Ersatz für Quoten: Firmen sollen mit Frauen-Zertifikaten handeln
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Ersatz für QuotenFirmen sollen mit Frauen-Zertifikaten handeln

Anstelle starrer Frauenquoten soll ein Handel mit Zertifikaten die Frauenvertretung in den Chefetagen steigern. Dies in Anlehnung an den Handel mit CO2-Zertifikaten.

von
kwo

Frauenquoten für Chefetagen befinden sich im Aufwind. 2014 führte zum Beispiel der Kanton Basel-Stadt eine solche Quote für die Verwaltungsräte kantonsnaher Betriebe – etwa bei der Universität Basel oder den kantonalen Spitälern – ein. Und auch im Ausland erfreut sich die Massnahme wachsender Beliebtheit. In Norwegen beispielsweise gilt eine Frauenquote von 40 Prozent für Sitze in den Verwaltungsräten der 600 börsennotierten Unternehmen.

Bei Ökonomen sind solche starren Quoten derweil eher unbeliebt. Ihnen gefällt es meist besser, mit finanziellen Anreizen zu arbeiten. Wie die NZZ berichtet, haben drei Wirtschaftswissenschafter der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich und der Universität Darmstadt sich daher ein Konzept aus der Umweltpolitik geborgt und schlagen eine Art «flexible Frauenquote» vor. Will heissen: Wie beim Handel mit CO2-Zertifikaten soll es einen Gutscheinhandel für die Geschlechterquoten in Firmen geben. Zu Beginn des Systems erhielte jede Firma eine bestimmte Quote zugewiesen, danach wäre ein Handel mit den Quotenanteilen erlaubt.

Unterschiede nach Branchen

Als Begründung für ihren Vorschlag nennen die Forscher, dass es nicht in allen Branchen gleich leicht ist, beispielsweise eine Quote von 30 Prozent wie in Basel-Stadt zu erfüllen. Firmen, die in typischen «Männerbranchen» tätig sind, könnten somit Zertifikate kaufen, während die Verkäufer für die Übererfüllung der Quote finanziell belohnt werden. Insgesamt wird damit zumindest in der Theorie die Frauenvertretung gestärkt, aber billiger und flexibler als mit starren Vorgaben.

Headhunter Andreas Kropf von Dr. Bjørn Johansson Associates aus Zürich erachtet eine Flexibilisierung der Frauenquote mittels dem Handel von Zertifikaten als eine sehr elegante theoretische Idee. Eine Umsetzung in der Praxis kann sich der Personalexperte aber nur sehr schwer vorstellen. «Denn eine nationale Lösung greift zu kurz, da alle internationalen Unternehmungen nicht in das Modell hineinpassen würden», erklärt Kropf. Für Firmen, welche über die Landesgrenzen hinaus tätig sind, müsste also ein globaler Handelsplatz, reguliert von einer globalen Behörde etabliert werden. Kropf sieht eine weitere Schwierigkeit bei der Idee: «Wie wird sichergestellt, dass die initiale Zuteilung der Zertifikate auf die einzelnen Unternehmen, welche die Basis für einen Handel bildet, auch fair abläuft?»

Auch für Fettleibige und Kleine

Grundsätzlich wäre der Zertifikatshandel für die Firmen auch auf viele andere diskriminierte Gruppen ausdehnbar. Statistiken zeigen zum Beispiel eine Benachteiligung von älteren Stellensuchenden, von Kleinwüchsigen, von Fettleibigen oder auch Personen mit ausländischem Namen auf. Dies, so die NZZ, zeige ebenfalls die Grenze der Theorie auf. Schliesslich könne nicht jede Art der Benachteiligung mit Zertifikaten aus der Welt geräumt werden.

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