

Lüthi will in KönigsklasseFinanzkrise verunsichert Töffstars

Er steht am ersten Trainingstag zum GP von Tschechien nicht dort, wo er sein möchte (13.). Doch für Töffstar Tom Lüthi (26) ist klar: Er will 2012 in die MotoGP-Klasse. Finanzkrise hin oder her.

von
Klaus Zaugg
Brünn

Die Sommerpause ist vorbei – und der Alltag hat Tom Lüthi wieder eingeholt. Er wird weiterhin von den gleichen Abstimmungsproblemen geplagt wie vor den Ferien: Bloss Platz 13 nach dem ersten Trainingstag zum GP von Tschechien. Gleich hinter seinem Landsmann Dominique Aegerter, aber wenigstens klar vor Randy Krummenacher (23.).

Die Erklärungen für das mässige Resultat sind immer wieder die gleichen: Keine optimale Abstimmung. Die beste Rundenzeit schaffte Lüthi bereits in der Anfangsphase des Rennens. Dann ging es nicht mehr schneller. «Weil ich einen härteren Reifen wählte, der nicht die richtige Haftung aufbaute.»

Finanzkrise sorgt für Unruhe

So kommt es Lüthi nicht ungelegen, dass im Fahrerlager die ungewisse Zukunft eifriger diskutiert wird als die Tagesresultate. Seit dem letzten Rennen (17. Juli/GP von Deutschland) hat sich der GP-Zirkus verändert. Die Finanzkrise hat auch diese kleine Welt erfasst. Die Unruhe im Fahrerlager ist so gross wie vielleicht noch nie. Jedes Gespräch dreht sich inzwischen ums Geld und um die Unsicherheit, wie es weiter gehen soll. «Es ist eine spezielle Stimmung», bestätigt Lüthi gegenüber 20 Minuten Online. «Die Gespräche drehen sich sehr oft um die Ungewissheit, wie es weiter gehen soll und nicht um den Sport.»

Die Teams sind immer weniger in der Lage, eine MotoGP-Saison zu finanzieren – und nach wie vor sind die technischen Reglemente (nächste Saison wird von 800er auf 1000er-Viertakter umgestellt) nicht klar. Bloss 18 Piloten stehen in der Königsklasse in Brünn am Start, der einzige Pilot mit Charisma fährt hinterher (Valentino Rossi nur 11.) und alle wissen: Wenn die MotoGP-Klasse nicht funktioniert, hat der ganze Töffzirkus ein Problem.

Trotzdem ist für Lüthi klar: «Ich bin bereit für die MotoGP-Klasse und mein Ziel ist es nach wie vor, nächste Saison die MotoGP-WM zu fahren.»

Wohl nur Suzuki finanzierbar

Sein Manager Daniel M. Epp bestätigt gegenüber 20 Minuten Online, dass er intensive Gespräche führt, um seinem Piloten diesen Traum zu erfüllen und dass Suzuki nach wie vor die interessanteste Variante sei. «Weil wir, so wie es jetzt aussieht, nur die Lösung Suzuki finanzieren könnten.» Er bleibt trotz der Ungewissheit über die Zukunft gelassener als viele seiner Kollegen. «Wir sind nicht unter Druck. Wenn es mit der MotoGP-Klasse nicht klappt, dann fahren wir halt 2012 noch einmal eine Saison die Moto2-WM und dafür sind die Budgets gesichert.»

Noch sind acht Rennen zu fahren. Aber nach einem hoffnungsvollen Saisonstart (3. in Katar, 2. In Jerez) ist der WM-Titel inzwischen kein Thema mehr. Auf dem 6. Zwischenrang hat Lüthi 90 Punkte Rückstand auf WM-Leader Stefan Bradl. Der Emmentaler hat seit 2006, seiner letzten 125er-Saison, in fünf Jahren keine Rennen mehr gewonnen. Vielleicht ist es nun wirklich Zeit für eine neue Herausforderung. Für den Aufstieg in die MotoGP-Klasse.

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