Königskinder im Zolli: Flauschig, dick – und immer hungrig
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Königskinder im ZolliFlauschig, dick – und immer hungrig

Zwei Königspinguin-Küken sind derzeit die Attraktion im Zoo Basel. Dieser ist seit Jahrzehnten einer der wenigen Zoos, welche die grossen Vögel züchten.

Weniger als 20 Zoos in Europa halten Königspinguine, und nur wenige züchten sie regelmässig, wie Kuratorin Friederike von Houwald am Mittwoch vor den Medien sagte. Zwei Junge haben - neben zwei im Zoo Zürich und fünf im dänischen Odense - dieses Jahr im Zoo Basel das Licht der Welt erblickt.

Geschlüpft sind sie am 22. Juli und am 22. August. Inzwischen sind sie so gross, dass sie sich nicht mehr unter der Bauchfalte ihrer Eltern verstecken können. Und im Sinn haben sie nur eines: fressen. Das sieht man ihnen auch an - sie sind noch nicht ganz so gross wie die ausgewachsenen Tiere, aber deutlich dicker.

Nehmt das, ihr Primaten!

In freier Wildbahn in der Subantarktis legen die Elterntiere Tausende Kilometer zurück, um für sich und die Jungtiere Nahrung zu finden. Dann füttern sie die Jungen mit hervorgewürgtem Fischbrei. Diese warten in ihrem braunen Daunenkleid, mit dem sie nicht schwimmen können, und das sie erst mit der ersten Mauser verlieren.

Erfolgreiche Basler Zucht

Die Aufzucht im Zoo ist heikel, besonders auch während der Brutphase. Das Ei, das die Eltern unter ihrer Bauchfalte bei etwa 35 Grad wärmen, darf unter keinen Umständen zu Boden rutschen. Sonst gibt es feine Haarrisse, in die sich Bakterien einnisten, und das Ei stirbt ab, wie Friederike von Houwald sagte.

Viel Vorsicht und Feingefühl im Umgang mit den Tieren erfordert dies vom Tierpfleger. Der Zoo Basel hat indes grossen Erfolg mit seiner acht bis zwölf Vögel umfassenden Königspinguingruppe: 1953 begann er mit der Haltung, 1958 schlüpften die ersten Jungen, und seither sind fast 60 Küken im Zolli gross geworden.

Zu sehen sind die Königspinguine, zusammen mit den lebhaften Eselspinguinen, im Vivarium des Zolli. Im November, sobald die Temperatur unter zehn Grad fällt, machen die Frackträger mit den gelben Kragen und Kopfseiten aber auch wieder ihre beim Publikum beliebten täglichen Spaziergänge.

Schildkröten tauchen ab

Gerade umgekehrt verhält es sich mit den Schmuckschildkröten: Wenn es kälter als zwölf Grad wird, sinken sie auf den Grund der Weiher im Zolli, bis sie die Sonne wieder aus ihrer Winterstarre weckt. Die Rotwangen-Schmuckschildkröten stammen aus Nordamerika, ziemlich viele ausgesetzte Tiere gibt es aber auch in Gewässern der Schweiz.

Ihr Import ist zwar seit 2008 verboten. Doch das Problem ist nicht gelöst, da die ausgesetzten Tiere die einheimische Fauna bedrohen, wie Kurator Thomas Jermann sagte. Fast ausgestorben in der Schweiz ist dagegen die einheimische Sumpfschildkröte; der Zoo Basel will Bestrebungen zur Wiederansiedlung mit Nachzuchten unterstützen.

In der Schildkrötenzucht hat der Zolli Erfahrung: So sind etwa in den letzten 30 Jahren über 1200 Rotbauch-Spitzkopfschildkröten in Basel geschlüpft. Damit die Schildkröten-Babys gedeihen, muss sie der Tierpfleger fortwährend von Algen und Bakterien befreien - in geduldiger Feinarbeit mit der Zahnbürste. (sda)

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