Aktualisiert 14.11.2017 16:39

GesundheitsförderungFirmen wollen Mitarbeiter mit Gratisvelos fit halten

Mitarbeiter können vermehrt von Fahrrädern profitieren, die sie für den Arbeitsweg nutzen. Setzt das autofahrende Mitarbeiter unter Druck?

von
B. Zanni
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Zunehmend bieten Schweizer Firmen ihren Mitarbeitern Fahrräder an, die sie für den Arbeitsweg nutzen können.

Zunehmend bieten Schweizer Firmen ihren Mitarbeitern Fahrräder an, die sie für den Arbeitsweg nutzen können.

Keystone/Alessandro Della Bella
Die Zuger Kantonalbank stellt 13 E-Bikes kostenlos zur Verfügung.

Die Zuger Kantonalbank stellt 13 E-Bikes kostenlos zur Verfügung.

ZugerBank
«Die Mitarbeitenden können die Bikes geschäftlich nutzen oder auch ausserhalb der Bürozeiten, zum Beispiel für den Arbeitsweg», sagt Doris Zetzema, Projektleiterin Kommunikation.

«Die Mitarbeitenden können die Bikes geschäftlich nutzen oder auch ausserhalb der Bürozeiten, zum Beispiel für den Arbeitsweg», sagt Doris Zetzema, Projektleiterin Kommunikation.

ZugerBank

Über 400'000 E-Bikes verkehren auf Schweizer Strassen. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. 2016 wurden rund 75'000 neue E-Räder verkauft – 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Ähnlich sieht es bei den motorlosen Velos aus mit rund 250'000 verkauften Stück allein 2016. An Schweizer Firmen geht der Trend nicht vorbei. Zunehmend bieten sie ihren Mitarbeitern Fahrräder an, die sie für den Arbeitsweg nutzen können.

Die Zuger Kantonalbank stellt 13 E-Bikes kostenlos zur Verfügung. «Die Mitarbeitenden können die Bikes geschäftlich nutzen oder auch ausserhalb der Bürozeiten, zum Beispiel für den Arbeitsweg», sagt Doris Zetzema, Projektleiterin Kommunikation. Die Fahrräder seien täglich im Einsatz. «Vor allem bei schönem Wetter sind oft alle reserviert.»

Auch die Mitarbeiter der Schweizer Post können sich auf Kosten des Arbeitgebers ein Velo oder E-Bike schnappen. Dafür vorgesehen sind die Stationen des Veloanbieters Publibike, der zu Post Auto gehört. «Zusätzlich stehen am Hauptsitz hausintern Velos zur Verfügung, die reserviert und kostenlos benutzt werden können», sagt Sprecherin Léa Wertheimer.

«Mit dem Velo schneller am Ziel»

Andere Firmen unterstützen Mitarbeiter beim privaten Kauf eines Velos finanziell. So übernimmt etwa die Schweizerische Rückversicherungs-Gesellschaft Swiss Re im Rahmen eines Programms zur Reduktion von Co2-Emissionen bis zu 50 Prozent des Kaufpreises. «Jährlich nutzen rund 200 Mitarbeiter diese Möglichkeit», sagt Sprecherin Charlotte Nelson.

Mit den Jobvelos wollen die Unternehmen die Gesundheit der Mitarbeiter und den Umweltschutz fördern. Die Mitarbeiter der Post legten täglich rund eine Million Kilometer für ihren Arbeitsweg oder auf Geschäftsreisen zurück, sagt Léa Wertheimer. «Damit dies möglichst klimafreundlich und gesundheitsfördernd geschieht, motiviert die Post dazu, Bahn, Bus oder Velo zu benutzen oder gemeinsam Auto zu fahren.» Bei der Zuger Kantonalbank stehen auch pragmatische Gründe im Zentrum. «Zudem sind unsere Mitarbeitenden mit dem E-Bike oft schneller am Ziel als mit einem Auto oder dem ÖV und sind nicht an einen Fahrplan gebunden.»

«Autofahrer sollen sich nicht rechtfertigen müssen»

Manche Firmen stehen mit externen Anbietern in einem Vertragsverhältnis. Etwa die Urban Connect AG bietet Firmenkunden wie Google komplette E-Bike-Flottenlösungen. «Unsere Kunden setzen unter anderem auf E-Bikes als Pendellösung, um den Mitarbeitern Zeitverluste im Verkehr, beim Parkplatzsuchen oder beim Warten auf den ÖV zu ersparen», sagt Gründerin Judith Häberli.

Auch Vertreter der Autolobby begrüssen die Angebote. «Alle Verkehrsmittel, die Menschen auf Eigeninitiative nutzen können, sind willkommen», sagt Thomas Hurter, Präsident des Automobil-Clubs der Schweiz. Er warnt aber: «Es darf nicht so weit kommen, dass sich Mitarbeiter, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, rechtfertigen müssen.» Schliesslich brauche es einen Mobilitätsmix. «Denn nicht jede Form von Mobilität ist überall gleich geeignet.»

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