Papiliorama in Kerzers FR - Fledermäuse werden isoliert – um sie vor den Menschen zu schützen
Publiziert

Papiliorama in Kerzers FRFledermäuse werden isoliert – um sie vor den Menschen zu schützen

Um Sars-CoV-2-Übertragungen von Mensch auf Tier zu verhindern, sind die Fledermäuse des Papilioramas in Kerzers FR aktuell in einem Gehege eingesperrt. Dass sich die kleinen Flatterer infizieren, ist jedoch sehr unwahrscheinlich.

1 / 7
Das Papiliorama ist seit dieser Woche wieder geöffnet.

Das Papiliorama ist seit dieser Woche wieder geöffnet.

Facebook/Papiliorama
Die Besuchenden können sich endlich wieder an exotischen Schmetterlingen, Vögeln, Säugetieren und Reptilien erquicken.

Die Besuchenden können sich endlich wieder an exotischen Schmetterlingen, Vögeln, Säugetieren und Reptilien erquicken.

Facebook/Papiliorama
Regelmässigen Gästen des Tropenzoos fiel jedoch auf, dass im Nocturama, dem Zuhause der nachtaktiven Tiere, etwas anders ist als üblich:

Regelmässigen Gästen des Tropenzoos fiel jedoch auf, dass im Nocturama, dem Zuhause der nachtaktiven Tiere, etwas anders ist als üblich:

Papiliorama.ch

Darum gehts

  • Die rund 300 Blattnasen-Fledermäuse des Freiburger Papilioramas befinden sich derzeit in der Glasvoliere der Waschbären.

  • So sollen sie vor allfälligen Ansteckungen durch Menschen geschützt werden.

  • Letztlich handelt es sich wohl um eine symbolische Massnahme; ein wirkliches Risiko besteht nicht.

Während insgesamt mehr als sieben Monaten war das Papiliorama in Kerzers FR seit Beginn der Pandemie bereits geschlossen. Allein die letzte Zwangspause dauerte über drei Monate. Umso grösser war am Montag die Freude bei den Besuchenden, als sie sich endlich wieder an exotischen Schmetterlingen, Vögeln, Säugetieren und Reptilien erquicken konnten. Regelmässigen Gästen des Tropenzoos fiel jedoch auf, dass im Nocturama, dem Zuhause der nachtaktiven Tiere, etwas anders ist als üblich: Die Fledermäuse rauschen nicht mehr kreuz und quer durch den Dom, sondern befinden sich nun bei den Waschbären in der Glasvoliere.

Laut Papiliorama-Direktor Caspar Bijleveld fand die Umsiedlung bereits während des ersten Shutdowns im Frühling 2020 statt. «Wir haben die Tiere isoliert, damit sie nicht vom Publikum infiziert werden können», erklärt Bijleveld. Zwar sei die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung gering, da es zwischen den Fledermäusen und den Menschen kaum zu direkten Kontakten komme. Doch wolle man mit der Vorsichtsmassnahme gänzlich ausschliessen, dass eine gesunde Fledermaus Trägerin des Virus wird und so womöglich ihre gesamte Population in Gefahr bringe.

Kein Ansteckungsrisiko für Menschen

Umgekehrt seien die Fledermäuse des Papilioramas keine Gefährdung für den Menschen. «Unsere Populationen leben seit Jahrzehnten in Europa und das ausschliesslich in Zoos», so Biologe Bijleveld. Ohnehin gehen Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO davon aus, dass die Fledermaus zwar Ursprungs-Überträgerin des Coronavirus war, dieses jedoch über einen tierischen Zwischenwirt auf den Menschen überging.

Cornel Fraefel, Leiter des Instituts für Virologie an der veterinärmedizinischen Fakultät Vetsuisse der Universität Zürich, erachtet die Massnahme des bekannten Freiburger Tropengartens als sinnvoll: «Nicht weil ein grosses Risiko besteht, sondern um zu zeigen, dass man in der Lage ist, Massnahmen zum Schutz der Tiere und der Besucher zu ergreifen.» Rein theoretisch sei es zwar möglich, dass Menschen Sars-CoV-2 auf Fledermäuse übertragen, sagt Fraefel. Weil Viren aber ständig mutieren und sich dem Wirt respektive Zwischenwirt anpassen, sei höchst unwahrscheinlich, dass der Erreger nach dem Befall des Menschen erneut die Zellen von Fledermäusen infizieren könnte.

Fledermäuse haben immer noch genug Platz

Und selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eintreffen würde, hätte die Infizierung für die Fledermäuse kaum gesundheitliche Folgen. «Fledermäuse bilden ein Reservoir für viele verschiedene Viren, ohne daran zu erkranken. Sie haben eine spezielle Physiologie und ein spezielles Immunsystem, das sie vor den meisten Erregern schützt», so Virologe Fraefel.

Zoo-Chef Bijleveld indes will seine rund 300 Blattnasen-Fledermäuse solange eingesperrt halten, bis die Krise vorüber, sprich die Schweiz durchgeimpft sei. Es seien in erster Linie die Gäste, die das bedauern würden – den kleinen Flatterern (ca. 30 cm Spannweite) dagegen mache die Massnahme wenig aus: «Im riesigen Waschbären-Gehege haben sie mehr als genug Platz.»

Finanzielle Lage des Papilioramas spitzt sich zu

Über die Hälfte der rund 120 Mitarbeiter des Papilioramas befanden sich während der letzten drei Monate in Kurzarbeit. In Bereichen wie der Rezeption oder dem Restaurant habe der Betrieb relativ einfach heruntergefahren werden können, schreibt die Stiftung Papiliorama in einer Mitteilung. «In den lebenden Ausstellungen ist hingegen eine ständige Betreuung und Pflege notwendig. So stand das Tierpflegeteam voll im Einsatz und auch die Gärtner und Techniker waren regelmässig vor Ort.» Während man 2020 dank Betriebsversicherung und Kurzarbeitsentschädigung relativ gut überstanden habe, habe sich die finanzielle Situation im neuen Jahr deutlich zugespitzt, da die letzten Reserven austrockneten. «Vom Jahreshöhepunkt Ostern und den einkommenswichtigen Frühlingsferien konnte das Papiliorama zum zweiten Mal in Folge nicht profitieren.» Die Stiftung hofft nun auf eine Härtefallentschädigung. Auf der Webseite des Tropenzoos werden zudem Spenden erbeten.

(sul)

Deine Meinung

25 Kommentare