Florida stoppt Hinrichtungen mit Giftspritze

Aktualisiert

Florida stoppt Hinrichtungen mit Giftspritze

Im Dezember 2006 starb ein zum Tode verurteilter Amerikaner erst nach 34 Minuten, weil die Spritze mit der tödlichen Injektion falsch gesetzt wurde. Florida stoppt die Hinrichtung mit Giftspritze per sofort.

Gouverneur Jeb Bush traf die Entscheidung als Reaktion auf den Bericht eines Mediziners, wonach bei Angel Nieves Diaz die Injektionsnadeln falsch gesetzt wurden. Der 55-Jährige erhielt daher eine zweite Dosis der tödlichen Chemikalien und durchlitt einen 34 Minuten dauernden Todeskampf.

In der Regel dauern Hinrichtungen mit der Giftspritze in Florida weniger als 15 Minuten, der Häftling wird nach drei bis fünf Minuten bewusstlos. Diaz bewegte sich aber offenbar nach 24 Minuten noch, atmete und versuchte zu sprechen.

Nach Angaben des ärztlichen Leichenbeschauers durchstiessen die Injektionsnadeln seine Venen, statt die tödlichen Stoffe in die Blutbahn weiterzuleiten. An beiden Armen habe Diaz dadurch rund 30 Zentimeter lange chemische Verbrennungen erlitten, sagte William Hamilton.

Ob Diaz starke Schmerzen erlitten habe, wollte Hamilton nicht sagen. Dazu werde er sich erst äussern, wenn die Autopsie beendet sei, sagte der Mediziner. Bislang lägen erst vorläufige Ergebnisse vor, weitere Tests könnten noch mehrere Wochen dauern. Diaz' Anwalt sagte gestern, sein Mandant habe minutenlang grosse Qualen erleiden müssen.

Gouverneur Bush erklärte, es werde vorerst keine Hinrichtungen mehr geben, bis eine von ihm nach Diaz' Tod eingesetzte Kommission zur Verwendung der Giftspritze am 1. März ihren Abschlussbericht vorgelegt habe. In Florida sitzen 374 Häftlinge in der Todeszelle, in diesem Jahr wurden vier Hinrichtungen vollzogen.

Im Jahr 2000 hatte der Staat die Giftspritze eingeführt. Sie wurde als humanere und zuverlässige Methode als der bis dahin verwendete elektrische Stuhl bezeichnet. In den vergangenen Jahren wurden 20 Verurteilte mit der Giftspritze getötet.

In Kalifornien entschied ein Bundesrichter, die dort verwendete Giftspritze sei möglicherweise verfassungswidrig. Richter Jeremy Fogel verhängte zugleich ein Moratorium für Hinrichtungen. (dapd)

Deine Meinung