Zürich : «Fliegen bedeutet für jedes Tier immer Stress»

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Zürich «Fliegen bedeutet für jedes Tier immer Stress»

Das eigene Haustier ist oft das beliebteste Handgepäck. Um die Tiere nicht unnötig zu hetzen, richtet der Flughafen Zürich einen tierischen Warteraum ein.

von
brn
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Die Tiere werden mit Futter und Wasser versorgt - dem Tierpfleger Stefan Schelbert ist es wichtig, dass sich die Tiere auch bei kurzem Aufenthalt am Flughafen wohlfühlen. (13. August 2015)

Die Tiere werden mit Futter und Wasser versorgt - dem Tierpfleger Stefan Schelbert ist es wichtig, dass sich die Tiere auch bei kurzem Aufenthalt am Flughafen wohlfühlen. (13. August 2015)

Keystone/Dominic Steinmann
Die Türen an der Vogelsang-Strasse stehen immer offen - sowohl für Mensch als auch für Tier.

Die Türen an der Vogelsang-Strasse stehen immer offen - sowohl für Mensch als auch für Tier.

Keystone/Dominic Steinmann
Auch der Transport in die Flugzeuge wird gewährleistet - ein Mitarbeiter der Tierstation verfrachtet drei Katzen zur Transportfirma.

Auch der Transport in die Flugzeuge wird gewährleistet - ein Mitarbeiter der Tierstation verfrachtet drei Katzen zur Transportfirma.

Keystone/Dominic Steinmann

Zwei grosse, schwarze Knopfaugen blicken aus dem kleinen, weissen Hundegesicht neugierig dem frühmorgendlichen Besuch entgegen. Der Malteser-Mischling hat die Nacht auf dem Flughafen Zürich verbracht, und zwar auf der Tierstation. Diese befindet sich im Frachtbereich.

Über dem Eingang prangt das Schild: «Vogelsang-Strasse». In der Station untergebracht werden Tiere, die in die Schweiz ein- oder ausreisen. Die Räume sind nüchtern und zweckmässig eingerichtet für die Unterbringung von Hunden, Katzen, Vögeln, Reptilien und weiteren Tieren.

Wasser und Futter

Stefan Schelbert, einer von vier Tierpflegern, öffnet in einem der Räume einen riesigen vergitterten Zwinger. Das kleine Wollknäuel erkundet munter sein Reich. Der Vierbeiner ist am Vorabend in einer Transportbox von Barcelona gekommen. Via Zürich fliegt er gegen Mittag nach Miami weiter.

Nicht jeder Hund ist als Fracht unterwegs. Die Bedingungen, unter welchen Haustiere im Passagierraum reisen können, sind je nach Airline unterschiedlich. Die entsprechenden Internetseiten geben Auskunft; auch über die Anforderungen an die Transportboxen. «Fliegen bedeutet für jedes Tier immer Stress», sagt Schelbert.

In Zürich erhält das Hündchen Wasser und Futter. Auch wird anhand des implantierten Chips kontrolliert, ob Hund und Transportpapiere übereinstimmen.

Damit man den Chip ablesen kann, muss der Vierbeiner ruhig sein. «Da gibt es manchmal Probleme», sagt Schelbert. Insbesondere Schosshündchen seien oft verwöhnt, auf ihre Besitzerinnen fixiert und zeigten sich gegenüber männlichen Tierpflegern aggressiv. In Zürich gehöre zum Glück auch eine Frau zum Team.

Frachtarbeiter von Kampfhund empfangen

Apropos aggressiv: Schelbert erinnert sich, dass er einmal notfallmässig zu einem Flugzeug gerufen wurde. Das Gepäck könne nicht ausgeladen werden, da ein aggressiver Kampfhund in der Gepäckluke erscheine, liessen ihn verzweifelte Mitarbeiter des Gepäckdienstes wissen.

Der Hund hatte in der Tat seine Transportbox demoliert - aus Langeweile, wie Schelbert sagt. Danach habe sich das Tier einfach gefreut, jemanden zu sehen. Er kann die Angst der Frachtmitarbeiter aber durchaus nachvollziehen: «Für Ungeübte ist es nicht einfach, das Verhalten von Tieren richtig einzuschätzen.»

Dass Tiere ihre Box oder ein anderes Transportbehältnis im dunklen und geheizten Frachtraum des Flugzeugs verlassen, kommt sehr selten vor. «Der Supergau wären entlaufene Mäuse, die dann wichtige Kabel anfressen», sagt Schelbert.

Ein Drittel sind Hunde und Katzen

Nager und Reptilien werden in den Tierräumen häufig betreut. Auch Fische sind oft zu Gast. Grosstiere wie Pferde oder Kühe müssen in der Regel von Frankfurt aus abreisen. Hunde oder Katzen machen rund 33 Prozent der von Zürich per Flugzeug verschickten Tiere aus.

Schelbert schätzt an seiner Arbeit auch, dass man «nie weiss, was kommt». Der Tagesplan sieht stets anders aus, wie auch den Tier-Übergabeprotokollen zu entnehmen ist.

Eines bleibt sich jedoch gleich: das Putzen. «90 Prozent der Tätigkeit in der Tierstation bestehen aus Reinigungsarbeiten», sagt Schelbert. «Die Hygiene ist bei uns enorm wichtig. Wir können es uns nicht leisten, dass es plötzlich heisst: 'Mein Hund hat Flöhe, seit er am Zürcher Flughafen war.'» (brn/sda)

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