«Organisatorische Mängel und Verfehlungen» – Finma rügt CS wegen Beschattungsaffäre um Topbanker Khan
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«Organisatorische Mängel und Verfehlungen»Finma rügt CS wegen Beschattungsaffäre um Topbanker Khan

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht stellt bei der Bank Credit Suisse schwere Aufsichtsverletzungen fest. Gegen die Bank werden Massnahmen verfügt.

von
Angela Rosser
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Der ehemalige Manager Iqbal Khan stand im Zentrum der Beschattungsaffäre rund um die Credit Suisse.

Der ehemalige Manager Iqbal Khan stand im Zentrum der Beschattungsaffäre rund um die Credit Suisse.

REUTERS
Gegen Ende 2019 wurde bekannt, dass die Credit Suisse den ehemaligen Manager Iqbal Khan und weitere Personen beschatten liess.

Gegen Ende 2019 wurde bekannt, dass die Credit Suisse den ehemaligen Manager Iqbal Khan und weitere Personen beschatten liess.

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Der ehemalige Konzernchef Tijdjane Thiam trat im Februar 2020 zurück.

Der ehemalige Konzernchef Tijdjane Thiam trat im Februar 2020 zurück.

AFP

Darum gehts

  • Die Finma untersuchte Überwachungen, die die Credit Suisse zwischen 2016 und 2019 durchführen liess.

  • Verboten sind solche Observationen nicht.

  • Die Finma stellte «gravierende organisatorische Mängel» bei der Herangehensweise der Grossbank fest.

Die Finma stellte nach eigenen Aussagen «gravierende organisatorische Mängel» bei der Credit Suisse in der sogenannten Beschattungsaffäre um Topbanker Iqbal Khan bei der Schweizer Grossbank fest. Untersucht wurden Überwachungen, die die Grossbank in einem Zeitraum zwischen 2016 und 2019 durchführen liess. Daher die Bezeichnung «Beschattungsaffäre». Gegen Ende 2019 wurde bekannt, dass die Credit Suisse den ehemaligen Manager Iqbal Khan beschatten liess. Khan wechselte damals zur UBS. Observiert wurden auch weitere Mitglieder der Geschäftsleitung und Drittpersonen im Ausland.

Anfang 2020 setzte die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) eine Prüfbeauftragte bei der Credit Suisse ein. Aufgrund der Abklärungen lief seit September 2020 ein Enforcementverfahren gegen die Bank. Wie die Finma in einer Mitteilung am Dienstag schreibt, ist dieses Verfahren nun abgeschlossen.

«Organisatorische Mängel und Verfehlungen»

Bei den untersuchten Observationstätigkeiten stellte die Finma «organisatorische Mängel und Verfehlungen» fest. Diese Verfehlungen betreffen nicht nur das Verhalten von Teilen der Geschäftsleitung, sondern auch die bankinterne Kommunikation. Ein damaliger externer Sicherheitsexperte nahm sich zu dieser Zeit das Leben. Im Februar 2020 trat der ehemalige Konzernchef Tijdjane Thiam zurück.

Die Finanzmarktaufsicht ordnete diverse Massnahmen für die Credit Suisse an. Zum Beispiel muss künftig eine Überwachung von oberster Führungsebene genehmigt werden. So ist künftig die Verantwortung klar geregelt. Kommunikationswege müssen nachvollziehbar sein und dokumentiert werden. Ob die Grossbank diese Massnahmen auch angemessen umsetzt, wird die Finma überprüfen lassen.

Neben Beschattungs- auch Korruptionsaffäre in Mosambik

Des Weiteren kommen der Credit Suisse auch angebliche Gesetzesverstösse im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre in Mosambik teuer zu stehen. Die Bank habe bei einem Vergleich Strafzahlungen von insgesamt rund 475 Millionen Dollar (408 Mio Euro) in den Vereinigten Staaten und Grossbritannien akzeptiert, verkündeten das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC am Dienstag in Washington. Die Credit Suisse erklärte sich zufrieden damit, einen Schlussstrich unter die Verfahren ziehen zu können.

Die Behörden werfen der Bank vor, in den Jahren 2013 bis 2016 in ein umfassendes Bestechungskomplott verwickelt gewesen zu sein. Konkret gehe es um staatlich garantierte Grosskredite und Anleihen, mit denen angeblich unter anderem ein Fischereiprojekt in Mosambik finanziert werden sollte. Tatsächlich wurden mit dem Geld laut dem US-Justizministerium aber korrupte Regierungsvertreter des südostafrikanischen Staates geschmiert; zudem sollen sich auch Investmentbanker der Credit Suisse selbst bereichert haben.

Die Strafverfolger beschuldigen den Schweizer Finanzkonzern, gegen das Anti-Korruptions-Gesetz «Foreign Corrupt Practices Act» verstossen zu haben, mit dem die USA Bestechungsvorwürfe auch jenseits ihrer eigenen Landesgrenzen verfolgen. Ausserdem legt die US-Börsenaufsicht der Credit Suisse Irreführung von Investoren und mangelnde interne Kontrollen zur Last. Von den Strafzahlungen gehen knapp 100 Millionen Dollar an die SEC, rund 175 Millionen an das US-Justizministerium und 200 Millionen an die britische Finanzaufsicht FCA.

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