Aktualisiert 05.04.2020 16:54

Corona-Krise

Fledermäuse werden aus Angst verbrannt

Fledermäuse gelten als der ursprüngliche Wirt des Coronavirus. In Asien und Südamerika sollen zahlreiche Tiere deswegen getötet worden sein.

von
mon
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Forscher haben Corona-Viren in Schweizer Fledermäusen entdeckt. Nun wird eine mögliche Übertragung auf den Menschen untersucht.

Forscher haben Corona-Viren in Schweizer Fledermäusen entdeckt. Nun wird eine mögliche Übertragung auf den Menschen untersucht.

Keystone/Jean-christophe Bott
Laut der «NZZ am Sonntag» haben Anfang April im Nordwesten von Peru Einheimische 300 Fledermäuse in ihrer Höhle verbrannt.

Laut der «NZZ am Sonntag» haben Anfang April im Nordwesten von Peru Einheimische 300 Fledermäuse in ihrer Höhle verbrannt.

Keystone/Walter Bieri
In Surakarta, Indonesien, haben Behördenmitglieder 193 Fledermäuse, die auf einem Markt zum Verkauf angeboten wurden, zunächst beschlagnahmt. Danach sedierten sie die Tiere und verbrannten sie in ihrem Käfig.

In Surakarta, Indonesien, haben Behördenmitglieder 193 Fledermäuse, die auf einem Markt zum Verkauf angeboten wurden, zunächst beschlagnahmt. Danach sedierten sie die Tiere und verbrannten sie in ihrem Käfig.

AP/Mark Baker

Weil Fledermäuse nach Meinung von Experten als mögliche Überträger des Coronavirus gelten, soll in Asien und Südamerika die Angst vor den Tieren enorm zugenommen haben. So haben laut der

«NZZ am Sonntag» letzte Woche im Nordwesten von Peru Einheimische 300 Fledermäuse in ihrer Höhle verbrannt.

Sie gingen davon aus, dass die Tiere das Coronavirus übertragen hätten und für die Corona-Toten in Peru verantwortlich wären. Mitglieder des National Forestry and Wildlife Service konnten immerhin 200 Fledermäuse retten. Sie liessen diese in einer anderen Gegend frei.

In Surakarta, Indonesien, haben Behördenmitglieder 193 Fledermäuse, die auf einem Markt zum Verkauf angeboten wurden, zunächst beschlagnahmt. Danach sedierten sie die Tiere und verbrannten sie in ihrem Käfig.

Über 1300 Arten

«Wenn die Tiere in den Medien als Virenschleudern verteufelt werden, hilft das nicht weiter», sagt Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin zur «NZZ am Sonntag». Der Experte betont, dass man hierbei differenzieren müsse. Denn laut Voigt sind Fledermäuse mit über 1300 Arten eine der artenreichsten Säugetiergruppen und aus zahlreichen Ökosystemen nicht wegzudenken.

«Fledermäuse spielen eine unheimlich wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Schadinsekten. Und in den Tropen verbreiten Flughunde Samen und bestäuben zahlreiche Pflanzen», so Voigt. Zudem verspeisen sie jede Nacht bis zur Hälfte ihres Körpergewichts an Insekten. Darunter sind auch Mücken, die Krankheiten wie Zika, Dengue und Malaria übertragen. Und auch ihr Kot gilt als wertvoll. So wird er in vielen Ländern geerntet und als Dünger verwendet.

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