Arlesheim BL: Flüchtlinge arbeiten für 30 Franken Tageslohn
Aktualisiert

Arlesheim BLFlüchtlinge arbeiten für 30 Franken Tageslohn

Seit rund zwei Wochen sind in Arlesheim Flüchtlinge auf Arbeitseinsätzen. Sie verrichten Arbeiten, für welche die Gemeinde sonst kaum Geld hätte.

von
Matthias Kempf
Yohannes X. (rechts) arbeitet gerne. 30 Franken erhalten die Flüchtlinge für einen Tageseinsatz.

Yohannes X. (rechts) arbeitet gerne. 30 Franken erhalten die Flüchtlinge für einen Tageseinsatz.

Jetzt ist sie voll, die provisorische Asylunterkunft in Arlesheim. Über 90 Flüchtlinge sind im Moment dort untergebracht. Ihre Tage sind lang, Beschäftigung gibt es wenig. «Seit zwei Wochen gibt es für die Flüchtlinge nun die Möglichkeit, Arbeitseinsätze zu leisten», sagt Axel Fischer, stv. Leiter der Unterkunft. «Die Flüchtlinge erhalten vom Bund drei Franken pro Tag für persönliche Auslagen – für einen Arbeitstag hingegen gibt es 30 Franken.» Folglich sei die Nachfrage sehr gross.

Die Gemeinde Arlesheim hat einen Einsatzplan zusammengestellt, an welchen Orten einfache Arbeiten verrichtet werden können. Die Flüchtlinge sind dann in Gruppen von acht Personen unterwegs. An einem Tag können maximal 16 der 90 Flüchtlinge einen Arbeitseinsatz leisten. Sie jäten Unkraut zwischen den Rabatten, machen kleine Wege auf den Friedhöfen frei oder säubern den Wald.

Da Arlesheim nur als Durchgangszentrum dient, kommen die Flüchtlinge selten auf mehr als zwei Abreitseinsätze. Für die Gemeinde sind sie aber sehr wertvoll. «Das sind alles Arbeiten, für die die Gemeinde Arlesheim sonst kaum Zeit und Geld zur Verfügung hätte», sagt Gemeindepräsident Karl-Heinz Zeller.

Friedfertige Eritreer

In der Asylunterkunft Arlesheim kommen praktisch alle Flüchtlinge aus Eritrea. «Mit ihnen haben wir nie Probleme, sie sind ein sehr friedfertiges Volk», sagt Fischer. Beim alten Friedhof ist eine Achter-Gruppe von ihnen gerade dabei, die Wege freizuräumen.

Yohannes X. ist einer der Flüchtlinge. Er ist seit rund drei Wochen in der Schweiz. Er ist der Einzige der Gruppe, der Englisch spricht. Alle anderen sprechen ausschliesslich Tigrinya. «Ich bin vor dem totalitären Regime in meinem Land geflüchtet», berichtet Yohannes (28).

«Schweizer sind netter als Sudanesen»

Yohannes hat in Eritrea die Universität besucht und als Bodentechniker gearbeitet. Fast 7000 Dollar musste er für seine Reise nach Europa bezahlen. «Ich bin relativ schnell durchgekommen, da ich Geld hatte. Andere stecken immer noch im Sudan oder in Lybien fest.»

Die Schweiz ist in etwa so, wie er sie sich vor seiner Reise vorgestellt hatte. Einzig die Leute seien netter, das habe er nicht erwartet. «Im Sudan ist uns Eritreern immer Ablehnung widerfahren, die Leute waren sehr fremdenfeindlich. Die Schweizer sind ganz anders, stets höflich und respektvoll. Ich mag dieses Land sehr.»

Wohin seine Reise geht, weiss Yohannes noch nicht. «Ich würde gerne in der Region Basel bleiben, aber das entscheide nicht ich.» Hingegen weiss er schon, was er mit den 30 Franken machen wird, die er in seinem Arbeitseinsatz verdient hat. «Ich werde mir ein neues T-Shirt kaufen. Ich brauche zuerst ein geregeltes Einkommen, bevor ich ans Sparen denken kann.»

Viel Unterstützung der Arlesheimer

Vor zwei Monaten rief Arlesheim seine Einwohner zu Sachspenden für die Flüchtlinge auf. «Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist sehr gross», sagt Axel Fischer. «Wir haben rund 150 110-Liter-Säcke voller Kleider erhalten. Dazu Spielsachen und Hygieneartikel.»

Zudem hätten sich 25 Personen gemeldet, die den Flüchtlingen als Begleitpersonen eine Abwechslung im tristen Alltag bieten möchten. «Jemand hat bereits Konfitüre mit ihnen gemacht, anderere bieten Deutschstunden oder Kochkurse an», sagt Fischer.

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