Aktualisiert 08.04.2020 10:12

Frau an der Spitze

Florence Schelling wird Sportchefin beim SCB

Alex Chatelain ist per sofort nicht mehr Sportchef beim SC Bern. Bei der Nachfolgeregelung entscheidet sich der Club für ein Novum.

von
Reto Kirchhofer
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Florence Schelling wird neue Sportchefin beim SC Bern. Das ist ein Novum: Zuvor hatte noch nie eine Frau diese elementare Position bei einem National-League-Club inne.

Florence Schelling wird neue Sportchefin beim SC Bern. Das ist ein Novum: Zuvor hatte noch nie eine Frau diese elementare Position bei einem National-League-Club inne.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Alex Chatelain verliert seinen Posten beim Schweizer Meister damit per sofort.

Alex Chatelain verliert seinen Posten beim Schweizer Meister damit per sofort.

Keystone/Peter Schneider
Schelling amtete zuletzt als Trainerin der Schweizer U-18-Nati.

Schelling amtete zuletzt als Trainerin der Schweizer U-18-Nati.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Mit zwei Entscheidungen wartet der SC Bern an diesem Mittwoch auf – das eine ist keine Überraschung, das andere eine echte Sensation. Der Spitzenclub gab bekannt, dass er Alex Chatelain von seiner Aufgabe als Sportchef enthebt. Und: Dass er Florence Schelling als dessen Nachfolgerin präsentiert. Das mag erstaunen, verblüffen, verwundern, aber Tatsache ist: Erstmals im Schweizer Spitzensport wird nun eine Frau Entscheidungsträgerin im sportlichen Bereich sein.

«Wir haben eine junge, unverbrauchte, visionäre und intelligente Person gesucht. Wir haben geschaut was der Schweizer Markt bietet – und kamen zum Schluss, dass kein ausgewiesener Sportchef verfügbar ist, der zu uns passt», sagt SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi. «Im Evaluationsprozess sind wir bei Florence Schelling gelandet. Wir kamen zur Überzeugung: Florence ist die Person, die wir suchen und wollen.»

Neue Aufgabe für die Pionierin

Schelling war während Jahren die Lebensversicherung des Frauen-Nationalteams. Die Torhüterin bestritt elf Weltmeisterschaften, vertrat die Schweiz an vier Olympischen Spielen, führte die Auswahl 2014 in Sotschi zu Bronze und wurde zur wertvollsten Spielerin des Olympiaturniers gewählt.

Schelling verbrachte einen Teil ihrer Karriere im Ausland, spielte an der Northeastern University in Boston und im schwedischen Linköping, studierte daneben Wirtschaft und schloss mit dem Master ab. Im Sommer 2018 beendete die Torhüterin ihre Karriere. Danach arbeitete sie zuerst in der Unternehmensberatung, trainierte später die Schweizer U-18-Auswahl und war für SRF als Eishockey-Expertin im Einsatz.

Die 31-jährige Zürcherin gab dem Schweizer Fraueneishockey während Jahren ein Gesicht. Sie scheint prädestiniert für die Rolle der Pionierin. Im Nachwuchs trainierte und spielte sie in Bubenteams, später kam sie in der ersten Liga der Männer zum Einsatz. Jüngst analysierte sie als erste Hockey-Expertin die Spiele der National League.

Nun handelt ihr nächstes Kapitel von einem weiteren Novum, wird sie als erste Frau einer NL-Equipe als Sportchefin vorstehen. Lüthi stellt auf Nachfrage klar: «Das ist kein Marketing-Gag. Ja, Florence wird eine Pionierin sein, in ihrer neuen Rolle wohl weltweit. Aber sie ist jung, unverbraucht, wird einen neuen Blickwinkel einbringen und bestehende Strukturen aufbrechen.»

Chatelain und Lars Leuenberger bleiben

Im Februar 2019 verletzte sich Schelling beim Skifahren in Davos schwer. Sie knallte auf den Kopf, der sechste Halswirbel brach und musste mit einer Metallplatte fixiert werden. Dazu kamen eine kaputte Bandscheibe und eine schwere Hirnerschütterung. Drei Monate lang musste Schelling eine Halskrause tragen. Noch immer befindet sie sich in der Rehabilitation. Sie startet mit einem 50-Prozent-Pensum und wird dieses, falls möglich, bis zum Saisonstart auf 100 Prozent erhöhen.

Der bisherige Sportchef Chatelain kümmert sich künftig um die Sportstrategie im Unternehmen und wird den Bereich Analytics weiter aufbauen. Zudem soll er die neue Sportchefin einarbeiten. «Ich bin überzeugt, dass wir mit Florence Schelling, Alex Chatelain und Rolf Bachmann im Sportbereich gut aufgestellt sein werden», sagt Lüthi.

Klar ist auch, dass Lars Leuenberger als Assistent beim SCB bleiben und nicht als Headcoach zu den SCL Tigers wechseln wird.

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