Gefährlich, unrentabel: Fischer wollen keine kleinen Wasserkraftwerke
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Gefährlich, unrentabelFischer wollen keine kleinen Wasserkraftwerke

Kleinwasserkraftwerke gefährdeten nicht nur die Fische, sie seien auch energiepolitisch und volkswirtschaftlich fragwürdig. Der Schweizerische Fischerei-Verband (SFV) ruft deshalb zum Kampf gegen die kleinen Stromproduktionsanlagen auf.

Der Bund soll künftig auf jegliche Förderung solcher Kraftwerke verzichten. 1200 Wasserkraftwerke gibt es nach Angaben des SFV in der Schweiz. 700 davon sind Kleinstwasserkraftwerke mit einer Leistung von je unter 300 Kilowatt (kW). Von den 4485 schweizerischen Fliessgewässern, bei denen Energiegewinnung überhaupt möglich sei, würden somit bereits 90 Prozent genutzt.

«Die 'Kostendeckenden Einspeisevergütung' (KEV), mit welcher der Bund erneuerbare Energien fördern will, hat im letzten Jahr eine regelrechte Euphorie für Kleinwasserkraftwerke ausgelöst», sagte Kurt Bischof, Sprecher des SFV. 600 Projektanmeldungen für Kleinwasserkraftwerke (KWKW) seien bei der Swissgrid eingegangen. Bei zwei Drittel der Gesuche gehe es um neue Anlagen.

Spitzenreiter sind mit 93 respektive 92 geplanten KWKW die Kantone Wallis und Bern, dicht gefolgt von Graubünden mit 49 und St. Gallen mit 39 Projekten. Nach Informationen des SFV hätten gegen 400 Projekte mit einer Gesamtleistung von 222 Megawatt bereits einen positiven Bescheid erhalten.

Gefährlicher «Jö-Effekt»

«Der Begriff Kleinwasserkraftwerk löst zwar oft einen 'Jö-Effekt' aus», sagte Bischof weiter. Der Bau eines solchen Kraftwerks sei aber ein grosser Eingriff in die Natur, der ernste Konsequenzen insbesondere für die Fische nach sich ziehe.

Empfindlich gestört wird etwa die Fischwanderung, wie SFV- Vorstandsmitglied Hanspeter Güntensperger ausführte. Fischtreppen können hier nicht immer vollständig Abhilfe leisten. Durch Kraftwerke verändere sich zudem der Wasserstand, die Temperatur steige und der Sauerstoffgehalt im Wasser sinke. Ausserdem werde der Geschiebedurchgang behindert, wodurch unterhalb eines Kraftwerkes Laichplätze fehlten.

Zusätzlich zu den negativen Folgen für die Fische hält der SFV KWKW weder energiepolitisch noch volkswirtschaftlich für sinnvoll. «Die Gestehungskosten seien im Vergleich zum Energiegewinn viel zu hoch», sagte Güntensperger. Der Anteil von KWKW an der jährlichen Energieproduktion in der Schweiz sei zudem verschwindend klein.

Vorprüfung auf Bundesebene

Um dem «Wildwuchs» bei KWKW Einhalt zu gebieten, fordert der SFV vom Bund deshalb, auf jegliche Förderung von Wasserkraftwerken mit einer Leistung unter 300 Kilowatt zu verzichten. Eine ökologische Vorprüfung auf Bundesebene soll zudem nicht realisierbare Kraftwerke von vornherein aus dem Rennen nehmen.

Standorte und technische Details von Projekten sollen früher publik gemacht werden als heute üblich. Nur so könnten Fischereiverbände und Umweltorganisationen nötigenfalls rechtzeitig auf Vorhaben reagieren könnten, sagte SFV-Zentralpräsident Roland Seiler.

Kraftwerkbetreiber und Ingenieurbüros, die Kraftwerke planen, sollen ausserdem frühzeitig das Gespräch mit lokalen Fischereiorganisationen suchen.

In die Pflicht nimmt Seiler auch die Kantonalverbände und Lokalsektionen des SFV. Sie müssten von den Kantonalen Behörden Richtplanungen verlangen, die aufzeigten, wo überhaupt noch KWKWs zu verantworten seien. Im Zweifelsfalle müssten sie konsequent Einprache erheben. (sda)

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