Balkan-Route: Flüchtlinge leiden unter Läusen und Ausschlag
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Balkan-RouteFlüchtlinge leiden unter Läusen und Ausschlag

Tausende Flüchtlinge sind auf dem Balkan gestrandet. Sie leben als Obdachlose unter unmenschlichen Bedingungen. Viele Menschen sind krank.

von
Jovana Gec
AP
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In einer zugigen Lagerhalle im serbischen Belgrad leben im November 2016 etwa 1000 obdachlose Flüchtlinge. Der Boden ist mit Müll übersät, in den Fenstern ist kein Glas.

In einer zugigen Lagerhalle im serbischen Belgrad leben im November 2016 etwa 1000 obdachlose Flüchtlinge. Der Boden ist mit Müll übersät, in den Fenstern ist kein Glas.

AP/Darko Vojinovic
Die Menschen hier hoffen darauf, weiter nach Ungarn und Kroatien zu gelangen.

Die Menschen hier hoffen darauf, weiter nach Ungarn und Kroatien zu gelangen.

AP/Darko Vojinovic
Den Flüchtlingen sind die Strapazen ihrer Reise anzusehen. In der Halle gibt es weder warmes Wasser noch sanitäre Anlagen.

Den Flüchtlingen sind die Strapazen ihrer Reise anzusehen. In der Halle gibt es weder warmes Wasser noch sanitäre Anlagen.

AP/Darko Vojinovic

Mohammed Jassin (28) findet kaum Worte, um den Schrecken in seiner Unterkunft zu beschreiben. Der frühere Nachrichtenjournalist aus Afghanistan hat in einem verlassenen Lagerhaus im Zentrum von Belgrad Schutz gesucht. Dort wartet er nun wie Hunderte andere auf eine Gelegenheit, über die Grenze in die benachbarten EU-Staaten Ungarn und Kroatien zu gelangen.

Rund 1000 Flüchtlinge sind in dem mit Müll übersäten Gebäude untergekommen. Die verfallene Halle bietet kaum Schutz vor Regen und Kälte: In den grossen Fenstern fehlt das Glas, das Dach leckt und sanitäre Anlagen gibt es nicht. «Wir haben keinen richtigen Platz zum Schlafen oder zum Essen», sagt Jassin. «Wir haben kein warmes Wasser, um zu baden. Wir leiden hier grosse Not.»

«Menschen werden sterben»

Hilfsorganisationen warnen, auf dem Balkan und in Griechenland lebten Tausende Menschen in ungeheizten Zelten oder überfüllten Lagern. Im Winter werde sich die Lage verschlimmern. «Kinder, ältere und geschwächte Menschen werden vielleicht im Winter auf europäischem Boden sterben, wenn nicht gehandelt wird», erklärt die Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) in dieser Woche.

Viele obdachlose Flüchtlinge hofften, in EU-Mitgliedsländer reisen zu können. Nun sitzen sie auf der früheren Balkanroute fest, die von der Türkei durch Griechenland, Mazedonien, Serbien, Kroatien und Slowenien führt. Die Länder schlossen ihre Grenzen im März. Doch noch immer reisen Flüchtlinge illegal ein, meist mit Hilfe von Schleppern. Sie brauchen Monate, bis sie ihr Ziel in der EU erreicht haben.

Bub (9) auf Intensivstation

In Serbien berichtet der Leiter des Zentrums für Asylhilfe, Rados Djurovic, bis zu 2000 Flüchtlinge lebten in Parks und verlassenen Häusern. Mehrere tausend weitere, zumeist Familien, seien in Flüchtlingslagern untergebracht. Die schwierigen Lebensbedingungen und die fehlende Hoffnung setzten den Menschen zu. Das führe auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

«Schlechtes Wetter und schlechte Umstände haben sie psychologisch und körperlich geschwächt, sie sind gestresst und labil», sagt Djurovic. Erst kürzlich musste ein neunjähriger Junge auf der Intensivstation behandelt werden, nachdem das Zelt seiner Familie in einem Lagerhaus in Nordgriechenland Feuer gefangen hatte. Die Eltern hatten versucht, mit einem Gaskocher zu heizen, wie der IRC-Direktor in Griechenland, Panos Navrozidis, erklärt.

Viele Flüchtlinge sind krank

In dem Lagerhaus in Belgrad stinkt es nach Urin und Qualm. Flüchtlinge sitzen um Feuerstellen herum, um zu kochen oder sich warmzuhalten. Verstaubte Decken liegen auf dem Boden, darauf die wenigen persönlichen Dinge in Rucksäcken oder Plastiktüten. Mit alten Möbeln oder Pappe haben die Menschen versucht, Privatsphäre zu schaffen.

Einige Männer schlafen in Decken gewickelt, bekleidet mit Jacken, Mützen und Handschuhen. Andere reden oder sie breiten Essen aus einem nahen Supermarkt auf ihren Decken aus und bereiten eine Mahlzeit zu. Wieder andere stellen sich an, um ihr Geschirr zu waschen.

Viele Flüchtlinge sind krank. Sie leiden an Erkältungen, haben Läuse oder Hautkrankheiten. Ihre Lage hat sich verschlimmert, seit die Regierung die NGOs angewiesen hat, ausserhalb der offiziellen Flüchtlingsunterkünfte keine Lebensmittel auszugeben. Die Behörden hoffen, dass die Flüchtlinge so von den Strassen verschwinden.

«Ich will ein Leben»

Die Bewohner des Lagerhauses haben Angebote der Behörden ausgeschlagen, in Flüchtlingslager umzuziehen, wo sie legal einen Antrag auf Asyl stellen könnten. Sie fürchten eine Auslieferung oder den Abtransport in ein Lager noch weiter weg von der EU-Grenze.

An einer Feuerstelle sitzt Sabir Sahid (16). Seit Wochen habe er nur Kartoffeln und Brot gegessen, erzählt er. Einmal habe er versucht, nach Ungarn zu kommen, sei aber von der ungarischen Polizei abgefangen worden. Dennoch will Sahid unbedingt Österreich erreichen. Eine Rückkehr kommt für ihn nicht infrage. «In Afghanistan wird gekämpft, ich kämpfe nicht», sagt er. «Ich will ein Leben, ich will nicht sterben.»

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