Aktualisiert 27.10.2009 10:49

WissenstransferFinma holt sich UBS-Manager

UBS-Manager Mark Branson wechselt auf Anfang 2010 in die Geschäftsleitung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma, wo er die Leitung des Geschäftsbereichs Banken übernimm.

Die Besetzung der fünfköpfigen Geschäftsleitung der Aufsichtsbehörde unter der Leitung von Direktor Patrick Raaflaub ist damit abgeschlossen, wie die Finma am Dienstag mitteilte. Der FINMA-Verwaltungsrat habe mit Branson eine ausgewiesene Persönlichkeit mit langjähriger internationaler Erfahrung auf dem Gebiet von Finance und Risk gewinnen können.

Branson war bei der UBS zuletzt als Finanzchef der UBS Wealth Management & Swiss Bank tätig. In dieser Funktion zeichnete er verantwortlich für Finance, Risk Control, Compliance, Strategieentwicklung und Treasury Management. Zuvor war Branson seit 1997 in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig gewesen, unter anderem als CEO der UBS Securities Japan Ltd sowie als oberster Kommunikationschef im Rang eines Mitglieds des Group Managing Boards. Nach Abschluss seiner Studien in England hatte Branson seine berufliche Karriere bei Coopers & Lybrand Management Consultancy begonnen und hatte nach gut drei Jahren 1994 zur Credit Suisse gewechselt.

Der Mann, der sich für die UBS entschuldigte

Einer breiteren Öffentlichkeit war Branson durch seine Auftritte vor einem Ausschuss des US-Senats im Juli 2008 und im März 2009 bekannt geworden. Er stand dort den kritischen Fragen der US-Politiker über die Steuerpraktiken der UBS bei der Beratung reicher US-Kunden Red und Antwort. In Erinnerung ist vor allem die öffentliche Entschuldigung Bransons für die Fehlleistungen der UBS beim Hearing vom 17. Juli 2008.

Die Finma ist sich nach Auskunft von Sprecher Alain Bichsel bewusst, dass man mit der Wahl des UBS-Managers auch neue Kritik von politischer Seite gewärtigen muss. Denn die UBS steht noch immer zuvorderst auf dem Radar der Aufsichtsbehörde. Die Vorteile, mit Branson einen ausgewiesenen Fachmann mit internationaler Erfahrung gewonnen zu haben, hätten aber überwogen, sagte Bichsel. Gerade die Auftritte Bransons vor dem US-Senat sprächen auch für dessen Glaubwürdigkeit. Der UBS-Manager habe zudem keinerlei Verantwortung für die Entscheidungen gehabt, die die Grossbank in die Krise stürzten.

Bei UBS-Entscheiden muss Branson in Ausstand treten

Der FINMA-Verhaltenskodex sieht vor, dass Branson im Falle von Entscheidungen, die die UBS betreffen, für die Dauer von einem Jahr in den Ausstand treten muss. Er wird aber informiert und in die Diskussionen einbezogen, wie Bichsel sagte. Ein Handicap sieht man in der Ausstandsregelung nicht, zumal die Stelle des Leiters des Geschäftsbereichs Banken erst jetzt geschaffen und besetzt wurde. Zuvor war dieser Bereich Direktor Raaflaub unterstellt gewesen.

Die Wahl der Mitglieder der Geschäftsleitung der Finma liegt in der alleinigen Kompetenz des Verwaltungsrats und muss vom Bundesrat nicht genehmigt werden. Gemäss Bichsel liess sich der Verwaltungsrat extern beraten und traf die Wahl unter mehreren Kandidaten. «Eine Haltiner-Seilschaft gab es nicht», sagte Bichsel. Mit Haltiner steht an der Spitze des Verwaltungsrats ebenfalls ein ehemaliger UBS-Manager, was während der Krise der Grossbank von verschiedener Seite als problematisch eingestuft worden war. (dapd)

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