Sponsoring: Firmen machen sich in Schweizer Schulen breit
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SponsoringFirmen machen sich in Schweizer Schulen breit

Unternehmen und Verbände sind in der Schule immer stärker präsent. Der Lehrerverband kämpft mit einem neuen Verhaltenskodex gegen das Problem.

von
F. Lindegger
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Schüler sind für Firmen und Organisationen eine interessante Zielgruppe.

Schüler sind für Firmen und Organisationen eine interessante Zielgruppe.

Keystone/Christian Beutler
Discounter Aldi zum Beispiel versucht schon früh seine Marke bei den Kindern zu etablieren. Im Bild: Das «Powerpaket» mit Plüschtieren, Früchten und Obst, das der Detailhändler zurzeit an Schulen verteilt.

Discounter Aldi zum Beispiel versucht schon früh seine Marke bei den Kindern zu etablieren. Im Bild: Das «Powerpaket» mit Plüschtieren, Früchten und Obst, das der Detailhändler zurzeit an Schulen verteilt.

Aldi
Samsung rüstet ganze Schulen mit kostenlosen Tablets aus. Auch andere Techfirmen wie Apple, oder Microsoft sind an Schulen aktiv.

Samsung rüstet ganze Schulen mit kostenlosen Tablets aus. Auch andere Techfirmen wie Apple, oder Microsoft sind an Schulen aktiv.

Keystone/Petra Orosz

Am 3. November ist Tag der Pausenmilch. «360'000 Schulkinder und Lehrpersonen in der ganzen Schweiz erhalten einen Becher Milch kostenlos und werden über Milch informiert», heisst es zum Anlass auf der Website Swissmilk, hinter der die Schweizer Milchproduzenten stehen. Die Milchproduzenten nutzen den Anlass, um den Schülern die Vorzüge der Milch anzupreisen. Auch Lehrer und Eltern erhalten Infoblätter.

Wie Swissmilk drängen unzählige Firmen, Verbände oder Bundesämter in die Schulen. «Etwas Magisches passiert, wenn Apple-Produkte im Unterricht genutzt werden», heisst es etwa auf der Website von Apple, wo die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten der Geräte für die Schule aufgezeigt werden. Samsung stattet ganze Schulhäuser gratis mit Tablets und anderen Gadgets aus. Aldi verteilt seit neustem Taschen mit Obst und Pflüschfiguren.

Gesponsertes Unterrichtsmaterial

Doch auch die Unterrichtsmaterialien selbst stammen teilweise von Firmen oder Verbänden. Das Unternehmen LerNetz etwa entwickelt unter anderem im Auftrag von Firmen Lehrmittel. Auf Kiknet.ch können Lehrer gratis vorbereitete Lektionen mit Arbeitsblättern und anderen Materialien herunterladen, die von Firmen gesponsert wurden.

Die Erdölvereinigung ist dabei etwa «Kompetenzpartner» für die Unterrichtseinheit Erdöl, die sich an Oberstufenschüler richtet. Zum Thema Fliegen gibt es Material für sämtliche Stufen, das in Zusammenarbeit mit der Fluggesellschaft Swiss erstellt wurde. Auf jeder Seite prangt ein Flugzeug samt Logo der Airline. Die Arbeitsblätter zum Thema Kakao zieren das Logo des Schokoladeproduzenten Cailler.

«Lehrperson muss entscheiden»

Die Absicht der Firmen und Verbände ist klar: Sie möchten entweder ihre Ansichten in den Unterricht einfliessen lassen oder dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche schon sehr früh eine Beziehung zur Marke aufbauen.

«Schulen werden bombardiert mit Broschüren von Firmen, Branchenverbänden oder Umweltorganisationen», sagt Jürg Brühlmann vom Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz zu 20 Minuten. Er sieht vor allem die Markenwerbung kritisch. «Sobald Logos im Spiel sind, wird es heikel.» Klar geregelt sei der Umgang mit gesponsertem Material aber nicht. «Jeder Kanton, jede Gemeinde hat eigene Richtlinien.» Letztlich müssten aber immer die Lehrpersonen entscheiden, ob und wie sie solche Informationen im Unterricht einsetzten, so Brühlmann.

Verhaltenskodex soll helfen

Das Problem, dass Firmen und Verbände den Unterreicht beeinflussen, werde in Zukunft eher noch zunehmen, ist Brühlmann überzeugt. «Die Schulen sind immer mehr von Abbaumassnahmen betroffen, sodass Mittel im Lehrplan fehlen.» Firmen reagierten schnell und würden entsprechendes Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen.

Um dem Problem Einhalt zu gebieten, arbeite der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz zusammen mit Unternehmen an einem Verhaltenskodex für gesponsertes Unterrichtsmaterial. Firmen könnten sich dann verpflichten gewisse Regeln einzuhalten. «Der Kodex regelt beispielsweise, dass Firmen zurückhaltend mit dem Gebrauch von Logos umgehen sollen», so Brühlmann. Ende Jahr soll der Verhaltenskodex erstmals vorgestellt werden.

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