Aktualisiert 03.11.2009 13:51

«New York Times»-Reporter«Flucht» durch Lösegeld ermöglicht?

Nach sieben Monaten in den Händen der Taliban gelang dem «New York Times»-Reporter David Rohde im Juni die Flucht. Ein Kriegsberichterstatter behauptet nun, die Zeitung habe ein Lösegeld in Millionenhöhe bezahlt.

von
pbl

Die Geschichte von David Rohde sorgte für Aufsehen, als er im Juni über eine Mauer geklettert war und in einem pakistanischen Militärstützpunkt Zuflucht gefunden hatte – auch weil es der «New York Times» gelungen war, die Geschichte des Reporters nach der Entführung durch die Taliban im letzten November unter dem Deckel zu halten. In einer beeindruckenden Reportage hat Rohde seine Zeit in den Händen der radikalen Islamisten geschildert.

Nun aber stellt ein Kollege von Rohde diese Version in Frage: Die Zeitung habe für die Freilassung Lösegeld bezahlt. Michael Yon, ein ehemaliger Elitesoldat, der seit 2004 für verschiedene US-Medien aus Afghanistan und dem Irak berichtet, schreibt auf Twitter, verschiedene «sehr gut platzierte Quellen» hätten ihm erzählt, die «New York Times» und ihre nahestehenden Kreise hätten «Millionen für Rohdes Freilassung bezahlt», mit Hilfe von ehemaligen CIA-Offizieren.

Zeitung weist Vorwürfe zurück

Vermischt sind Yons Behauptungen mit Anschuldigungen an die Adresse der «New York Times», sie würde das Leben eines von somalischen Piraten entführten britischen Ehepaares gefährden, indem sie über den Fall berichte, statt wie bei David Rohde zu schweigen. Die Zeitung wies den Vorwurf in einer Stellungnahme zurück, und Rohde schrieb in einem Epilog zu seiner Reportage, dass Mitglieder der Taliban bezahlt wurden, um seinen Aufenthaltsort zu ermitteln, doch das sei nicht gelungen.

Gemäss der «Huffington Post» hat der TV-Sender ABC bereits im Juni berichtet, die Taliban hätten 25 Millionen Dollar für David Rohdes Freilassung verlangt. Chefredaktor Bill Keller habe jedoch betont, es sei «kein Lösegeld bezahlt worden». Zwar gab es gemäss ABC intensive Diskussionen bei der Zeitung, doch man habe entschieden, dass man «nicht aus jedem Reporter einen Bancomaten für Terroristen» machen wolle.

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