Aktualisiert 23.03.2020 08:07

Notkredite«Firmen kommen innert 30 Minuten zum Geld»

Finanzminister Maurer sorgt dafür, dass Hilfsgelder in der Höhe von bis 500'000 Franken sofort bezahlt werden. Wer Geld braucht, geht zur Bank. Bürgen tut der Bund.

von
S. Spaeth
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Laut Bundesrat Ueli Maurer kommen Schweizer Firmen in der Corona-Krise nun schnell an Geld.

Laut Bundesrat Ueli Maurer kommen Schweizer Firmen in der Corona-Krise nun schnell an Geld.

Keystone/Peter Klaunzer
Das ist auch wichtig. Denn viele Unternehmen sind wegen des Virus in Schieflage geraten. Beim Schaffhauser Maler- und Gipsergeschäft von Daniel Scheffmacher kommen fast keine Aufträge mehr rein.

Das ist auch wichtig. Denn viele Unternehmen sind wegen des Virus in Schieflage geraten. Beim Schaffhauser Maler- und Gipsergeschäft von Daniel Scheffmacher kommen fast keine Aufträge mehr rein.

«Ich rechne mit monatelangen negativen Auswirkungen und einem beträchtlichen finanziellen Schaden», sagt Inhaber Daniel Scheffmacher weiter.

«Ich rechne mit monatelangen negativen Auswirkungen und einem beträchtlichen finanziellen Schaden», sagt Inhaber Daniel Scheffmacher weiter.

Der Bund will der Corona-geplagten Schweizer Wirtschaft mit 42 Milliarden Franken unter die Arme Greifen. Das haben die Bundesräte Guy Parmelin und Ueli Maurer am Freitagnachmittag im Rahmen einer Pressekonferenz erläutert. «Kann der Bund überhaupt so viele Milliarden ausgeben?», stellte Finanzminister Maurer die rhetorische Frage. Seine Antwort: «Ja», die Finanzen des Bundes seien robust und der Finanzplatz stabil.

Zentral sind für Maurer jene 20 Milliarden Franken aus dem Hilfspaket, mit welchen Klein- und mittelgrossen Unternehmen (KMU) sofort Überbrückungskredite gewährt werden. Damit das Geld schnell unter die Leute kommt, setzt Maurer auf die Banken. «Damit haben wir auf einen Schlag 2000 neue Mitarbeiter», so Maurer. Das Regime gilt ab kommendem Donnerstag.

Tausende Gesuche von KMU

Maurer rechnet damit, dass innert Kürze 10'000 Gesuche von KMU eingereicht werden. Das Vorgehen schildert er so: «Wer Geld braucht, geht zu seiner Hausbank. Das Geld bis 500'000 Franken wird sofort ausbezahlt, weil der Staat dafür bürgt.» So sei sichergestellt, dass die Gelder sofort gesprochen werden könnten. «Wir müssen der Wirtschaft nun Liquidität zuführen», so Maurer weiter. Man komme innerhalb einer halben Stunde zum Kredit, unbürokratisch.

Betroffene Unternehmen sollen Kredite in einer Maximalhöhe von 10 Prozent ihres Umsatzes oder von höchstens 20 Millionen Franken erhalten. «Jeder im Land erhält diesen Monat seinen Lohn», versicherte Maurer.

Ob der Umfang der Kredite reicht, ist laut Maurer nicht sicher. Womöglich müsse man aufstocken. Noch offen ist, zu welcher Höhe die Gelder verzinst werden müssen. Maurer: «Der Zins ist bescheiden.» Er sei sich bewusst, dass gewisse Kredite ausfallen dürften. «Wir wollen aber Vertrauen schaffen und sofort helfen», so Maurer.

Lehrlinge erhalten Geld

Eine weitere wichtige Massnahmen ist die Ausweitung der Kurzarbeitsentschädigung. Neu profitieren auch Personen, welche befristet oder temporär angestellt sind oder in arbeitgeberähnlichen Anstellungen arbeiten. Auch für Lehrlinge gibt es Kurzarbeitsentschädigung. Zudem wird die Karenzfrist aufgehoben und das Verfahren vereinfacht.

Selbstständigerwerbende werden während einer gewissen Zeit ebenfalls entschädigt, falls sie wegen Schulschliessungen Kinder betreuen müssen, bei ärztlich verordneter Quarantäne oder der Schliessung eines selbstständig geführten öffentlich zugänglichen Betriebes. Sie erhalten 80 Prozent des Lohns, höchstens 196 Franken pro Tag.

Banken wollen mithelfen

«Wir begrüssen das entschlossene Handeln des Bundesrates und schätzen die gute Zusammenarbeit mit dem Bund und den beteiligten Banken. Wir werden mit unseren Kunden auf eine schnelle und möglichst unbürokratische Umsetzung des Garantieprogramms hinarbeiten», lässt André Helfenstein, CEO der Credit Suisse (Schweiz), ausrichten. Er freue sich, dass die Bank bereits in einem frühen Zeitpunkt eine aktive Rolle spielen und sich mit dem gefundenen Lösungsansatz beim Bund einbringen konnte.

Und der Raiffeisen-Chef Heinz Huber lässt verlauten: «Raiffeisen nimmt ihre volkswirtschaftliche Verantwortung wahr, indem wir pragmatisch Wege und Lösungen finden. Gerade in dieser ausserordentlichen Lage gilt es, zusammenzustehen.» Deshalb begrüsse Raiffeisen die gemeinsame Finanzplatzlösung. (sas)

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