Unruhen in Kairo: Finanzminister tritt nach Unruhen zurück

Aktualisiert

Unruhen in KairoFinanzminister tritt nach Unruhen zurück

In Ägypten hat nach den blutigen Krawallen mit 26 Toten und über 300 Verletzten die Ursachensuche begonnen. Finanzminister Hazem al-Beblawi trat zurück, weil er den Umgang der Regierung mit den Protesten nicht billigt.

Nach den blutigen Strassenkämpfen zwischen koptischen Christen und dem Militär wird in Ägypten nach den Schuldigen gesucht. Finanzminister Hazem al-Beblawi erklärte am Dienstag aus Enttäuschung über den Umgang der Übergangsregierung mit den Protesten seinen Rücktritt.

Al-Beblawi sei frustriert, dass die Regierung unfähig sei, mit den Protesten in Ägypten umzugehen, sagte einer seiner Mitarbeiter. Der Politiker habe in seinem Rücktrittsschreiben an Ministerpräsident Essam Scharaf erklärt, er könne «so nicht arbeiten».

In der Nacht auf Dienstag trugen die Kopten ihre Opfer der Gewalt zu Grabe. Ein machtvoller Trauerzug mit 20'000 Teilnehmern zog zur grossen koptischen Kathedrale im Stadtteil Abbasija, wo die Totenmesse gelesen wurde. Die Gebete für die getöteten Kopten wurden immer wieder von Rufen nach einem Ende der Militärregierung unterbrochen.

Die Feierlichkeiten dauerten mehrere Stunden. Danach wurden die getöteten Christen in einem kirchen-eigenen Massengrab in einem Vorort westlich von Kairo beigesetzt.

Bei den bisher schlimmsten gewalttätigen Zusammenstössen seit dem Sturz des autoritären Präsidenten Hosni Mubarak im Februar seien 22 christliche Zivilisten, 3 Soldaten und ein Polizist ums Leben gekommen, hiess es am Dienstag aus Sicherheitskreisen in Kairo. Die Armee äusserte sich offiziell nicht zur Zahl der getöteten Soldaten.

Gesetzesrevision angekündigt

Den Ausschreitungen war am Sonntagabend eine friedliche Demonstration der Kopten vorausgegangen. Diese hatten dagegen protestiert, dass zehn Tage zuvor eine ihrer Kirchen in der südlichen Provinz Assuan von Muslimen niedergebrannt worden war.

Die betroffene Kirche soll ohne Genehmigung erbaut worden sein - wobei die Christen in Ägypten selten die behördliche Erlaubnis für den Bau eines neuen Gotteshauses erhalten. Die Übergangsregierung will nun binnen zwei Wochen eine revidierte Version des Gesetzes vorlegen, das den Bau von Gotteshäusern regelt.

Christen machen Armee verantwortlich

Die Vereinigungen der koptischen Christen machten am Dienstag die Armeeführung für das Blutbad verantwortlich. «Das gewalttätige Vorgehen (der Soldaten) war schlimmer als das, was die israelische Armee mit den Palästinensern macht, die Kassam-Raketen abfeuern», hiess es in ihrer gemeinsamen Erklärung, die von der christlichen Zeitung «Watani» veröffentlicht wurde.

Die Armeeführung bestritt ihrerseits, dass die Militärpolizei bei den Zusammenstössen am Sonntag scharfe Munition eingesetzt habe. Dem widersprachen allerdings die ersten Obduktionsberichte, wonach zahlreiche Demonstranten an Schussverletzungen starben.

Nach Angaben von Gerichtsmedizinern wurden zudem viele der Opfer von gepanzerten Fahrzeugen überfahren. Bürgerrechtsaktivisten in Kairo forderten Aufklärung darüber, warum zwei Radpanzer der Armee in die Menge der Demonstranten gerast waren.

Hartes Vorgehen angedroht

Die Militärführung drohte unterdessen, sie werde hart gegen zukünftige Proteste vorgehen. Man werde «die notwendigen Massnahmen ergreifen, um die Sicherheit zu stabilisieren», hiess es. Gegen Gewalttäter werde mit der ganzen Härte des Gesetzes vorgegangen.

Die Militär-Staatsanwaltschaft nahm am Montagabend 19 Christen und zwei Muslime in Untersuchungshaft, denen sie Zerstörung öffentlichen Eigentums und Angriffe auf die Armee vorwirft. Die Anzahl der festgenommenen Christen stehe in merkwürdiger Diskrepanz zum Anteil der Christen unter den Getöteten, stellten Beobachter fest.

(sda)

Deine Meinung