Kanton Zürich: Firmen suchen für August noch 1500 Lehrlinge
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Kanton ZürichFirmen suchen für August noch 1500 Lehrlinge

Einen Monat vor Lehrbeginn ist im Kanton Zürich noch jede siebte Lehrstelle unbesetzt. Für Experten ist klar: Die Ansprüche sind gestiegen.

von
ced
Im Kanton Zürich werden noch 205 angehende Coiffeusen und Coiffeure gesucht.

Im Kanton Zürich werden noch 205 angehende Coiffeusen und Coiffeure gesucht.

Im Kanton Zürich suchen diverse Unternehmen noch nach insgesamt 1500 Lehrlingen für den Lehrbeginn im August. Laut neusten Zahlen im Zürcher Lehrstellennachweis (Lena) gibt es für zahlreiche Berufe vakante Arbeitsplätze im zwei- bis dreistelligen Bereich. Besonders bei den Coiffeuren (205), Detailhändlern (185) und Restaurationsfachleuten (68) sind viele Stellen offen.

Für Christof Hasler vom Winterthurer KMU-Verband ist das nicht verwunderlich. «Berufe, die gesellschaftlich weniger Ansehen geniessen, bleiben auf der Strecke», sagt er zum «Landboten». Allgemein seien Schulabgänger wählerischer und anspruchsvoller geworden.

«Die Ansprüche sind gestiegen»

Auch Thomas Hess vom kantonalen Gewerbeverband (KGV) kann bestätigen, dass gewisse Berufszweige mit Imageproblemen zu kämpfen haben. «Heute wollen alle ins KV oder Grafiker werden, doch bei vielen reicht es wegen der Schulnoten eben nicht.» Wer dann keinen Handwerksberuf erlernen wolle, gehe halt einfach ins 10. Schuljahr.

Obwohl es bereits 2014 noch zahlreiche offene Lehrstellen gab, besuchten 19 Prozent aller Zürcher Schulabgänger das 10. Schuljahr. Dieses Jahr werden ähnliche Zahlen erwartet. Lijljana Ilic, Rektorin der Berufsvorbereitung Winterthur Profil: «Die Ansprüche der Jugendlichen sind ganz klar gestiegen.»

Im Zweifel lieber keinen Lehrling

Um dem entgegenzuwirken, werde an der Schule auch versucht, den Horizont der Jugendlichen zu erweitern. «Natürlich dürfen sie ihren Traumberuf verfolgen, aber sie sollen von Anfang an auch einen Plan B haben und bewirtschaften», so Ilic. Nach eigenen Erfahrungen sei das meistens nicht der Fall.

Nicht nur auf Seiten der Jugendlichen, sondern auch bei den Lehrbetrieben sind die Ansprüche gestiegen. Laut André Monhart, Leiter des Fachbereichs Berufsberatung beim Kanton Zürich, sind heutzutage immer mehr Kompetenzen gefragt. Im Zweifel würden Firmen deshalb lieber auf die Besetzung einer Stelle verzichten, als einen ungeeigneten Lehrling einzustellen.

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