Finanzmärkte durchgeschüttelt
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Finanzmärkte durchgeschüttelt

Die internationalen Finanzmärkte sind durch die neuen Anschläge in London und die Aufwertung der chinesischen Währung kräftig durchgeschüttelt worden.

Unter dem Strich hielten sich die Auswirkungen aber in Grenzen. Der Franken legte zum Dollar vorübergehend zu. Der Höhenflug der Schweizer Börse wurde gebremst.

Nach der überraschenden Abkoppelung des Yuan vom Dollar schnellte der Swiss Market Index (SMI) kurz nach 13.00 Uhr um bis zu 3,1 Prozent in die Höhe auf ein Dreijahreshoch von 6.556,6 Punkten. Von der Aussicht auf höhere Exporte nach Fernost profitierten vor allem Chemie-, Finanz- und Konsumgütertitel. Eine gute Stunde später war der Höhenflug vorbei: Die neuen Anschläge in London schickten die Börsen auf Talfahrt. Der SMI verlor gegenüber dem Tageshöchststand zeitweise fast 80 Punkte und fiel durch die psychologisch wichtige 6.500-Punkte-Marke. Mit 6.492 Zählern stand der SMI bei Handelsschluss 18,7 Punkte oder 0,3 Prozent unter dem Vortagesschlusskurs. Anders der deutsche DAX, der sich um ein Prozent auf 4.829,9 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren verbesserte.

Am Devisenmarkt verlor die US-Währung zum Franken zunächst mehr als einen Rappen und fiel auf 1,2756 Franken. Später rappelte sich der Dollar wieder auf. Mit 1,2892 Franken verpasste er aber im Zürcher Schlussgeschäft den Vorabendkurs von 1,2942 Franken. Der Euro-Kurs zeigte sich mit 1,5615 (Vorabend: 1,5630) Franken stabiler.

Bei Ökonomen gingen die Einschätzungen über die Neuausrichtung der chinesischen Währungspolitik auseinander. Lee Ferridge, Chefstratege der Rabobank in London, sprach vom wichtigsten Wirtschaftsereignis des Jahres. «Zumindest kurzfristig dürften sich die Auswirkungen in Grenzen halten», sagte dagegen der leitende UBS-Ökonom Hanspeter Hausheer in Zürich. Mit nur gut zwei Prozent liege die Aufwertung des Yuan am absolut untersten Rand der Erwartungen. Aus Angst, die Kontrolle über die Wirtschaft zu verlieren, verfolge Chinas Regierung weiterhin ein striktes Regime und habe nur dem Druck der USA etwas nachgegeben. Die Auswirkungen für die Schweizer Exportwirtschaft dürften sich in Grenzen halten, sagte Hausheer. Sie exportiere vor allem Luxusgüter nach China, die von geringen Währungsschwankungen nicht betroffen seien. Dorothea Tiefenauer, die Sprecherin des Branchenverbandes swissmem der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie), sagte auf Anfrage, Chinas Schritt sei grundsätzlich positiv, sollte aber für die Schweizer MEM-Industrie nicht überbewertet werden. Viele Schweizer Firmen seien direkt in China tätig.

(dapd)

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