16.05.2016 23:51

Lieber mobilFirmen beerdigen das Festnetz-Telefon im Büro

Siemens will Festnetz-Geräte aus den Büros verbannen, Mitarbeiter sollen mit dem Handy telefonieren. Auch in Schweizer Büros ist das Festnetz auf dem Rückzug.

von
vb
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Das klassische Festnetz-Telefon verschwindet langsam aus den Büros.

Das klassische Festnetz-Telefon verschwindet langsam aus den Büros.

Keystone/Monika Flueckiger
Ein Beispiel ist der Elektrokonzern Siemens: Er stellt seine Mitarbeiter vor die Wahl, ob sie ihren Festnetz-Anschluss in der Firma abschalten wollen.

Ein Beispiel ist der Elektrokonzern Siemens: Er stellt seine Mitarbeiter vor die Wahl, ob sie ihren Festnetz-Anschluss in der Firma abschalten wollen.

Paul Zinken
Auch in Schweizer Büros werden Festnetz-Geräte seltener. «Fixtelefone werden vermehrt durch andere Kommunikationsmittel ersetzt», heisst es etwa bei der Telecomfirma Sunrise.

Auch in Schweizer Büros werden Festnetz-Geräte seltener. «Fixtelefone werden vermehrt durch andere Kommunikationsmittel ersetzt», heisst es etwa bei der Telecomfirma Sunrise.

Keystone/Steffen Schmidt

Der deutsche Elektrokonzern Siemens zählt zu den Pionieren in der Telefonie. Genau in diesem Bereich setzt die Firma jetzt den Rotstift an: Sie stellt ihre Mitarbeiter vor die Wahl, ob sie ihren Festnetz-Anschluss in der Firma abschalten wollen. Das zeigen Recherchen der «Welt». Demnach können Angestellte seit einigen Wochen aussuchen, ob sie ihren Festnetzanschluss behalten oder nur noch per Firmenhandy telefonieren wollen.

Das Projekt «One Phone» sei bereits in Deutschland, den USA und Grossbritannien gestartet, weitere Länder sollen folgen, sagte ein Unternehmenssprecher. Siemens trage damit dem «geänderten Nutzungsverhalten» Rechnung. Natürlich spart der Konzern damit auch Kosten, was der Konzern auch offen einräumt, wenn er von einem «gewissen Einsparpotenzial» spricht. Gezwungen, auf den Festnetzanschluss zu verzichten, werde jedoch niemand.

Schweizer Arbeitgeber schaffen Festnetz-Geräte ab

Auch in Schweizer Büros werden Festnetz-Geräte seltener. «Fixtelefone werden vermehrt durch andere Kommunikationsmittel ersetzt», heisst es etwa bei der Telecomfirma Sunrise. Das Festnetz würde durch andere Kommunikationsmittel ersetzt, beispielsweise Videotelefonie oder -konferenzen. «Es gibt aber noch Funktionen, wo ein Festnetzanschluss unabdingbar ist, zum Beispiel bei Kundendienst-Mitarbeitern oder Sicherheitsverantwortlichen», so Mediensprecher Roger Schaller zu 20 Minuten.

Bei der Swisscom sieht es ähnlich aus: Die Festnetz-Telefone sind grösstenteils von den Schreibtischen verschwunden. Die Mitarbeiter arbeiten mit dem UCC-System (Unified Communication and Collaboration). Eingehende Telefonate werden am Bildschirm angezeigt; statt den Telefonhörer in die Hand zu nehmen, nimmt der Empfänger den Anruf über den Computer ab.

Auf UCC setzt auch die Bundesverwaltung. Seit Ende 2015 sind die Festnetz-Telefone weitgehend aus ihren Büros verbannt worden.

Angst vor Erreichbarkeitsdruck

Bei Siemens haben sich bis jetzt etwa 20 Prozent der Angestellten in Deutschland für einen Verzicht auf das Festnetz-Telefon entschieden, schreibt die «Welt» weiter. Allein damit liessen sich jährlich mehrere Millionen sparen.

Aus Mitarbeitersicht schürt das Projekt hingegen auch Ängste. Führungskräfte dürften nicht erwarten, dass die Angestellten in Zukunft rund um die Uhr erreichbar sind, da sie ihr Büro-Handy auch zu Hause dabei haben, sagte ein Siemens-Betriebsrat.

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