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Deutscher PolizistFlüchtling gequält – «Hab den gewürgt. War witzig»

Schwere Vorwürfe gegen einen deutschen Polizisten: Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen Misshandlung von Flüchtlingen in einer Wache der Bundespolizei.

von
ale
Mit Folter geprahlt: Nachdem die Polizisten den jugendlichen Flüchtling gequält hatten, verschickten sie auf WhatsApp ein Bild ihres Opfers.

Mit Folter geprahlt: Nachdem die Polizisten den jugendlichen Flüchtling gequält hatten, verschickten sie auf WhatsApp ein Bild ihres Opfers.

Nach gemeinsamen Recherchen des NDR-Fernsehmagazins «Hallo Niedersachsen» und des Radiosenders NDR Info soll es im vergangenen Jahr mehrfach Übergriffe auf Menschen in den Gewahrsamszellen gegeben haben.

In einem Fall soll den Berichten zufolge ein Flüchtling aus Afghanistan gewürgt und mit angelegten Fussfesseln durch die Wache geschleift worden sein. Nach Informationen des Senders soll der ins Visier der Staatsanwaltschaft geratene Beamte im Kurzmitteilungsdienst WhatsApp mit seinen Taten geprahlt haben. Dort habe er geschrieben:

«Den Marokkaner, den habe ich weiss bekommen»

Ein zweiter schwerer Fall habe sich ein halbes Jahr später ereignet. Das Opfer war diesmal ein 19-jähriger Marokkaner, der in einem Zug ohne gültiges Ticket und mit etwas Marihuana aufgegriffen worden war. Er soll danach auf der Polizeiwache gezielt erniedrigt worden sein. Der Beamte fotografierte den misshandelten Flüchtling in unnatürlicher Haltung und mit erkennbar von Schmerz verzerrten Gesichtszügen. Auf dem Foto sind die Stiefel von zwei Beamten zu sehen.

Hausdurchsuchungen

Den Berichten zufolge gab es sowohl in der Dienststelle des Bundespolizisten in Hannover als auch in dessen Privathaus am Freitag Hausdurchsuchungen. Dabei wurde laut Staatsanwaltschaft Beweismaterial beschlagnahmt, heisst es in den Berichten weiter.

Wegen der Schwere der Vorwürfe sei Eile bei den Ermittlungen geboten gewesen, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge dem NDR demnach auf Anfrage. Die Bundespolizeidirektion in Hannover wollte sich auf Nachfrage des Senders nicht zu den Vorwürfen äussern, da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handle. Eine Sprecherin sagte den Angaben zufolge aber, es gebe ein «grösstmögliches Aufklärungsinteresse».

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