Aktualisiert 23.04.2015 11:06

Innere Verbrennungen«Finger weg von Diätpillen aus dem Internet»

Die Britin Eloise Parry bestellt online Diätpillen und stirbt qualvoll. Kein dummer Zufall – Gleiches könnte auch in der Schweiz passieren.

von
Fee Riebeling
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Statt mit Diätpillen schnell einige Kilos zu verlieren, starb Eloise Parry qualvoll. Denn die Präparate enthielten eine hochgiftige Industriechemikalie. Gekauft hatte sie die Studentin im Internet.

Statt mit Diätpillen schnell einige Kilos zu verlieren, starb Eloise Parry qualvoll. Denn die Präparate enthielten eine hochgiftige Industriechemikalie. Gekauft hatte sie die Studentin im Internet.

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Auch viele Schweizer beschaffen sich Schlankheitsmittel im Netz. Denn hierzulande ist nur ein einziges Präparat zugelassen: Xenical. Und das auch nur unter Auflagen.

Auch viele Schweizer beschaffen sich Schlankheitsmittel im Netz. Denn hierzulande ist nur ein einziges Präparat zugelassen: Xenical. Und das auch nur unter Auflagen.

Keystone/Fabrice Coffrini
Experten warnen vor den Mittelchen aus dem Internet. Denn viele Anbieter von Diätpillen sind unseriös. So werden für das Produkt Mighty Raspberry Ketone Zeitschriften wie der «Beobachter» als Referenz angegeben, ohne dass diese etwas davon wissen.

Experten warnen vor den Mittelchen aus dem Internet. Denn viele Anbieter von Diätpillen sind unseriös. So werden für das Produkt Mighty Raspberry Ketone Zeitschriften wie der «Beobachter» als Referenz angegeben, ohne dass diese etwas davon wissen.

Eine Pille nehmen und abnehmen? Darauf hoffte Eloise Parry, aber sie starb – weil sie zu viele nahm und weil die Tabletten eine giftige Chemikalie enthielten.

Ähnliches könnte auch in der Schweiz passieren, sagt Swissmedic-Sprecher Peter Balzli. Denn in der Schweiz ist nur ein einziges Präparat – Xenical – zugelassen, das nur auf ärztliche Anweisung hin eingenommen werden darf. Deshalb wichen viele Schweizer aufs Internet aus.

Erschreckende Analyse-Ergebnisse

Das ist riskant: «Viele Präparate wurden wegen ihrer schweren Nebenwirkungen vom Markt genommen», so Ernährungsberaterin Tatiana Gaudimonte. Andere, wie die, die der 21-jährigen Britin zum Verhängnis wurden, enthalten giftige oder äussert bedenkliche Stoffe, ergänzt Balzli. Das zeigt eine Analyse aus dem Jahr 2011. Damals hatte Swissmedic alle vom Zoll beschlagnahmten Diätpillen untersucht. «Man kann nur sagen: Finger weg!»

Viel geändert habe sich seither nicht, wie eine Neuauflage der Studie zeigt. «Die Analyse läuft noch, aber schon jetzt ist das Ergebnis erschreckend», so Balzli. In mehr als der Hälfte der Medikamente seien nicht deklarierte Stoffe oder das in Europa verbotene Sibutramin enthalten. Andere enthielten Antidepressiva.

Doch was gibt es für Alternativen? «Wer gesund abnehmen möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, als Ernährung und Verhalten zu ändern und sich zu bewegen», sagt Philipp Gerber vom Unispital Zürich. Das sei aufwendiger, lohne sich aber.

Vier Arten von Pillen

Nicht alle Diätpräparate wirken gleich:

Appetitzügler wirken auf das Gehirn. Sie reduzieren die Lust auf Essen und steigern den Energieverbrauch. Nebenwirkungen sind u.a. Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Herz-Kreislauf-Probleme.

Quellmittel, die im Magen ihr Volumen vergrössern. So soll sich der Konsument schneller satt fühlen. Es drohen aber Verdauungsprobleme und Verstopfungen.

Fettaufnahmehemmer wie Xenical sorgen dafür, dass das Fett unverdaut ausgeschieden wird. Das kann jedoch zu Blähungen, Durchfall und schwerem Vitaminmangel führen.

Fettverbrenner kurbeln den Stoffwechsel an und steigern die Energieverbrennung. Die Folgen sind Kreislaufprobleme, Bluthochdruck sowie Knochen- und Muskelabbau.

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