Schwerverbrecher: Fluchthelfer der Aachener Ausbrecher im Visier
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SchwerverbrecherFluchthelfer der Aachener Ausbrecher im Visier

Bei dem spektakulären Ausbruch der Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski aus einem Gefängnis im deutschen Aachen soll auch ein Mitgefangener Fluchthilfe geleistet haben.

Ein 35-jähriger Häftling stehe im Verdacht, den beiden das Taxi zur ersten Station ihrer Flucht nach Kerpen organisiert zu haben, sagte Oberstaatsanwalt Robert Deller am Mittwoch der AP. Gegen ihn wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe zur Gefangenenbefreiung eingeleitet. Heckhoff und Michalski dürften sich schon bald vor Gericht verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft wolle zügig Anklage gegen die bereits zu lebenslanger Haftstrafe und Sicherungsverwahrung verurteilten Schwerverbrecher erheben, erklärte Deller. Gegen sie wurde Haftbefehl unter anderem wegen Geiselnahme und schwerer räuberischer Erpressung erlassen. Nach ihren Ausbruch hatten die beiden bewaffneten 46 und 50 Jahre alten Männer insgesamt fünf Menschen gezwungen, ihnen bei der Flucht über Köln ins Ruhrgebiet zu helfen. Geiselgangster Heckhoff wurde am Sonntag in Mülheim an der Ruhr gefasst, der verurteilte Mörder Michalski am Dienstag in Schermbeck im Kreis Wesel.

Heckhoff und Michalski sehen sich nie wieder

Es sei sehr unwahrscheinlich, dass sich die beiden mit Ausnahme vor Gericht je wiedersehen würden, sagte Deller. Heckhoff ist derzeit in einem Hochsicherheitstrakt in der JVA Bochum untergebracht, Michalski soll nach Abschluss der Vernehmungen nach Bielefeld kommen.

Die beiden Schwerverbrecher waren vergangenen Donnerstag offenbar mit Hilfe eines JVA-Beamten aus dem Gefängnis in Aachen ausgebrochen. Mit ihrer Flucht quer durch Nordrhein-Westfalen hatte die als hoch gefährlich eingestuften Sträflinge Polizei und Bewohner tagelang in Atem gehalten.

Ob der 40-jährige Wärter, der seit Samstag in Untersuchungshaft sitzt, erpresst oder bestochen worden sei, sei weiter offen, sagte Deller. Der JVA-Beamte habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäussert. Er soll die Ausbrecher aus der Anstalt herausgeschleust und mit Waffen ausgestattet haben.

Absprache wahrscheinlich

Der Mithäftling, gegen den nun ebenfalls ermittelt wird, hatte laut Staatsanwaltschaft am Tag des Ausbruchs Ausgang, um seine baldige Entlassung vorzubereiten. «Er liess sich mit einem Taxi zur JVA zurückfahren, und als er ausstieg, stiegen Michalski und Heckhoff ein», sagte Deller. Das könne kein Zufall sein, betonte er. Da die drei im selben Hafthaus in Aachen untergebracht gewesen seien, liege der Verdacht der Absprache nahe. Eine Vernehmung des 35-Jährigen sei für die nächsten Tage geplant.

Der Ausbruch Heckhoffs und Michalskis hat unterdessen auch ein politisches Nachspiel. Die Düsseldorfer Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) muss sich am Freitag in einer Sondersitzung des Rechtsausschusses den bohrenden Fragen der Opposition stellen. (dapd)

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