Spanien: Flüchtiger Schaffhauser unter Mordverdacht
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SpanienFlüchtiger Schaffhauser unter Mordverdacht

Ein wegen mehrfacher Gewalttaten internierter Schaffhauser Aussteiger soll nach seiner Flucht nach Spanien einen 40-jährigen Freund erschlagen haben. Das Opfer sei dem gewalttätigen 60-Jährigen hinterhergereist.

Die spanische Polizei hat in Valencia einen 60-jährigen Schaffhauser festgenommen. Er steht unter dringendem Verdacht einen gut 40-jährigen Deutschschweizer erschlagen zu haben, wie der «Beobachter» in einem Vorabdruck an die Medien schreibt. Zum tragischen Tod des 40-Jährigen soll es am 29. Mai am Stadtrand Valencias gekommen sein.

Gefährlich und in Therapie

Der mutmassliche Täter ist in der Schweiz kein Unbekannter. Das Schweizer Fernsehen (SF) porträtierte den Mann in zwei Dokumentarfilmen 2007 und Anfang 2009 und zeigte ihn, wie er in Frankreich und Spanien das Leben eines schrulligen Aussteigers führte. In seiner Heimatstadt war der 60-Jährige mehrmals bei den Behörden angeeckt. Im Dezember 2005 hatte ihn das Obergericht Schaffhausen wegen mehrfachen Versuchs der schweren Körperverletzung zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt und eine unbefristete therapeutische Massnahme in der psychiatrischen Klinik Rheinau angeordnet. Der Verurteilte entwich 2006 von dort und setzte sich ins Ausland ab.

Gefängnisstrafe abgessesen, Therapie aber nicht

Die Angehörigen des Mordopfers werfen den Schaffhauser Behörden nun vor, sie hätten zu wenig unternommen, um den Verurteilten zu fassen. Selbst als nach den Dokumentarfilmen des Schweizer Fernsehens klar war, wo sich der Gesuchte aufhielt, schrieben sie ihn nicht international aus. «Warum nur?», fragt sich die Familie des Getöteten. Der Kanton Schaffhausen wehrt sich gegen die Vorwürfe: Für eine internationale Ausschreibung habe es keine Rechtsgrundlage gegeben, denn die Gefängnisstrafe hatte der mutmassliche Mörder abgesessen. «Nach einem Häftling kann nur gefahndet werden, wenn eine Reststrafe abzusitzen ist», erklärte Stefan Bigler, Staatsschreiber des Kantons Schaffhausen, gegenüber dem «Beobachter».

Opfer folgte mutmasslichem Mörder aus Begeisterung

Eine Nachfrage des Bundesamtes für Justiz bestätigt: Steht bei Massnahmen die Therapierung des Verurteilten im Vordergrund, fehlt für eine internationale Fahndung die Rechtsgrundlage. Dass die Behörden mehrere Entlassungsgesuche des 60-Jährigen ablehnten und ihn nicht in Freiheit entliessen, spielt dabei offenbar keine Rolle.

Was genau vor dem Tod des 40-Jährigen geschah, bleibt ungewiss. Sicher ist nur, dass der Tote aufgrund des Dokumentarfilmes seinen mutmasslichen Mörder aufsuchte – aus Begeisterung an dessen Lebensstil. Die beiden Männer reisten offenbar mehrere Wochen gemeinsam umher, bevor es zur Bluttat kam. Für die Hinterbliebenen des Opfers bleiben Trauer, Wut und vor allem Unverständnis zurück, wie die Schwester gegenüber dem «Beobachter» sagte: «Wie es kann sein, dass ein hierzulande als gewaltbereit und unberechenbar eingeschätzter Mann der Gesellschaft eines anderen Landes zugemutet wird?»

Ausschnitt aus dem SF-DOK von 2007: Der 60-jährige Tatverdächtige erbost sich über die Verhaftung in einem Mordfall von 1993. Er wurde nach einem Monat Gefängnis freigelassen. Der tatsächliche Täter einige Monate später gefasst.

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(amc)

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