04.03.2015 04:52

Während SitzungenFirmen führen Regeln für Handy-Nutzung ein

Während der Sitzung E-Mails checken oder in den sozialen Medien surfen: Diese Unart verbreitet sich auch in Schweizer Firmen. Erste gehen dagegen vor.

von
Valeska Blank
Es lenkt ab und ist unanständig: Das Smartphone ist bei vielen Firmen an Sitzungen verpönt.

Es lenkt ab und ist unanständig: Das Smartphone ist bei vielen Firmen an Sitzungen verpönt.

E-Mails checken, twittern, SMS schreiben – und das in Gesellschaft. Was noch vor ein paar Jahren als Gipfel der Unhöflichkeit galt, ist inzwischen Normalität. Und das sogar während der Arbeit. Sitzungsteilnehmer, die lieber in ihr Smartpone starren, statt dem Gespräch zu folgen, gehören in Schweizer Unternehmen zur Tagesordnung. «Von dieser Unart höre ich immer öfter», sagt der Produktivitätstrainer Willy Knüsel zu 20 Minuten.

Dabei ist das Smartphone ein Produktivitätskiller und stört die Arbeitskollegen. Laut einer Studie der Marshall School of Business in Kalifornien fühlen sich viele Angestellte von der Smartphone-Nutzung anderer Sitzungsteilnehmer beeinträchtigt. Es sei ein Zeichen von mangelndem Respekt und mangelnder Aufmerksamkeit, so die Befragten.

Firmen stellen Regeln auf

Vor allem Angestellte in Kaderpositionen stören sich an dem Verhalten. 86 Prozent der Umfrageteilnehmer mit einem überdurchschnittlichen Einkommen sagten, es es sei unangemessen, einen Anruf entgegenzunehmen. 84 Prozent fanden es unangebracht, SMS oder E-Mails zu lesen.

Aus diesem Grund stellen Schweizer Firmen vermehrt Leitlinien auf, was in Sachen Smartphone während Sitzungen tabu ist. Ein Beispiel ist der Milchverarbeiter Emmi: «Empfehlungen zum Umgang mit dem Mobiltelefon sind bei uns Teil der Sitzungsregeln», sagt Sprecherin Sibylle Umiker. Darin sei festgehalten, dass Telefone aus- oder lautlos geschaltet sein sollten und dass während Sitzung grundsätzlich keine Anrufe entgegengenommen werden.

Noch kein Verbot

Von einem offiziellen Handy-Verbot wollen die meisten Schweizer Firmen hingegen nichts wissen. Swisscom setzt lieber auf die Eigenverantwortung seiner Angestellten. «‹Verbotszeiten› für die Nutzung von Handys kennen wir nicht», sagt Sprecher Olaf Schulze.

Sehr kulant im Umgang mit Handys zeigt sich Coop: Dort wird es toleriert, dass sich Mitarbeiter während Sitzungen mit dem Smartphone beschäftigen. «Bei Mitarbeitenden, die nicht von allen Sitzungsthemen betroffen sind, kann es Sinn machen, dass sie sich via Handy anderen Pendenzen widmen – natürlich nur in der Zeit, in welcher sie keinen Beitrag leisten müssen», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander.

«Das ist ein Affront»

Produktivitätstrainer Willy Knüsel findet hingegen, man sollte klare Grenzen ziehen. «Es ist schlicht unhöflich, während einer Sitzung das Handy zu zücken – das ist nicht nur ein Affront für den Sitzungsleiter, sondern auch für die anderen Teilnehmer.» Weil sich das Problem verschärfe, seien Richtlinien, wie sie jetzt viele Firmen durchsetzen, sinnvoll. Von offiziellen Handy-Verboten hält er trotzdem nichts. «Das wäre zu schulmeisterlich und würde bei den Mitarbeitern nicht gut ankommen.»

Besser sei es, Sitzungen so zu gestalten, dass keine Langeweile aufkomme und die Teilnehmer so gar nicht in Versuchung geraten, ihre Mails oder die sozialen Medien zu checken. «Gute Vorbereitung, klare Traktanden und vor allem Kürze – so bleibt die Sitzung spannend, auch ohne Handy», so Knüsel.

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