Aktualisiert 21.03.2011 15:26

Zu Lukaschenko ins ExilFlüchtet Gaddafi nach Weissrussland?

Gaddafi-Jets flogen nach Minsk, weissrussische Waffen fanden den Weg nach Libyen. Nun spekuliert das renommierte SIPRI-Institut über eine Flucht des Revolutionsführers.

Die Meldung, Muammar al-Gaddafi habe sich nach Venezuela abgesetzt, hat sich vergangene Woche als falsch erwiesen. Nun bringt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI ein neues mögliches Exil für den libyschen Machthaber ins Gespräch: Weissrussland.

Gaddafi und seine Familie würden möglicherweise eine Flucht nach Weissrussland vorbereiten, meldete das SIPRI am Dienstag. Darauf deuteten mindestens zwei Flüge von Gaddafis Privatjet von Tripolis zu einem weissrussischen Flugplatz in den letzten sieben Tagen hin.

40 Tonnen Waffen geliefert

SIPRI-Experte Hugh Griffiths sagte dem schwedischen Radiosender SR, ein Überwachungssystem für Waffentransporte habe die Flüge nach Weissrussland zweifelsfrei identifiziert. Erwiesen sei auch, dass das Land in den letzten Wochen 40 Tonnen Waffen an Libyen geliefert habe.

Als Zahlungsmittel habe Gaddafi mit seinem Privatjet wahrscheinlich Diamanten in das hochverschuldete Weissrussland schaffen lassen. Der libysche Staatschef hat allerdings seit Ausbruch der Unruhen eine Flucht ins Ausland stets ausgeschlossen.

Weissrussland spricht von «Informationskrieg»

Das weissrussische Aussenministerium wies die Angaben umgehend zurück. Es sprach von «Lüge» und «Informationskrieg» gegen die Führung in Minsk. Der weissrussische Staatschef Alexander Lukaschenko gilt als letzter Diktator Europas.

«Zuerst hat man sich weissrussische Söldner in Libyen ausgedacht und dann die Landung eines Flugzeugs mit Gold und Brillanten aus Libyen erfunden. Und jetzt geht es um die geheimnisvolle Verletzung von Sanktionen des UNO-Sicherheitsrates», sagte ein Sprecher in Minsk. «All dies entspricht nicht der Wirklichkeit.»

Es wäre nicht das erste Asyl-Angebot

Weissrussland warf dem Westen vor, die Ex-Sowjetrepublik gezielt mit Verleumdung international weiter in Verruf bringen zu wollen. Das von Lukaschenko mit harter Hand regierte Land hatte im vergangenen Jahr dem gestürzten autoritären kirgisischen Präsidenten Kurmanbek Bakijew Asyl gewährt.

Lukaschenko hatte Proteste gegen seine Wiederwahl im Dezember gewaltsam niederschlagen lassen. Der aus der Haft entlassene Ex- Präsidentenkandidat Ales Michalewitsch warf den Behörden Folter vor und verglich das Gefängnis des Geheimdienstes KGB mit einem «Konzentrationslager». (sda)

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