Fischer verpasst Olympia-Qualifikation
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Fischer verpasst Olympia-Qualifikation

Marcel Fischer, der Olympiasieger von 2004, verpasste am Weltcupturnier in Heidenheim definitiv die Qualifikation für Peking. Als einziger Schweizer wird Michael Kauter im Degen-Einzel der Männer bei Olympia fechten können.

Im abschliessenden Anlass der einjährigen Olympia-Qualifikation kam Fischer nach einer Sechzehntelfinal-Niederlage gegen den Franzosen Gauthier Grumier (11:15 nach 5:2-Führung) über Platz 20 nicht hinaus.

Fischer hätte einen Podestplatz benötigt, um Michael Kauter in der bereinigten Olympia-Qualifikations-Rangliste noch abzufangen. Michael Kauters Auftaktniederlage im 64er-Tableau gegen den ehemaligen Europameister Witali Zacharow (WRuss/13:15) fiel letztlich nicht ins Gewicht.

Auf den ersten drei Rängen der bereinigten Weltrangliste blieben José-Luis Abajo (Sp), Bas Verwijlen (Ho) und Joaquim Videira (Por). Michael Kauter ist die Nummer 4, Fischer die Nummer 5. Damit blieb die Rangfolge auch nach Heidenheim bestehen.

Der letztjährige EM-Dritte Fabian Kauter, der jüngere Bruder von Michael Kauter, hätte seinen Bruder übrigens im Kampf um ein Olympia-Ticket mit einem Finalvorstoss noch abfangen können. Hiefür fehlten ihm in Heidenheim als bester Schweizer (Rang 8) zwei Siege. Zwei Schweizer hätten die Olympiaqualifikation im Einzel nur dann noch geschafft, wenn einer davon in die Top 3 vorgestossen wäre.

Rückschlag nach Höhepunkten

Fischer muss drei Monate nach seinem familiären Höhepunkt vom Dezember (Vater von Tochter Shayenne) und vier Jahre nach seinem Gold-Triumph in Athen einen sportlichen Tiefpunkt verdauen. 2000 und 2004 hatte Fischer die Olympia-Qualifikation noch in extremis und dank stählerner Nerven über das Zonenturnier geschafft. Diese Möglichkeit hätte für Fischer, der 2000 in Sydney noch Olympia- Vierter war, heuer erneut ergeben, wenn er wie damals und auch 2004 ausserhalb des bereinigten Rankings zumindest noch die Schweizer Nummer 1 in der Weltrangliste geblieben wäre.

Michael Kauter hatte Anfang März letzten Jahres mit dem Weltcupsieg in Lissabon die Wachablösung eingeleitet; von da an war der Sohn von Christian Kauter, der selbst Olympia-Medaillengewinner mit dem Schweizer Degen-Team 1972 in München und 1976 in Montreal war, erstmals bestklassierter Schweizer in der Weltrangliste - vor Fischer.

Nationaltrainer Rolf Kalich ist nach der gescheiterten Olympia- Qualfikation überzeugt: «Es gab überall noch Reserven bei Marcel Fischer. Letztlich hatte ihm ein Podestplatz bei einem doppelt zählenden Grand-Prix-Turnier die Olympia-Qualifikation eingebracht. Dieser fehlte aber.» In Stockholm vor drei Wochen hatte Fischer diese letzte Möglichkeit bereits mit einem Scheitern am ersten Wettkampftag verspielt. Dass Fischer damals im Gegensatz zu Bern (eine Woche vor Stockholm) knapp nicht mehr zu den 16 Gesetzten für das 64er-Tableau vom Finaltag zählte, hatte ihn wohl verunsichert.

Fischer hatte schon bei seinem Olympiasieg in Athen angekündigt, dass er 2008 mit dem Team bei Olympia vertreten sein möchte. Dass dieses Unterfangen trotz vier Schweizer Degenfechtern in den Top 30 der Welt (!) misslang, war auch mitverantwortlich für Fischers persönlich verpasste Olympia-Qualifikation im Einzel. Denn bei einer Team-Qualifikation hätten automatisch drei Schweizer auch im Einzel starten können.

Doch die Olympia-Qualifikation verpassten die Schweizer im Team- Wettbewerb als Nummer 13 der Weltrangliste (die vier Ersten plus der beste Europäer schafften es/vor drei Wochen in Stockholm war abgerechnet worden) deutlich. Das WM-Achtelfinal-Ausscheiden gegen Venezuela im letzten Herbst kann als Ausgangspunkt des Scheiterns betrachtet werden.

Damals hatte Fischer die entscheidende Touche in der Verlängerung des Team-Gefechts von Silvio Fernandez kassiert; der Freund von Sophie Lamon (Schweizer Nummer 1 bei den Frauen) hatte Fischer beispielsweise auch schon an den WM 2006 in Turin oder in der Verlängerung des Weltcupturnier-Finals 2007 in Bern das Nachsehen gegeben. Dabei galt Fischer während Jahren als «Mann für Extremsituationen». Wenn Gefechte um einen Treffer entschieden werden sollten - Fischer stach die Gegner aus.

Olympiasieger-Parallele zu Pascal Richard

Pascal Richard war der letzte Schweizer Olympiasieger, der vier Jahre nach seinem Gold-Triumph die Olympia-Qualifikation verpasste. Der Olympiasieger von 1996 im Strassenrennen von Atlanta war vier Jahre später von Swiss Cycling nicht mehr für Olympia aufgeboten worden. Der Romand zog damals die Konsequenzen und trat sofort zurück.

Fischer, der sein Medizin-Studium abgeschlossen hat und sich nun mit der Doktorarbeit befasst, hatte in der Vergangenheit wiederholt angedeutet, dass er seine Karriere unabhängig von Olympia in Peking wohl erst 2009 beendet. Eine EM- und WM-Einzel-Medaille fehlt dem fünffachen Weltcupturniersieger noch im Palmarès.

Als Frustabbau für die entgangene Olympia-Qualifikation bietet sich für Fischer zunächst die EM von Anfang Juli in Kiew (Ukr) an. An der letzten EM vor Olympia 2004 in Athen waren die Schweizer Degenfechter im Teamwettbewerb mit Fischer, Steffen und Fabian Kauter in Kopenhagen Europameister geworden. Michael Kauter stand damals noch nicht im Schweizer EM-Aufgebot.

(si)

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