Aktualisiert 15.01.2019 09:09

Heikles GeschäftFirma macht Geld mit Ihren Gesundheitsdaten

Auf einer Plattform können Nutzer all ihre Arztdaten speichern – und damit Geld verdienen. Das birgt Risiken.

von
Dominic Benz
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Die Schweizer Jungfirma Healthbank macht mit dem Sammeln von Gesundheitsdaten Geld.

Die Schweizer Jungfirma Healthbank macht mit dem Sammeln von Gesundheitsdaten Geld.

Maja Hitij
Auf der digitalen Plattform können Nutzer alle erdenklichen Gesundheitsdaten sammeln und speichern.

Auf der digitalen Plattform können Nutzer alle erdenklichen Gesundheitsdaten sammeln und speichern.

Keystone/Jean-christophe Bott
«Die Idee dahinter ist, dass Nutzer die Kontrolle über alle Daten haben und sie diese an einem Ort zusammenführen können», sagt Healthbank-CEO Reto Schegg zu 20 Minuten.

«Die Idee dahinter ist, dass Nutzer die Kontrolle über alle Daten haben und sie diese an einem Ort zusammenführen können», sagt Healthbank-CEO Reto Schegg zu 20 Minuten.

Christoph Soeder

Ob Diagnosen, Spitalaufenthalte oder Arztbesuche – auf der digitalen Plattform Healthbank können Nutzer alle erdenklichen Gesundheitsdaten sammeln und speichern. Diese können dann mit Ärzten, Spitälern oder anderen Interessenten geteilt werden. «Die Idee dahinter ist, dass Nutzer die Kontrolle über alle Daten haben und sie diese an einem Ort zusammenführen können», sagt Healthbank-CEO Reto Schegg zu 20 Minuten.

Mit dem Teilen von Gesundheitsdaten will das 2014 gegründete Zuger Start-up die ärztliche Behandlung optimieren. So sollen elektronische Rezepte und Medikation helfen, Zeit einzusparen. Damit will die Firma die Gesundheitskosten senken. Rund 200'000 Nutzer haben sich derzeit auf der Plattform registriert. In zehn Jahren will Healthbank mit seiner Datenbank weltweit die Nummer eins sein.

«Healthbank ist wie ein Smartphone»

Geld verdient die Firma mit den Daten-Partnern. Dazu gehören etwa die Gesundheitsgruppe Galenica oder die Ärztevermittlerin Doctena. «Healthbank ist wie ein Smartphone», erklärt Schegg. Die Partner stellen eine Art App bereit, über die die Daten automatisch auf Healthbank gespeichert werden können. «Wir funktionieren so als unabhängiger Cloud-Speicher für die vom Nutzer zur Verfügung gestellten Daten.» Für das Bunkern der Informationen erhält Healthbank Geld von den Partnern.

Auch die Nutzer können an ihren eigenen Daten verdienen. Und zwar dann, wenn sie die Informationen zu Forschungszwecken teilen. Das geschieht – ausser mit ausdrücklicher Einwilligung – anonym. Für das Teilen gibt es im Schnitt bis zu 550 Franken. Healthbank erhält im Gegenzug eine Vermittlungsgebühr. «Wir sind ähnlich wie der Marktplatz von Ebay», sagt Schegg.

Unüberlegtes Teilen

Für den Datenschutzexperten David Rosenthal bergen solche Datenplattformen durchaus Risiken (siehe Interview). «Oft lassen sich die Nutzer auf etwas ein, ohne zu wissen, welche Folgen das haben kann.» Wird nicht klar und deutlich informiert, ist die Gefahr gross, dass Daten unüberlegt geteilt werden. Zwar sind die vereinbarten Regeln und Zusagen verbindlich, aber für den Konsumenten ist es letztlich dennoch eine Frage des Vertrauens. «Jeder muss selber entscheiden, ob er das Risiko eingeht und seine Daten auf einer solchen Plattform speichern will», sagt Rosenthal.

Risiken beim Teilen

Vor Hackern hat Firmen-Chef Schegg keine Angst. «Wir sind überzeugt, dass unsere technische Verschlüsselung so sicher ist, wie es heute überhaupt möglich ist.» Zudem könne Healthbank selber die Daten nicht entschlüsseln. «Wir sehen nur das, was der Nutzer uns willentlich zur Verfügung stellt.»

Das einzige Sicherheitsrisiko besteht laut Schegg dann, wenn man die Daten teilt. «Wir können mit Partnern nur vertraglich absichern, dass die Daten nicht ohne Erlaubnis weitergegeben werden», sagt er. Eine hundertprozentige Sicherheit gebe es allerdings nicht.

Herr Rosenthal*, Was halten Sie vom Geschäft mit Gesundheitsdaten?

Wenn eine Daten-Plattform transparent sagt, wie sie mit Daten Geld macht und jeder frei entscheiden kann, ob er mitmacht, ist das kein Problem. Entscheidend ist, dass die Leute verstehen, was mit ihren Daten passiert und welche Risiken sie eingehen.

Solche Plattformen sind doch beliebte Ziele von Hackern?

Das ist so. Daher muss die Sicherheit hoch sein. Sätze wie "Ihre Daten sind verschlüsselt" reichen mir nicht aus. Wichtig wäre für mich, dass ich den Anbieter kenne und ihm vertraue oder er von jemandem überprüft wurde, dem ich vertraue.

Ist es nicht gefährlich, wenn Nutzer ihre Daten selber streuen?

Nicht unbedingt. So sehen sie immerhin, was wozu getauscht wird. Mir macht teilweise mehr Sorgen, was an Arztberichten ohne Wissen der Patienten zirkuliert. Ob es einen zentralen Daten-Speicher braucht ist eine andere Frage.

*David Rosenthal ist Datenschutzexperte bei der Kanzlei Homburger

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