«Ladys beeindrucken»: Fitnessstudios reagieren auf Teenie-Boom
Aktualisiert

«Ladys beeindrucken»Fitnessstudios reagieren auf Teenie-Boom

Männliche Jugendliche wollen ausgeprägte Muskeln. Fitnessstudios begegnen diesem Trend mit gemischten Gefühlen – und setzen entsprechende Hürden.

von
num

Hauptsache Muskeln, ein ausgeprägter Bizeps, ein Six-Pack – junge Burschen, noch keine 16 Jahre alt, wollen einen definierten Körper wie ihre Helden aus dem Kino. Dass sie dabei ihre Gesundheit schädigen können, ist einigen nicht bewusst.

Fitnesscenter spüren diese Entwicklung, wie das Activ Fitness in Zürich. Bereichsleiter Ivan Valenta sagt: «Wir erleben eine extreme Zunahme in den letzten Jahren.» Bei Activ Fitness brauchen unter 18-Jährige die Unterschrift der Eltern.

In Basel ist nicht einmal diese Hürde dem Factor Sport Club hoch genug. Das Fitnesscenter setzte das Mindestalter auf 18 Jahre hinauf. Grund: Etliche Jugendliche seien gekommen und hätten einfach drauflosgepumpt, berichtet die «Basler Zeitung».

Klub-Manager prüft Jugendliche

In Zürich geht das Indigo Fitness ähnliche Wege: Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Wer das Mindestalter nicht erreicht, muss einerseits eine Unterschrift der Eltern vorweisen und zusätzlich zum Gespräch mit dem Klub-Manager antreten. Dieser prüft die Statur des Jugendlichen und fragt im Gespräch auch nach der Motivation. Im Zweifelsfall heisst es für den Jugendlichen: Warten und älter werden.

Bereichsleiter Valenta sagt: «Es kommen einige, die möglichst schnell Muskeln wollen und sagen, sie wollen damit ‹Ladys beeindrucken›.» Denen müsse klargemacht werden, dass mit falschem Training die Knochen – und damit das Wachstum – geschädigt werden können. Man gehe in diesen Fällen auf die Jugendlichen zu, zeige ihnen Übungen, die ihrem Alter entsprechen würden.

Mittelchen aus dem Internet

Oft werde er nach Mitteln wie Protein und Kreatin gefragt, um den Muskelaufbau zu beschleunigen. Diese seien legal – «aber schlimmer ist es mit Mittelchen, die man sich im Internet bestellen kann». Er sei froh, wenn ihn Jugendliche im Vertrauen um Rat fragten, was sie konsumieren dürften.

Der Schweizer Zoll hatte im ersten Halbjahr 2013 127 Dopingmittellieferungen abgefangen. Bei den sichergestellten Mitteln handelte es sich in erster Linie um Anabolika. In den meisten Fällen seien diese für Bodybuilder, Fitnesssportler und Jugendliche bestimmt gewesen, teilte Antidoping Schweiz danach mit.

Keine Vorgaben des Verbands

Der Schweizerische Fitnessverband erlässt keine Weisungen, wie die Studios mit der Altersgrenze umgehen sollen. Präsident Claude Ammann sagt: «Wir sind in dieser Hinsicht liberal.» Er persönlich empfehle Jugendlichen aber, die sogenannten Drei-Sterne-Studios aufzusuchen, um ein massgeschneidertes Programm zu erhalten – und vor allem nicht unbeaufsichtigt zu trainieren.

Bei den Fitnessparks der Migros gilt ein Mindestalter von 16 Jahren. Mediensprecher Andreas Reinhart: «16-Jährige, die bei uns trainieren, werden von unseren Beratern darauf aufmerksam gemacht, wenn sie sinnlos pumpen und ihrem Körper mehr schaden als nützen. Wir wollen, dass unsere Kunden gestärkt – und nicht gekrümmt – rauslaufen.»

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