Drohung mit Klage: Fleisch-Streit eskaliert wegen Werbespot

Aktualisiert

Drohung mit KlageFleisch-Streit eskaliert wegen Werbespot

Die Fleischbranche fühlt sich von einem Vegi-Werbespot angegriffen und erwägt rechtliche Schritte. Die Vegetarier ihrerseits beklagen die Fleischwerbung.

Ph. Flück
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Ph. Flück

Das Sujet ist bekannt: In den Werbespots von «Schweizer Fleisch» brutzeln Würste, Poulets und Steaks auf dem Rost. Der Slogan: «Alles andere ist Beilage.» Auf Schweizer Fleisch nimmt auch der neue Werbespot des Vereins gegen Tierfabriken (VgT) Bezug, der seit Dezember im Fernsehen läuft. Seine Botschaft: «Auch für ihren Festtagsbraten müssen Tiere leiden.» Es folgt die Aufforderung, vegan zu essen.

Der Konflikt zwischen Vegetariern, Veganern und Fleischessern hat in der Schweiz einen neuen Höhepunkt erreicht. Der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) fühlt sich vom VgT-Spot angegriffen. In einer Medienmitteilung schreibt der Verband von einer «schon fast missionarischen Art und Weise», mit der das Ziel der absoluten Abkehr von tierischen Produkten erreicht werden soll.

Politische Werbung

Rolf Büttiker, Präsident des SFF, kritisiert: «Diese Werbung nimmt direkt unsere Branche ins Visier.» Ausserdem handle es sich um politische Werbung, wenn nicht sogar um unlauteren Wettbewerb: «Wir werden alle rechtliche Schritte in Betracht ziehen.»

Der Direktor von Proviande , Heinrich Bucher, sieht im Werbespot des VgT eine Verzerrung der Realität: «Die Werbung ist absichtlich so gestaltet, dass sie die Menschen schockiert.» Es würden sehr blutige und brutale Szenen gezeigt, um die negativen Seiten des Fleischkonsums hervorzuheben. «Nicht erwähnt wird, dass eine ausgewogene Ernährung äusserst wichtig ist, dazu gehört auch der Fleischverzehr.»

Ausserdem sei es nicht möglich, alle Menschen vegan zu ernähren. Dafür gebe es nicht genug Ackerland, weil sehr viel Land nur zur Viehhaltung geeignet sei. «Wenn niemand mehr Fleisch konsumieren würde, wäre nicht genügend Nahrung für alle vorhanden.»

Fleischkonsum mit schlechtem Gewissen

Renato Pichler, der Präsident von Swissveg, versteht den Aufschrei um den Werbespot des VgT nicht. Vegetarier seien nämlich viel stärker der Fleischwerbung ausgesetzt als umgekehrt. Man könne zum Teil schon fast von psychologischen Druck auf Vegetarier sprechen: «Eigentlich sollten wir aufschreien angesichts der massiven Fleischpropaganda im TV!»

Er führt die Reaktion der Fleischbranche darauf zurück, dass bereits viele Fleischesser mit einer pflanzlichen Ernährung sympathisieren würden. «Heute haben viele Menschen ein schlechtes Gewissen, wenn sie Fleisch essen.» Das Image des Fleischkonsums habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Trotzdem hält Pichler die Vorwürfe der Branche für haltlos: «In diesem Werbespot wird die Realität gezeigt. Von einem Schockfilm kann keine Rede sein.»

Büttiker lässt diese Argumente nicht gelten. «Wir greifen Vegetarier nicht an mit unseren Spots. Sie hingegen stellen Fleischkonsum als etwas Schlechtes dar.» Er bezweifelt zudem, dass der Trend zur vegetarischen Ernährung so bedeutungsvoll ist, wie er zuweilen dargestellt wird: «In Studien liest man immer nur, wie viele Menschen zu Vegetarier geworden sind, allerdings nicht, wie viele wieder begonnen haben, Fleisch zu essen.»

(Quelle: Youtube.com/ Schweizer Fleisch)

«Essen ist ein politisches Statement»

Auch Alain Egli, Trendforscher des Gottlieb-Dutweiler-Instituts, beobachtet, dass sich der Konflikt zwischen Veganern und Fleischessern verschärft. «Mit dem Trend zur veganen Ernährung hat die Diskussion ein neues Level erreicht. Es ist normal, dass es zu jedem Trend eine entsprechende Gegenbewegung gibt.» Es gebe etwa Leute, die das Fleischessen nun umso mehr zelebrierten: «Essen ist eben auch immer ein politisches Statement.»

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