Aktualisiert 27.04.2020 07:47

Betrug dank Corona

Schweizer Firma fällt auf Maskenbetrüger herein

Betrüger profitieren von der Coronakrise: Asiatische Geschäftsleute boten einer Firma in Zürich 10 Millionen Masken an – die Lieferung kam nicht.

von
les

Die Problematik fehlender Schutzmasken hat sich in der Schweiz entspannt: Ab Montag wird die Armeeapotheke während zwei Wochen täglich eine Million Hygienemasken an Detailhändler abgeben. Diese verkaufen sie dann zum Einkaufspreis an die Bevölkerung. In Deutschland soll bald in allen Bundesländern eine Maskenpflicht gelten. Auf dem Höhepunkt der Pandemie waren die Masken jedoch besonders knapp. Davon hat das organisierte Verbrechen profitiert, was laut der «Sonntagszeitung» (Bezahlartikel) eine Firma mit Sitz in Zürich am eigenen Leib erfahren hat.

Geschäftsleute aus Asien kontaktierten den Geschäftsführer der Firma in Zürich, da sie grosse Mengen an Schutzmasken liefern könnten. Die Firma solle ihnen helfen, Abnehmer für die Ware zu finden. Ein Kunde war schnell gefunden: Das Amt für Gesundheit im deutschen Nordrhein-Westfalen brauchte dringend Nachschub fürs Gesundheitspersonal und willigte ein, 10 Millionen Masken für 15 Millionen Euro zu kaufen.

Kein Einzelfall

Alles war für die Auslieferung vorbereitet: Das Geld hatte seinen Weg von Deutschland in die Schweiz und von hier nach Asien gefunden. Sogar ein Lastwagenkonvoi inklusive Polizeieskorte stand bereit, um die Masken in den Niederlanden abzuholen. Doch die Lieferung kam nicht. Es gäbe Verzögerungen, so der asiatische Anbieter. Schliesslich realisierte die Firma in Zürich, dass es sich beim Lieferanten um Betrüger handelte und erstattete Anzeige. Die Behörden ermitteln international – koordiniert durch die Europäische Polizeibehörde (Europol).

Dieser Betrugsfall in der Coronakrise sei kein Einzelfall, heisst es beim Bundesamt für Polizei (Fedpol). «Kriminelle haben sich rasch der Lage angepasst und versuchen mithilfe des Internets oder anderen Mitteln Kapital aus der Situation zu schlagen», sagt der Sprecher Florian Näf. Gemäss einem Bericht von Europol kam es neben dem Vorschussbetrug – man zahlt, aber die Lieferung kommt nicht – auch Betrug mit gefälschtem Schutzmaterial. In Rumänien kam es zur Beschlagnahmung von unbrauchbaren Schutzmasken, in Frankreich und Deutschland wurden gefälschte Covid-19-Test-Kits beschlagnahmt. In Italien wird die Mafia verdächtigt, aus dem Handel mit Schutzmaterial Profit zu schlagen.

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