Deutschland: Flüchtling unter Terrorverdacht
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DeutschlandFlüchtling unter Terrorverdacht

Das deutsche Bundeskriminialamt ermittelt gegen einen Asylsuchenden. Er soll für den IS gekämpft haben.

von
kmo
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Auf der Flucht nach Europa hat die grössten Chancen, wer mit einem syrischen Pass reist.

Auf der Flucht nach Europa hat die grössten Chancen, wer mit einem syrischen Pass reist.

AP/Hadi Mizban
Doch die Behörden gehen davon aus, dass sich auch immer wieder schwarze Schafe unter die Kriegsflüchtlinge mischen. «Man merkt, dass etwas nicht stimmt, wenn die meisten den 1. Januar als Geburtsdatum nennen», sagt der serbische Grenzpolizist Miroslav Jovic. «Ich schätze, das ist das erste Datum, das ihnen einfällt.»

Doch die Behörden gehen davon aus, dass sich auch immer wieder schwarze Schafe unter die Kriegsflüchtlinge mischen. «Man merkt, dass etwas nicht stimmt, wenn die meisten den 1. Januar als Geburtsdatum nennen», sagt der serbische Grenzpolizist Miroslav Jovic. «Ich schätze, das ist das erste Datum, das ihnen einfällt.»

AP/Gregorio Borgia
90 Prozent der Fliehenden, die über die Türkei und Mazedonien nach Serbien gelangen, geben nach Angaben der serbischen Polizei an, aus Syrien zu kommen. Bei den meisten dürfte das auch zutreffen. Dokumente legen aber nur wenige vor.

90 Prozent der Fliehenden, die über die Türkei und Mazedonien nach Serbien gelangen, geben nach Angaben der serbischen Polizei an, aus Syrien zu kommen. Bei den meisten dürfte das auch zutreffen. Dokumente legen aber nur wenige vor.

AP/Gregorio Borgia

Ein Mann erzählt, wie er für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kämpfte und tötete. Brisant: Der Mann lebt in einer Unterkunft für Flüchtlinge im deutschen Brandenburg. Mitbewohner filmten ihn heimlich und benachrichtigten die Behörden. Jetzt hat das Bundeskriminalamt Ermittlungen eingeleitet, wie die «Welt am Sonntag» berichtet.

Der Fall ist einer von rund 30 Fällen, auf die der deutsche Bundesnachrichtendienst (BND) in den vergangenen Monaten aufmerksam gemacht worden war. Die Hinweise stammten fast immer von anderen Flüchtlingen. «Meistens handelt es sich dabei um Anschwärzungen und Denunziationen unter den Flüchtlingen – wenn jemand missfällt, wird er zum IS-Terroristen erklärt», so ein Staatsschützer zur «WamS». Die Fälle wurden umgehend geschlossen.

«Genug IS-Anhänger hierzulande»

Die Staatsschützer gehen allen Hinweisen nach. Auch denjenigen, die in letzter Zeit auf sozialen Netzwerken verbreitet wurden. Dort tauchten verschiedentlich Fotos auf, auf denen IS-Kämpfer unter den Flüchtlingen zu sehen sein sollen. Bilanz des BND: Meist handelte es sich um Verwechslungen oder gar um Fälschungen.

Dass der IS systematisch Terroristen mit den Flüchtlingen nach Europa schickt, halten Sicherheitsexperten für wenig wahrscheinlich. Die Terrormiliz habe es nicht nötig, jemanden einzuschleusen, so ein Staatsschützer zur «WamS»: «Es gibt genug IS-Anhänger hierzulande, die Anschläge verüben könnten.»

Bundesländer sind überfordert

Zudem soll die Identität aller in Deutschland angekommenen Asylsuchenden vom Bundesamt für Verfassungsschutz, dem BKA und den Landeskriminalämtern überprüft werden. Hier zeigen sich laut dem Zeitungsbericht allerdings Probleme: Nur wenige Bundesländer haben genügend Kapazität, die grosse Zahl von Flüchtlingen zu erfassen, geschweige denn ihre Identität zu überprüfen.

Falls sich der Verdacht gegen den Asylbewerber in Brandenburg bestätigen sollte, wäre dies der erste solche Fall – und stünde der Gesamtzahl von 800'000 Flüchtlingen in Deutschland in diesem Jahr gegenüber.

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