02.01.2016 17:00

WettbewerbsdruckFliegen wird 2016 nur für Businessleute billiger

Kerosin dürfte nächstes Jahr erneut billiger werden. Trotzdem werden die Ticketpreise nicht auf breiter Front fallen.

von
Isabel Strassheim

Die Kosten für die Fluggesellschaften sinken: Die Internationale Luftfahrtgesellschaft IATA geht davon aus, dass der Preis für Öl und damit auch für Kerosin im kommenden Jahr weiter fallen wird. Er dürfte vom Jahresdurchschnittspreis von 55 auf 51 Dollar pro Fass für die Marke Brent rutschen. Die Ferienflieger dürften davon jedoch beim Ticketkauf nichts spüren. Die Preise bleiben stabil, wie verschiedene Aviatik-Experten zu 20 Minuten sagen.

«Die Flugpreise in Europa werden tief bleiben, die niedrigeren Kosten für Kerosin werden sie nächstes Jahr aber nicht noch weiter drücken», sagt Luftfahrt-Spezialist Andreas Spaeth. Auch Experte Kurt Hofmann erwartet, dass der Trend eher dahin geht, nach jahrelangem Wettbewerbskampf nun die Preise zu halten.

«Für Geschäftsreisende dürfte Fliegen 2016 allerdings günstiger werden», sagt Aviatik-Experte Cord Schellenberg zu 20 Minuten.

Was zählt, ist der Konkurrenzdruck

Denn in diesem Segment drängen die Billig-Airlines auf den Markt, indem sie bestimmte Routen neu mehrmals täglich anbieten und zwar so, dass ein Hinflug morgens und ein Rückflug abends möglich ist. Damit werden sie auch für Business-Flieger eine Option, dem letzten von den traditionellen Fluggesellschaften beherrschten Kundensegment.

«Die Entwicklung der Ticketpreise im Europaverkehr ist entkoppelt von den Kerosinkosten, denn sie wird hauptsächlich vom Wettbewerb bestimmt», erklärt Schellenberg. Dass der Treibstoff einen Drittel der Flugkosten ausmacht, spielt dabei keine Rolle. Denn der von enormer Konkurrenz bestimmte Markt diktiert die Preise. So kam es, dass selbst zu Zeiten hoher Kerosinpreise die Ticketpreise stark sanken.

Ticketpreise sanken 2015 um fast 12 Prozent

Swiss selbst betont, dass ihre Ticketpreise nicht von den Kosten, sondern vor allem von Angebot und Nachfrage bestimmt sind: «Wir beobachten das Markt- und Wettbewerbsverhalten und nehmen bei Bedarf die entsprechenden Anpassungen vor», sagt Airline-Sprecher Florian Flämig.

Bei Easyjet heisst es, die Ticketpreise seien abhängig von der Nachfrage. Kosteneinsparungen würden so je nach Flugroute und Kapazität weitergegeben.

Im zu Ende gehenden Jahr fielen laut IATA die Ticketpreise im Schnitt um knapp 12 Prozent. Das lag nicht an den Spritkosten, die 2015 gesunken sind. Denn die meisten Fluggesellschaften konnten kaum davon profitieren, hatten sie doch nicht mit tieferen, sondern höheren Kerosinpreisen gerechnet und deswegen auf Vorrat Bezugsrechte zu stabilen Preisen über ein Jahr hinweg gesichert. Dieses Hedging von im Schnitt 80 bis 90 Prozent des Treibstoffbedarfs kann sich so als Kostenfalle entpuppen. So werden laut IATA viele Airlines erst im kommenden Jahr in den Genuss der tieferen Preise kommen.

Airlines profitieren vom tieferen Kerosinpreis

Zum Teil profitierten die Fluggesellschaften jedoch schon jetzt. Bei Swiss legte der Betriebsgewinn in den ersten neun Monaten 2015 um fast 60 Prozent auf 401 Millionen Franken zu. Der Ende Dezember scheidende Swiss-Chef Harry Hohmeister bekannte in einem Interview: «Die Swiss muss pro Jahr 500 Millionen Franken Gewinn machen, um langfristig investitionsfähig bleiben zu können.» Denn anders seien die Milliardeninvestitionen in neue Flugzeuge, Flughafen-Lounges oder neue IT-Systeme nicht finanzierbar.

Investitionen lassen sich derzeit jedoch auch durch Fremdkapital günstig finanzieren. Die Kapitalkosten werden für 2015 und 2016 von der IATA wegen der niedrigen Zinsen auf unter 7 Prozent geschätzt. Die Airlines verbrennen also kein Geld mehr: Denn die Kapitalrendite der Branche sollte in diesem und im nächsten Jahr jeweils mehr als acht Prozent erreichen.

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