Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
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Flacher als der Marcos 3 Litre ist kaum ein Auto

1964 präsentierte die kleine britische Sportwagenschmiede Marcos den extravagant gestylten GT. Anfänglich ausschliesslich mit Vierzylindermotoren ausgerüstet, entwickelte sich das Coupé mit Sechszylinderaggregaten zum richtig schnellen Sportwagen.

von
Bruno von Rotz
26.12.2020

Als Marcos im Jahr 1964 den GT, ein superflaches Coupé, an der London Racing Car Show vorstellte, hatte die Firma bereits eine fünfjährige Geschichte mit einigen Rennerfolgen vorzuweisen und ein paar Dutzend Autos waren in dieser Zeit schon entstanden.

Das neue Coupé aber war aus anderem Holz geschnitzt, auch wenn das Chassis weiterhin aus verleimtem Sperrholz bestand. Dennis Adams hatte die aufsehenerregende Kunststoffkarosserie entworfen und sie wirkte fast wie von einem anderen Stern. Als Motor wurde zunächst der B18-Vierzylinder von Volvo verbaut.

Mehr Leistung war nötig

Bis ins Jahr 1968 reichten vier Zylinder für standesgemässes Vorwärtskommen, doch anlässlich der offiziellen Werks-Beteiligung beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Sommer 1968 musste Marcos-Besitzer Jem Marsh erkennen, dass mit dem Vierzylinder einfach kein Staat mehr zu machen war. Mehr Leistung war nötig und Mash musste nicht lange suchen, denn bei Ford gab es einen V6 mit drei Litern Hubraum, der in den Motorraum des kleinen Sportwagens passte.

Schon wenige Monate stand der neue Marcos 3 Litre als Überraschung auf dem Marcos-Stand an der London Motor Show. Versprochen wurden echte 210 km/h und weniger als acht Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h. Damit konnte sich der Marcos aus mit Porsche messen.

Holzchassis mit 386 Einzelteilen

Trotz Kunststoffkarosserie und verwendeter Grossserientechnik war der Marcos 3 Litre nicht billig. In der Schweiz wurden beim Kauf eines Marcos 3 Litre im Oktober 1969 CHF 25’200 fällig, dafür gab es auch ein Mercedes-Benz 250 CE Coupé mit Einspritzung oder vier VW Käfer 1200. Und der flache Sportwagen hatte auch die eine oder andere Schwäche, eine war die aufwändige Herstellung des Holzchassis mit 386 Einzelteilen. Um schneller fertigen zu können, wechselte man im Jahr 1969 zu einem Stahlrohrrahmen als tragende Basis. Damit hatte Marcos zur damals typischen Bauweise vieler Kleinseriensportwagen gefunden. Knapp über 900 kg wog das 4,07 Meter lange, 1,59 Meter breite und 1,08 Meter hohe Coupé.

Nur ein gutes Jahr lang wurde der Marcos 3 Litre mit Essex-V6 gebaut, 180 Autos entstanden, 80 davon mit Stahlrohrchassis.

Im Marcos 3 Litre sitzt der Fahrer oder die Fahrerin sehr tief, aus dieser Perspektive wirkt bereits ein moderner Kleinwagen wie ein LKW.

Im Marcos 3 Litre sitzt der Fahrer oder die Fahrerin sehr tief, aus dieser Perspektive wirkt bereits ein moderner Kleinwagen wie ein LKW.

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Die flach stehende Heckscheibe gibt ein leicht verzerrtes Bild des rückwärtigen Verkehrs wieder.

Die flach stehende Heckscheibe gibt ein leicht verzerrtes Bild des rückwärtigen Verkehrs wieder.

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Dem Wind setzte die Karosserie dank fliessenden Linien und geringer Stirnfläche wenig Widerstand entgegen, da reichen bereits knapp 140 PS für 210 km/h.

Dem Wind setzte die Karosserie dank fliessenden Linien und geringer Stirnfläche wenig Widerstand entgegen, da reichen bereits knapp 140 PS für 210 km/h.

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Auch grosse Menschen haben Platz

Es gibt nur wenige Autos, die flacher sind als der 1,08 Meter hohe Marcos, entsprechend liegend ist denn auch die Sitzposition angeordnet. Weil sowohl der Designer Dennis Adams als auch Jem Marsh grossgewachsen waren, legten sie den Sportwagen so aus, dass auch grosse Menschen Platz fanden. Während der Sitz fest montiert ist, können die Pedale mittels Drehknopf verschoben werden. Auch das Lenkrad ist verschiebbar, damit man eine gute Sitzposition finden kann. Das fühlte sich damals rennsportmässig an und tut es auch noch heute.

Die räumliche Enge führt allerdings zu einer schlechten Rundumsicht, speziell nach hinten sieht man wenig, die verzerrende Heckscheibe tut ein Übriges dazu. Dass man nach vorne typischerweise direkt in die Auspuffrohre von SUV schaut und selbst ein Mini wie ein Lastwagen wirkt, erhöht das Vertrauen im Kolonnenverkehr auch nicht gerade. Aber dafür war der Marcos auch nicht gebaut worden. Kleinere und grössere Landstrassen sind sein Revier, dort kann er seine stupende Handlichkeit und die guten Fahreigenschaften ausspielen, während der Ford-Motor sein Drehmoment in Vortrieb umsetzt.

Wer nach einem spektakulären Sportwagen mit guten Fahrleistungen und überschaubarer Komplexität sucht, der sollte sich den Marcos 3 Litre sicherlich näher anschauen.

Weitere Informationen, viele Bilder, den damaligen Verkaufsprospekt und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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37 Kommentare
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Silent whip

27.12.2020, 19:32

Für die Bevölkerung im Nigerdelta sind die Folgen von 50 Jahren Ölförderung und dessen negativen 👎 Einfluss auf das Ökosystem 🌿 mit seinem Labyrinth von Bächen und Sümpfen weitaus schlimmer als angenommen. Auf den Wasserläufen💧 wurden dicke Ölfilme festgestellt, die Fischgründe 🐟 sind zerstört und die Böden verseucht. ☠️ In mindestens zehn Gemeinden ist das Trinkwasser🚰 mit Kohlenwasserstoff kontaminiert, und in einer Gemeinde trinken 🥤 Menschen Brunnenwasser, das eine Benzolverschmutzung aufweist, die den zulässigen Grenzwert um das 900-Fache übersteigt.

E-Guru

27.12.2020, 15:09

+++ Eine sehr gute Reportage kann man auf Netflix anschauen. 📺 Die von Netflix produzierte Serie heisst "Dirty Money" 💰 und in der ersten Staffel und in der ersten Episode "Hard NOx" geht es ausführlich um den Dieselgate-Skandal.

E-Guru

27.12.2020, 13:42

Der Polestar 2 wurde zum "Schweizer Auto des Jahres" gewählt. Wirklich ein tolles Fahrzeug 👍 🚗 🔋