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FernbusFlixbus will ökologischer sein als die Bahn

Der deutsche Fernbus-Riese behauptet, eine bessere Schadstoff-Bilanz zu haben als die Bahn. Ein Experte widerspricht.

von
Stefan Ehrbar
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Laut einer Studie im Auftrag des Deutschen Verbands der Omnibusunternehmer sind die Fernbusse von Flixbus ein ökologischeres Verkehrsmittel als die Bahn, das Flugzeug oder das Auto.

Laut einer Studie im Auftrag des Deutschen Verbands der Omnibusunternehmer sind die Fernbusse von Flixbus ein ökologischeres Verkehrsmittel als die Bahn, das Flugzeug oder das Auto.

Keystone/Walter Bieri
«Flixbus ist eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel der Schweiz», sagt Sprecher Martin Mangiapia. Das liege auch an der modernen Busflotte. Einen Haken hat die Studie aber, ...

«Flixbus ist eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel der Schweiz», sagt Sprecher Martin Mangiapia. Das liege auch an der modernen Busflotte. Einen Haken hat die Studie aber, ...

Keystone/Walter Bieri
... denn die Vergleichswerte für die Bahn stammen von der Deutschen Bahn. In der Schweiz ist der Strommix anders. So wird kein Strom aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken verwendet. Bezüglich CO2-Ausstoss ist die SBB deshalb viel ökologischer als der Fernbus, sagt René Estermann von Myclimate. Das gelte auch für Inlandslinien, wie sie Domo-Reisen (Bild) plant.

... denn die Vergleichswerte für die Bahn stammen von der Deutschen Bahn. In der Schweiz ist der Strommix anders. So wird kein Strom aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken verwendet. Bezüglich CO2-Ausstoss ist die SBB deshalb viel ökologischer als der Fernbus, sagt René Estermann von Myclimate. Das gelte auch für Inlandslinien, wie sie Domo-Reisen (Bild) plant.

ehs/20M

Über eine Million Schweizer steigen jedes Jahr in ein Fahrzeug von Flixbus. Der deutsche Fernbus-Anbieter überlegt sich sogar, ein eigenes Inland-Netz in der Schweiz aufzubauen. Mit einer neuen Studie, die 20 Minuten vorliegt, will Flixbus nun die ökologische Zielgruppe ansprechen.

Die Studie belege, dass der Fernbus im Vergleich zur Bahn, dem Auto und dem Flugzeug eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel der Schweiz sei, sagt Sprecher Martin Mangiapia. Dank modernster Flotte und hoher Auslastung sei die Schadstoffbilanz «sehr gut».

Weniger CO2 als Bahn-Fernverkehr

Die Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg, für die drei typische Fernbus-Verbindungen analysiert wurden und für die ein Datensatz von 664 von Flixbus eingesetzten Busse zur Verfügung stand, kommt zum Schluss, dass sowohl die Kohlendioxidemissionen (CO2), die Stickstoffoxidemissionen als auch die Partikelemissionen bei voller und mittlerer Auslastung bei Flixbus tiefer sind als bei Autos oder dem Bahn-Fernverkehr.

Für den Vergleich mit der Bahn und dem Auto wurden Daten des deutschen Umweltbundesamtes verwendet. Demnach kommt Flixbus auf einen CO2-Ausstoss von 23 Gramm pro Personenkilometer – deutlich weniger als das Auto mit 138 Gramm, aber auch weniger als der Bahn-Fernverkehr mit 35 Gramm. Reisende entschieden sich deshalb trotz Auto bewusst für den Fernbus, heisst es in der Studie – nicht zuletzt aus ökologischen Überlegungen. Jeder fünfte Reisende gebe den Umweltaspekt als massgeblichen Grund für die Fahrt mit dem Fernbus an.

«Alte Busse verschwinden»

Mit ein Grund für das gute Abschneiden von Flixbus sei, dass mit über 80 Prozent der grösste Teil der Busflotte den strengen Euro-6-Standard erfülle. Ältere Busse würden in näherer Zukunft verschwinden, sagt Flixbus-Sprecher Mangiapia.

Die Studie hat einen Haken. Denn für die Schadstoff-Bilanz der Eisenbahn wurden die Zahlen des Fernverkehrs der Deutschen Bahn verwendet – und sie widersprechen anderen Datenquellen. Die Schweizer Plattform Mobitool gibt für internationale Fernbusse etwa einen Ausstoss von 45 Gramm pro Personenkilometer an.

Kein Strom aus Kohlekraftwerken

Die SBB kann zudem mit einer deutlich besseren Bilanz als die Deutsche Bahn aufwarten. Innerhalb der Schweiz hat der Fernverkehr einen Ausstoss von 6,92 Gramm CO2 pro Personenkilometer und damit dreimal weniger als Flixbus. Auch der Regionalverkehr ist mit 8,43 Gramm CO2 pro Personenkilometer viel ökologischer unterwegs.

Der Grund für die grosse Diskrepanz ist nicht zuletzt die Energiewende. Der Strommix der SBB ist ein anderer als jener der Deutschen Bahn. «In der Schweiz fährt die Bahn noch nicht zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie», sagt René Estermann, Geschäftsführer von MyClimate. «Die SBB fährt nicht mit Strom aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken, wie das in Deutschland der Fall ist.»

Dementsprechend sei die Klimabilanz deutlich besser. In Deutschland könne der Fernbus bezüglich Schadstoff-Bilanz je nach Belegung besser abschneiden als die Bahn. In der Schweiz sei das aber «sicher nicht der Fall». «Unser Bahnverkehr hat die bessere Klimabilanz als es Fernbusse haben und auch in Zukunft haben werden», sagt Estermann.

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