Aktualisiert 30.05.2009 19:29

Krisenszenario

Finma schockt Banken

Das Krisenszenario der Finma zeigt, dass die UBS noch nicht über dem Berg ist: Es droht eine Kreditverknappung.

Die Banken erhielten kürzlich Post von der Finanzmarktaufsicht (Finma). In einem Brief, welcher der SonntagsZeitung vorliegt, verlangt die Aufsichtsbehörde der Banken von den Schweizer Geldverleihern, Krisenszenarien durchzurechnen.

In dem Schreiben, das an rund 40 Banken gegangen ist, begründet die Finma dies damit, dass die «seit vielen Monaten andauernde Finanzmarktkrise mit den entsprechenden negativen Auswirkungen sowie die überwiegend pessimistischen Wirtschaftsprognosen die Finanzindus­trie wie auch die Aufsichtsbehörden in ­hohem Ausmass beschäftigen».

Die Finma will sich «ein genaueres Bild von der Situation» der Banken machen. Deshalb müssen sie für die Behörde verschiedene Krisenszenarien durchrechnen. Zum Beispiel, was ein Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 4 Prozent bedeuten würde oder die Abnahme des Bruttoinlandprodukts um 3 Prozent. Die Finma will herausfinden, ob und wie die Banken gerüstet sind für den Wirtschaftsabschwung.

Das ist die Finma

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma nahm am 1. Januar 2009 ihren Betrieb auf. Neu ist in der Schweiz die staatliche Aufsicht über Banken, Versicherungsunternehmen, Börsen und Effektenhändler sowie weitere Finanzintermediäre in einer Behörde zusammengefasst. Die drei bisherigen Behörden Bundesamt für Privatversicherungen BPV, Eidgenössische Bankenkommission EBK und Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei Kst GwG wurden in einer zentralen Dienststelle zusammengeführt.

Die Finanzmarktaufsicht bezweckt laut Gesetz den Schutz der Gläubiger, der Anleger, der Versicherten sowie den Schutz der Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte. Mit der Zusammenführung soll wegen der immer komplexeren Aufgaben der Aufsichtsbehörden die Schweizerische Finanzmarktaufsicht gestärkt werden und ihr im internationalen Verhältnis ein grösseres Gewicht verliehen werden.

Die Finma ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt und funktionell, institutionell und finanziell unabhängig. Die Führung besteht aus einem Verwaltungsrat, einer Geschäftsleitung und einer von der Eidgenössischen Finanzkontrolle wahrgenommenen externen Revisionsstelle. Die Finma beschäftigt rund 320 Mitarbeiter, dabei handelt es sich vor allem um Juristen, Ökonomen, Mathematiker, Wirtschaftsprüfer und Aktuare sowie Rechnungslegungs- und Anlagespezialisten. Präsident des Verwaltungsrats ist Eugen Haltiner, der lange in der UBS-Geschäftsleitung tätig war. Vizepräsident Daniel Zuberbühler war zuvor EBK-Direktor.

Die Kosten der Finma werden vollumfänglich durch die Beaufsichtigten über Gebühren und Aufsichtsabgaben finanziert. Für das erste Betriebsjahr 2009 ist ein Betriebsaufwand von 86 Millionen Franken budgetiert. (scc)

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