Schock-Video aus Russland: «Findest du auch, dass wir dich töten sollten?»
Aktualisiert

Schock-Video aus Russland«Findest du auch, dass wir dich töten sollten?»

In Russland haben Angriffe auf Homosexuelle ein erschreckendes Ausmass angenommen. Das Video einer Menschenrechtsorganisation zeigt den ganz alltäglichen Horror.

von
kmo

«Findest du auch, dass wir dich töten sollten?», fragt eine Stimme den jungen Mann, der halbnackt auf dem Boden kniet. «Das ist wohl mein Schicksal», murmelt dieser. Es ist eine Szene aus einer Aufnahme aus Russland, welche die Täter mit ihrer Handykamera gemacht und zur Belustigung von Gleichgesinnten ins Internet gestellt haben.

In einem Video hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) nun Ausschnitte aus solchen Filmen zusammengestellt, Betroffene erzählen zudem von ihren Erfahrungen und Experten liefern Hintergründe zu diesem Phänomen (siehe Video oben, auf Englisch).

Attacken nehmen massiv zu

Selbst ernannte Sittenwächter haben es sich in Russland zur Aufgabe gemacht, Schwule oder «schwul» aussehende Menschen anzugreifen, zu verprügeln und zu demütigen. Gay Clubs, HIV-Kliniken und Homosexuellen-Demos sind ihre bevorzugten Ziele. Seit der Einführung des umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetzes in Russland haben solche Attacken massiv zugenommen.

«Einer der schlimmsten Fälle, die wir gesehen haben, ist der eines jungen Mannes, den die Täter dazu zwangen, sich selbst mit einer Glasflasche zu vergewaltigen», sagt HWR-Mitarbeiterin Tanja Cooper.

Polizei unternimmt nichts

«Diese Gruppen arbeiten in ganz Russland zusammen, sie koordinieren sich über das Internet», sagt Igor Kotschetkow, Vorsitzender des Netzwerks LGBT (Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender). «Diese Bewegung hat eine eindeutige Ideologie: Es sind Neonazis. Faschisten, die sich die schwächste Beute ausgesucht haben: Schwule.»

Die russischen Gesetzeshüter seien keine Hilfe, erzählt ein Betroffener. Nachdem er zusammengeschlagen wurde, wollte er auf einer Polizeiwache Anzeige einreichen. «Mein Gesicht war völlig entstellt, ein Auge konnte ich überhaupt nicht mehr öffnen», sagt er, «doch die Beamten zuckten nur mit den Schultern und sagten: ‹Wo ist das Problem? Wer schwul ist, wird eben angegriffen. Weshalb solltest du jemanden anklagen?›»

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