Aktualisiert 04.01.2013 13:27

Olympia-Skandal

Flaschenwerfer hatte nicht einmal ein Ticket

Er warf bei den Olympischen Spielen in London eine Bierflasche nach Usain Bolt. Jetzt steht der Täter vor Gericht - und damit kommen haarsträubende Details ans Licht.

von
mon

Unmittelbar vor dem Start zum 100-Meter-Final in London flog die Bierflasche auf die Tartanbahn. (Video: YouTube)

Die ganze Welt schaute gebannt nach London, als am 5. August 2012 bei den Olympischen Spielen in London das Sprintfinale über 100 Meter auf dem Programm stand. Die Königsdisziplin sozusagen. Doch dann stockte den Zuschauern plötzlich der Atem: Als Usain Bolt & Co. in den Startblöcken standen, flog eine Bierflasche in Richtung der Athleten. Glücklicherweise traf sie niemanden und der Start musste auch nicht abgebrochen werden.

Superstar Usain Bolt gewann souverän und bekam von der Attacke nichts mit. «Nein, ich habe nichts gemerkt. Ich weiss nicht, wer so etwas tun würde», gab er nach dem Rennen zu Protokoll. Heute weiss man, wer der Angreifer war: Der 34-jährige Asley Gill-Webb muss sich derzeit in London vor Gericht für sein Tun verantworten. Er wurde direkt nach dem Flaschenwurf verhaftet.

Ins Stadion geschlichen und unter die Holländer gemischt

Durch das Gerichtsverfahren kommen nun weitere Details zur Tat ans Licht. So war Gill-Webb offenbar ohne gültiges Ticket im Stadion. Er soll sich mit einer alten Eintrittskarte Zugang zur Wettkampfstätte verschafft und sich in einen Sektor geschlichen haben, wo ein Sitzplatz 4000 englische Pfund kostet. Dort mischte er sich unter das holländische Olympia-Team, das dem Wettkampf beiwohnte. Aufgehalten hat den 34-Jährigen offenbar niemand.

Bevor es zum Flaschenwurf kam, hat sich Gill-Webb bereits auffällig verhalten. Er warf mit Schimpfworten um sich und liess besonders am späteren Olympiasieger Usain Bolt kein gutes Wort. Augenzeugen berichten von Beschimpfungen wie «Usain, du bist böse. Du bist ein Arschloch».

Als Schauspieler ausgegeben

Nach seiner Verhaftung unmittelbar nach dem Flaschenwurf soll sich der Täter als der schottische Schauspieler Alan Cumming ausgegeben haben. Vor Gericht gab Gill-Webb nun an, dies habe er getan, weil ihm viele Leute eine gewisse Ähnlichkeit nachsagen würden.

Der 34-Jährige sagte zuerst aus, ein holländischer Zuschauer habe die Bierflasche auf die Tartanbahn geworfen. Mittlerweile ist er aber geständig. Doch plädiert er vor Gericht auf Unzurechnungsfähigkeit. Seine psychische Krankheit habe ihn daran gehindert, das Ausmass seines Handelns zu begreifen. Ein Psychiater widerspricht dem jedoch. Der Beschuldigte habe genau gewusst, was er tat, als er die Entscheidung getroffen habe, eine Sicherheitskontrolle zu überwinden, um in einen sehr exklusiven Sektor vorzudringen.

Nach dem Vorfall hat Gill-Webb seinen Job verloren und befindet sich seither in psychiatrischer Behandlung. Die Verhandlung vor dem Londoner Gericht wird am 11. Januar fortgesetzt.

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