Aktualisiert 09.02.2015 11:50

Freie Stellen

Firmen schaffen Jobs trotz Krise

Die Schweizer Firmen leiden unter dem starken Franken. Doch eine Analyse zeigt: Derzeit stellen sie trotzdem noch Leute ein.

von
Kaspar Wolfensberger

Nach dem SNB-Entscheid fürchten sich viele vor einem Jobverlust. Wie es scheint, nicht ohne Grund: Die Bank Julius Bär hat bereits den Abbau von 200 Stellen bekannt gegeben, der Zahnimplantate-Hersteller Straumann entlässt zwar nicht, kürzt seinen Mitarbeitern aber die Löhne. Besonders betroffen von der Krise sind primär das Gastgewerbe sowie Industrie und Handel, die laut einer Analyse von Credit-Suisse-Ökonomen im Verlaufe des Jahres rund 0,7 Prozent der Stellen abbauen werden.

Wirft man einen Blick auf die Anzahl ausgeschriebener Stellen, so lässt sich diese Krisenstimmung aber noch nicht bestätigen. Auf der Stellenradarwebsite der Firma Placementbooster.ch beispielsweise fanden sich Anfang Februar ungefähr 22'000 offene Positionen. Das ist im Vergleich zu den Vormonaten ein durchschnittlicher Wert, wie die Grafik oben zeigt. Berücksichtigt wurden für diese Übersicht die Websites von über 6000 Schweizer Firmen.

Sozialwesen und Banken

Wie lässt sich dies erklären? Laut den Ökonomen der Credit Suisse dürften dieses Jahr vor allem im Bereich der öffentlichen Verwaltungen, im Gesundheits- und Sozialwesen oder auch bei Banken und Versicherungen Jobs geschaffen werden. Wie der Konjunkturforscher Jan-Egbert Sturm im Interview mit 20 Minuten erklärt, dürfte dieses Job-Wachstum zwar geringer ausfallen als in den Jahren zuvor, trotzdem gebe es in diesen Branchen keinen Grund zur Panik.

Mittelfristig sollen ausserdem die Pharmabranche, das Gesundheitswesen und die Medizinaltechnologie im Job-Bereich überdurchschnittlich wachsen. Auch für die Informatik und für die Beratungsbranche sind die Aussichten positiv. Treiber in diesen Sektoren sei der medizinisch-technologische Fortschritt sowie die zunehmende Digitalisierung.

Rezession und Stagnation

Derzeit beträgt die Arbeitslosenquote in der Schweiz 3,4 Prozent. Das bedeutet, dass ungefähr 150'000 Personen hierzulande auf Stellensuche sind und sich bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) haben registrieren lassen. Die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit bis 2016 auf 4,1 Prozent steigen wird. Das entspricht etwa 37'000-40'000 zusätzlichen Arbeitslosen.

Wann sich die Wirtschaft wieder erholt, hängt primär von der Entwicklung der Wechselkurse ab. Bleiben sie konstant, so dürfte das Schlimmste laut Prognosen der KOF Ende 2015 überstanden sein. Es sei aber möglich, dass es nach einer kurzen Rezession in diesem Jahr auch 2016 noch eine Stagnation, das heisst ein Nullwachstum, geben wird.

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