Aktualisiert 07.06.2006 13:06

Flims: Ein Bild wie nach dem Krieg

Dieser Dienstag mit den drei Sechsen im Datum wird Flimserinnen und Flimsern lange in böser Erinnerung bleiben. Die grösste Feuersbrunst in der Geschichte des Dorfes brachte auch die Feuerwehrleute an ihre Grenzen.

Am Mittwochmittag steigt noch immer Rauch auf. Feuerwehrmänner löschen letzte Brandherde. Das etwa 100 auf 60 Meter grosse Gelände sieht aus wie nach einer Explosion. Von den Ställen ist nur noch versengtes Holz übrig. Die massiveren Wohnhäuser wurden zu Ruinen, teilweise sind nur noch Mauerreste übrig.

Der Flimser Feuerwehrkommandant Peter Rhyner wohnt in der Nähe der Brandstelle. Am Dienstagabend glaubte er zunächst, schlimmer als 1995 könne es nicht kommen. Damals wurden drei Häuser und zwei Ställe durch ein Feuer ganz oder teilweise zerstört.

Unglaubliche Hitze

Doch am Abend des 6. Juni 2006 wurde Rhyner eines Besseren belehrt. In der Tourismusgemeinde mit ihren 2700 Seelen sprengte der Grossbrand alles bisher Dagewesene.

Der Feuerwehrmann erzählt, wie er die ersten Flammen beim Dach eines Gebäudes meterhoch in den Abendhimmel steigen sah. Noch ohne Feuerschutzjacke rannte Rhyner zur Brandstelle, bekam heisse Hände, steckte sie in die Tasche - und plötzlich ergriff ihn die Furcht, seine Kleider könnten der Hitze wegen Feuer fangen.

Die Hitze muss unbeschreiblich gewesen sein. An einem intakten Gebäude auf der anderen Seite der Oberdorfstrasse barsten Fenster, verkohlten Balkonbretter und Blumenkisten. Vor dem Haus steht ein von der Hitze total zerstörter Kleinwagen.

An Grenzen gekommen

Dieser Grossbrand habe die Feuerwehrleute an die Grenze des Erträglichen gebracht, sagt der Bündner Feuerwehrinspektor Hansueli Roth. Belastend seien auch die sechs Stunden Ungewissheit über den Verbleib von Hausbewohnern gewesen.

Das Feuer fand in den trockenen, winddurchlässigen und leeren Holzställen reichlich Nahrung. Die Flammen breiteten sich explosionsartig aus. Feuerwehrinspektor Roth spricht von einem «flash-over», einem Feuerball, der von Gebäude zu Gebäude gesprungen sei.

Die Häuser im alten Flimser Dorfteil stehen sehr nahe beisammen, viele haben angebaute Holzställe. Grosse Ställe mit verhältnismässig kleinen Wohnhäusern: das sei die alte Bauweise, sagt Gemeindepräsident Thomas Ragettli.

Über etwas sind im Ferienort trotz allem alle froh: Dass keine Menschen zu Schaden kamen. Die Gemeinde will denjenigen 27 Personen helfen, die Hab und Gut verloren. «Wir versuchen, das Leid so gut wie möglich zu lindern», sagte Gemeindepräsident Ragettli und ergänzte: «Das Leben geht weiter. Wir müssen vorwärts schauen.»

(sda)

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