Managerlöhne in der Schweiz: Firmen zahlen Manager-Kindern die Privatschule
Aktualisiert

Managerlöhne in der SchweizFirmen zahlen Manager-Kindern die Privatschule

Top-Manager erhalten meist Millionensaläre. Vielen werden auch die Ausbildungskosten für ihre Kinder abgenommen. Das sei inakzeptabel, finden Aktionärsvertreter.

von
V. Blank
1 / 4
Auch bei der Credit Suisse sind Kinderzulagen in den Entschädigungen für die Manager enthalten. Im Bild CEO Brady W. Dougan.

Auch bei der Credit Suisse sind Kinderzulagen in den Entschädigungen für die Manager enthalten. Im Bild CEO Brady W. Dougan.

Ennio Leanza
Ebenso bei Novartis: Die «anderen Vergütungen» - so die Bezeichnung im Geschäftsbericht - enthalten auch Schulgebühren für Kinder. Im Bild CEO Joe Jimenez.

Ebenso bei Novartis: Die «anderen Vergütungen» - so die Bezeichnung im Geschäftsbericht - enthalten auch Schulgebühren für Kinder. Im Bild CEO Joe Jimenez.

Patrik Straub
Auszug aus dem Roche-Geschäftsbericht: «Aufgrund von vertraglichen Verpflichtungen bezahlte Roche 2014 einzelnen Konzernleitungsmitgliedern für Ausbildungskosten ihrer Kinder sowie für Steuerverpflichtungen im Ausland insgesamt 516 817 Franken.» Im Bild CEO Severin Schwan.

Auszug aus dem Roche-Geschäftsbericht: «Aufgrund von vertraglichen Verpflichtungen bezahlte Roche 2014 einzelnen Konzernleitungsmitgliedern für Ausbildungskosten ihrer Kinder sowie für Steuerverpflichtungen im Ausland insgesamt 516 817 Franken.» Im Bild CEO Severin Schwan.

Georgios Kefalas

Jeder noch so trockene Geschäftsbericht enthält mindestens ein paar interessante Seiten: den Teil über die Vergütungen an Manager und Verwaltungsräte. Schweizer Unternehmen sind verpflichtet, die Chefsaläre und -boni offenzulegen. Ausgewiesen werden müssen auch die diversen Zusatzleistungen, die Manager erhalten – diese heissen dann «sonstige Entschädigungen» oder «andere Vergütungen».

Was diese Zusatzleistungen umfassen, wird meist in einer kleingedruckten Fussnote spezifiziert. Der genauere Blick zeigt: Neben Sozialversicherungsabgaben oder Krankenkassenbeiträgen zahlen Schweizer Firmen ihren Managern oft auch die Ausbildungskosten für deren Nachwuchs. So etwa beim Pharmamulti Roche: Die «anderen Vergütungen» beinhalten etwa eine internationale Krankenversicherung – und eben die Schulgebühren für Kinder. Beim Zementriesen Holcim und bei der Grossbank Credit Suisse ist im Geschäftsbericht von Kinderzulagen die Rede. Auch Roche schreibt, dass «einzelnen Konzernleitungsmitgliedern» die Ausbildungskosten ihrer Kinder bezahlt werde. «Andere Zusatzleistungen umfassen Sozialversicherungsabgaben, [... ] und Zahlungen für die Ausbildung der Kinder», lautet bei ABB der entsprechende Absatz. ABB-Chef Ulrich Spiesshofer müsste die Privatschule seiner Kinder also nicht selbst zahlen. Doch wie die «Handelszeitung» berichtet, macht er davon keinen Gebrauch und schickt seine Kinder auf eine öffentliche Schule.

«Extrem unschön»

Aktionärsvertreter ärgern sich über diese zusätzlichen Entschädigungen für die Chefs. Bei zRating nennt man sie intern bissig exotische Vergütungskomponenten. CEO Michael Otte findet die Zahlungen vor allem mit Blick auf die ohnehin schon hohen Saläre unverständlich: «Bei diesen Löhnen noch Extras wie eine Privatschule für die Kinder zu zahlen, ist extrem unschön.» Denn am Ende sei es der Aktionär, der für diese Zusatzleistungen bezahle.

Im Top-Management sind Extra-Vergütungen jedoch normal, sagt Vergütungsexperte Gerhard Fehr von Fehradvice & Partners. «Ausbildungskosten für Kinder sind oft Bestandteil des fixen Salärs», sagt er zu 20 Minuten. Das sei auch legitim, weil Top-Manager für ihren Job nicht selten das Land oder sogar den Kontinent wechseln müssten und das mit Umstellungsproblemen für die Familie verbunden sei. Damit diese Probleme möglichst gering ausfallen, senden internationale Führungskräfte ihre Kinder meist auf internationale Schulen, die einen internationalen Lehrplan und eine international anerkannte Matura anbieten. «Die Kosten dafür übernehmen dann oft die Firmen, auch weil die Schulkosten international stark variieren können», so Fehr.

Nur üblich in internationalen Konzernen

Auch Vergütungsexperte Urs Klingler von Klingler Consultants sieht «nichts Anrüchiges» an den Zusatzleistungen für Manager. Allerdings sollten sie zeitlich begrenzt sein. Ansonsten findet Klingler, es sei legitim, dass das Unternehmen dafür sorge, dass es der Familie des Chefs gut gehe. Allerdings profitierten von den Extra-Zahlungen meist nur ausländische Manager in internationalen Konzernen. «In einem Schweizer Traditionsbetrieb wäre das Bezahlen der Privatschule wohl kein Thema.»

Deine Meinung