Strafgericht BS: Fleisch-Manager ertrog 600'000 Fr – für Dirnen
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Strafgericht BSFleisch-Manager ertrog 600'000 Fr – für Dirnen

Ein Buchhalter betrog seine ehemalige Arbeitgeberin Bell um über 600'000 Franken. Das Geld gab er für Prostituierte aus. Nach zwei Jahren flog er auf. Jetzt bleibt ein Berg Schulden.

von
lha
Ein 43-jähriger Buchhalter hatte seinen Arbeitgeber mit fingierten Rechnungen um ein Vermögen betrogen.

Ein 43-jähriger Buchhalter hatte seinen Arbeitgeber mit fingierten Rechnungen um ein Vermögen betrogen.

20 Minuten

Dass seine Betrügereien früher oder später aufliegen würden, sei ihm bewusst gewesen. «Im Moment, als ich es gemacht habe, habe ich das aber ausgeblendet», sagte der 43-jährige Buchhalter am Mittwoch vor dem Basler Strafgericht. Vom Juli 2013 bis Juli 2015 zweigte er mit fingierten Lieferanten-Rechnungen knapp über 600'000 Franken von seiner damaligen Arbeitgeberin Bell AG ab. Dort war der Beschuldigte in leitender Position im Rechnungswesen angestellt.

Das Geld verprasste er für Prostituierte. Seine Ehe war damals schon brüchig und seine Ausflüge ins Basler Rotlichtmilieu wurden immer häufiger. Besonderen Gefallen fand er an zwei Ungarinnen, einer Ukrainerin und einer Polin, die er grosszügig finanziell zu unterstützen begann. Für die Mädchen spielte er den reichen Sugar Daddy. Teure Reisen ins Ausland, exquisiter Schmuck, Übernachtungen in Luxushotels – einer Ungarin spendierte er gar einen Range Rover für 60'000 Franken.

Betrügen leicht gemacht

Es sei wie eine Sucht gewesen. Aber das System hatte ihm das Doppelleben auch leicht gemacht: Die fingierten Rechnungen bemerkte niemand. Das SAP-Protokoll der Zahlungen musste er zwar einer zweiten zeichnungsberechtigten Person geben, doch die war leicht zu täuschen. Wie sollten ein paar falsche Lieferantenrechnungen auf einer Wochenzusammenstellung, die rund 1000 Einzelzahlungen in der Grössenordnung von rund 20 Millionen Franken umfasste, auch auffallen? «Das Risiko war nahezu null, dass eine zweite Person das entdeckte», so der Beschuldigte. Trotzdem flog er auf, als der Schaden zu gross wurde.

Der voll geständige und reuige Buchhalter konnte im abgekürzten Verfahren eine unbedingte Haftstrafe abwenden. Das Gericht bestätigte den Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte ihn zu einer 24-monatigen bedingten Freiheitsstrafe.

Familie und Vermögen verzockt

Trotzdem hat er seine Existenz mit dem Betrug ruiniert. Die Ehe wird wohl geschieden, der Kontakt zur Tochter ist fast abgebrochen, das Haus ist weg und ein Schuldenberg bleibt: Mit fast 800'000 Franken steht er bei der Bell in der Kreide. Die teure Revisionsfirma, die seinen Schaden ermittelte, wird ihm auch in Rechnung gestellt. Vorderhand muss er auch Alimente für seine Frau und Kinder zahlen – 2550 Franken monatlich. Was ihm bleibt, ist zurzeit unter dem Existenzminimum.

Arbeit hat er keine mehr. Bei der Migros wurde er unlängst entlassen, nachdem seine Vorgesetzten dort aus der Zeitung vom Grund der Entlassung bei der Bell erfahren haben. Jetzt sucht er wieder Arbeit. «Ich bin offen für alles. Im Finanzbereich oder in der Buchhaltung sehe ich aber kaum eine Chance für mich.»

Eine Freundin blieb ihm

Immerhin ist ihm eine Freundin aus der zweijährigen Eskapade geblieben. Die Ungarin, der er den Range Rover schenkte, machte sich in der Schweiz selbständig und wohnt mit ihm mittlerweile unter einem Dach. Den Luxus-SUV fährt sie noch immer – eine beständige Erinnerung an den teuersten Fehler seines Lebens. Der Mann hilft ihr nun bei der Buchhaltung.

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