Aktualisiert 12.10.2010 06:19

Bezirksgericht Meilen

Fischer schlug Fischer und warf ihn in den See

Im Streit um eine verhedderte Angelschnur hat ein Fischer einen anderen Fischer geschlagen. Doch damit nicht genug.

von
Attila Szenogrady

Es war am frühen Abend vom 16. Mai 2009, als sich ein heute 20-jähriger Kosovare zusammen mit seinem Vater zur Schiffstation in Meilen begab. Die beiden Männer begannen zu fischen. Ganz in der Nähe eines heute 45-jährigen Spaniers, der ebenfalls mit einer Angelrute am Fischen war. Kurz nach 19 Uhr passierte ein folgenschweres Versehen. Die Angelschnur der Kosovaren verhedderte sich mit der Rute des Iberers. Was dieser allerdings nicht bemerkte und den fremden Silk mit einem Messer abschnitt.

Vater und Sohn bemerkten den das Abschneiden und regten sich sogleich auf. Sie begaben sich zum gesundheitlich angeschlagenen Hobby-Kollegen, der mit Krücken am Ufer stand. Sofort entbrannte ein heftiges Wortgefecht. Dann schlug der jüngere Kosovare dem Geschädigten plötzlich die Faust ins Gesicht und stiess ihn über die Ufermauer in den See. Das Opfer stürzte in die Tiefe und landete auf einigen Bollsteinen, die sich im Wasser befanden. Der bereits körperlich beeinträchtige Familienvater blieb mit einer Hirnerschütterung sowie Quetschungen an der Hals- und Lendenwirbelsäule liegen. Er hatte Glück im Unglück, da ihn beherzte Augenzeugen des Vorfalls aus dem Wasser retteten.

Der Täter und der ältere Herr machten sich dagegen aus dem Staub. Sie dachten nicht einmal daran, dem erheblich verletzten Geschädigten Hilfe zu leisten.

Alles mit Alibi bestritten

Zunächst schien der Fall schnell gelöst zu sein. So machte die Polizei die beiden in Meilen wohnhaften Kosovaren schnell ausfindig. Der Geschädigte konnte dabei den Sohn als Täter auch klar identifizieren. Allerdings stritt dieser von Anfang an alles ab. Er habe sich zur Tatzeit in Zürich auf einem Markt am Helvetiaplatz aufgehalten, gab er als sein Alibi an. Dabei bot er prompt seine beiden Schwestern als Entlastungszeuginnen auf. Beide Damen bestätigten die Unschuldsversion ihres Bruders.

Am Montag beschäftigte der Fall das Bezirksgericht Meilen. Der 20-jährige Angeklagte wies weiterhin jegliche Schuld von sich. Auch als ihm Einzelrichter Walter Egger zahlreiche belastende Hinweise vorhielt. So mehrere Zeugenaussagen, welche das Aussehen von Vater und Sohn teilweise genau beschrieben hatten. Eine besondere Rolle nahm dabei ein auffälliger Ohrenring des Schlägers ein. Gleich zwei Personen sprachen von einer Täterschaft aus dem Balkan. Hinzu kam, dass der Angeklagte nur 500 Meter vom Tatort entfernt wohnte. Nicht zuletzt hatten die Untersuchungsbehörden herausgefunden, dass am Tattag gar kein Markt auf dem Helvetia-Platz stattgefunden hatte.

Vergeblich Freispruch gefordert

Der Verteidiger führte aus, dass eine andere Täterschaft nicht ausgeschlossen sei und verlangte einen vollen Freispruch. Allerdings vergeblich. Nach einer kurzen Urteilsberatung gab Egger den Schuldspruch wegen Körperverletzung sowie Unterlassung der Nothilfe bekannt. Für den Richter standen die klaren Aussagen des Geschädigten im Vordergrund. Warum sollte er den Angeklagte zu Unrecht belasten, wollte Egger wissen. Hinzu kamen die weiteren Belastungszeugen.

Das Gericht lehnte das Alibi ab und kündigte deshalb Strafanzeigen gegen die beiden Schwestern wegen Meineides an.

Keine Bagatelle, sondern Schweinerei

Die Strafe wurde noch nicht eröffnet. Allerdings machte Egger klar, dass der Antrag der Staatsanwaltschaft See/Oberland mit einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken sowie 500 Franken Busse zu milde sei. Es werde eine harte Sanktion geben, sagte er und hielt wörtlich fest, dass hier keine Bagatelle, sondern eine Schweinerei vorliege.

Zum Geschädigten wurde bekannt, dass er heute noch von Ängsten geplagt wird und das Fischen aufgegeben hat.

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