Finanzranking: Zürich hui, Tessin pfui

Aktualisiert

Finanzranking: Zürich hui, Tessin pfui

Der Kanton Zürich schneidet in einem Vergleich der Kantons- und Gemeindefinanzen 2006 mit der Note 5,69 am besten ab, gefolgt von der besten Kantonshauptstadt Bellinzona (5,56) und dem Kanton Luzern (5,19).

Am Schluss des Rankings figurieren die Kantone Tessin (3,00) und Jura (2,81). Vor einem Jahr war der Kanton Zürich mit der Note 3,56 noch weit hinten gelandet. Einen grossen Schritt nach vorn machte auch der Kanton Neuenburg, der mit 5,13 zusammen mit Bern und Uri den Bronze-Platz erreichte. Bei den Städten folgen hinter Bellinzona Luzern (5,31) und Chur (5,19).

Die Westschweizer Wirtschaftszeitschrift BILAN hat zum achten Mal zusammen mit dem Lausanner Hochschulinstitut für Öffentliche Verwaltung (IDHEAP) die Jahresrechnungen der Schweizer Kantone und von 13 Kantonshauptorten analysiert und eine Rangliste erstellt.

Die Studie verwendete acht Kriterien, um die finanzielle Verfassung und die Qualität der Finanzbewirtschaftung zu beurteilen. Erstmals wurden die Investitionsanstrengungen der Kantone und Städte berücksichtigt. Dieses Kriterium ersetzte jenes der Budgetflexibilität, bei dem sich die Datenqualität verschlechtert habe.

Strukturelles Risiko

Dem Kanton Zürich gelang im Rechnungsjahr 2006 die beste Performance. Es bestehe jedoch ein strukturelles Risiko, «das bei einer Konjunkturwende zum Ausdruck kommen könnte», wie IDHEAP-Professor Nils Soguel in einem Communiqué zitiert wird.

Seiner Meinung nach müsste ein mächtiger Wirtschaftskanton wie Zürich in Zeiten der Hochkonjunktur Überschüsse liefern und nicht nur ausgeglichene Ergebnisse.

Nicht auf Lorbeeren ausruhen

Der Zürcher Regierungsrat ist sich bewusst, dass es keinen Grund gibt, auf den Lorbeeren auszuruhen, wie er in einer schriftlichen Stellungnahme vom Dienstag schreibt.

Der Staatshaushalt sei zwar in besserer Verfassung als noch vor wenigen Jahren. Weitere Anstrengungen zur Stabilisierung seien aber nötig, damit der Haushalt in konjunkturell schlechteren Zeiten nicht in Schieflage gerate, hält der Regierungsrat fest. Er wolle deshalb das strukturelle Defizit, also die dauerhafte Überlastung des Haushalts mit nicht finanzierten Aufgaben, beseitigen.

Die gleichen Sorgen wie die Zürcher Finanzdirektorin Ursula Gut müssen sich gemäss Soguel ihre Amtskollegen Jean Studer (Neuenburg) und Markus Stadler (Uri) machen. Auch für sie gelte es, in Zeiten starken Wachstums mehr zu tun, als bloss ausgeglichene Rechnungen zu präsentieren.

Zu den am Schluss der Rangliste platzierten Kantonen Tessin und Jura meinte Soguel: «Wer nach mehreren Jahren mit blühender Wirtschaft immer noch dermassen in der Patsche sitzt, hat ein echtes Strukturproblem».

Im Städteklassement schwingt Bellinzona zum zweiten Mal nach 2003 obenaus. Luzern liegt dahinter, nachdem die Stadt zweimal hintereinander ganz an der Spitze lag. Genf und Zürich landeten im Mittelfeld, Bern, Sitten und Delsberg am Schluss. (sda)

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