Capitol-Stürmer Jeffrey S. - Flucht in die Schweiz würde «natürlicher aussehen»
Publiziert

Capitol-Stürmer Jeffrey S.Flucht in die Schweiz würde «natürlicher aussehen»

Jeffrey S. wollte drei Tage nach dem Ansturm auf das Capitol in die Schweiz fliegen, um sich zu verstecken. Aus Gerichtsakten geht hervor, was dem Mann in dem Moment durch den Kopf ging.

von
Karin Leuthold

Ein Trump-Anhänger, der am 6. Januar das Capitol in Washington stürmte, wollte in die Schweiz fliehen. Jeffrey S. ist an seiner hellbraunen Carhartt-Jacke und seinem schwarzen Helm zu erkennen.

20 Minuten

Darum gehts

  • Jeffrey Sabol nahm in den USA am Sturm auf das Capitol teil und wollte danach in die Schweiz flüchten.

  • Er ging davon aus, dass die Schweiz ihn nicht zurück an die USA ausliefern würde.

  • Aus Gerichtsdokumenten geht nun hervor, wieso S. an seinem Vorhaben gescheitert ist.

Die USA ermitteln gegen einen Mann, der am Capitol-Sturm beteiligt war. Der 51-jährige Jeffrey S. aus Colorado, Geophysiker, Vater von drei Kindern, hatte am 6. Januar einen Polizisten angegriffen. Aus 15'000 Stunden Videomaterial, das die Strafverfolger seither bearbeiten, geht hervor, dass S., der an jenem Tag eine hellbraune Carhartt-Jacke, einen schwarzen Helm und einen grünen Rucksack trug, zusammen mit anderen Angreifern einen Cop die Treppe runterschleifte. Dann kniete S. - mit einem Schlagstock in der Hand - zu dem am Boden liegenden Beamten nieder.

Wie eine Recherche der «SonntagsZeitung» nun zeigt, wollte S. nach dem Sturm auf das Capitol in die Schweiz flüchten. Offenbar geriet der Mann nach der Attacke in Panik. Zuhause zerstörte er laut Gerichtsakten elektronische Geräte in der Mikrowelle («fried electronic devices») und liess alles verschwinden, was als regierungsfeindlich eingestuft werden könnte. Zwei Schusswaffen brachte er zu einem Bekannten.

Flucht in die Schweiz, damit es «natürlicher» aussieht

Am 9. Januar flog Jeffrey S. nach Boston, dort wollte er eine Maschine mit Ziel Zürich besteigen. Sein Gedanke in dem Moment war - das gab er während der Einvernahme zu Protokoll – seine Flucht «natürlicher aussehen» zu lassen. Man solle meinen, er habe Skiferien in den Schweizer Alpen geplant. Ausserdem ging er davon aus, dass die Schweiz ihn nicht zurück an die USA ausliefern würde.

Doch kurz vor der Abreise geriet S. in Panik. Er mietete ein Auto und fuhr Richtung Süden. Dabei hatte er konstant das Gefühl, dass das FBI ihn verfolge. Er warf sein Handy aus dem Fenster in den Fluss, als er eine Brücke überquerte. Am nächsten Tag gingen bei der Polizei Hinweise ein, dass in New York ein Auto unkontrolliert unterwegs sei.

S. gab an, den Polizisten vor Randalierern schützen zu wollen

Die Patrouille fand kurz danach das Fahrzeug. Darin sass Jeffrey S. schwer verletzt. Er hatte grosse Wunden an Armen und Oberschenkeln. Den Polizisten erzählte er, dass er versucht habe, sich das Leben zu nehmen. «Ich bin müde, ich habe das Kämpfen satt, ich werde vom FBI gesucht», soll er laut Gerichtsdokumenten, die der «SonntagsZeitung» vorliegen, gesagt haben.

Im Auto fanden die Beamten neben Rasierklingen auch das Flugticket in die Schweiz. Und die hellbraune Jacke sowie den grünen Rucksack. In seinem Verhör sagte S., er habe dem Polizisten helfen und vor Randalierern schützen wollen. Mit dem Schlagstock habe er dem Mann lediglich den Rücken «getätschelt». Genau wisse er es nicht mehr, jemand habe während des Chaos einen Schlachtaufruf gebrüllt. Er sei dem gefolgt, weil er «ein patriotischer Krieger» sei.

S. droht eine hohe Haftstrafe. Das illegale Betreten des Capitol kann mit fünf Jahren Gefängnis bestraft werden, der bewaffnete Angriff auf einen Polizeibeamten mit bis zu 20 Jahren. Er sitzt wegen der bestehenden Fluchtgefahr immer noch in U-Haft. Für Jeffrey S. gilt die Unschuldsvermutung.

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung