Flüchtlinge nach türkischer Invasion im Irak
Aktualisiert

Flüchtlinge nach türkischer Invasion im Irak

Die türkische Armee ist mit mehreren hundert Soldaten in den Nordirak einmarschiert. Der erste Einsatz von Bodentruppen seit der Verschärfung des Konflikts im Oktober galt der kurdischen Arbeiterpartei PKK.

Nach Angaben der kurdischen Regionalverwaltung im Irak rückten 300 bis 500 türkische Soldaten am Dienstag drei Kilometer weit in nordirakisches Gebiet vor, wo PKK-Rebellen ihre Stützpunkte haben.

Ein Mitglied der PKK sagte, türkische Soldaten hätten mit Unterstützung der Luftwaffe am frühen Morgen die irakische Grenze in Chawakurt überquert. Laut Angaben des Büros des irakischen Kurdenführers Massud Barsani begannen sich die Truppen erst am Dienstagabend zurückzuziehen.

Begrenzte Bodenoffensive

Gemäss einem türkischen Armeevertreter waren die Soldaten mit leichten Waffen ausgerüstet und lieferten sich mit den Rebellen «ein begrenztes Gefecht».

Die irakische Seite wies dies zurück. Ein Sprecher der kurdischen Sicherheitskräfte Peschmerga sagte, die Soldaten seien in eine verlassene Zone eingedrungen, in der weder irakischen Truppen noch kurdische Kämpfer stationiert seien.

Die Zeitung «Hürriyet» berichtete auf ihrer Website, möglicherweise handle es sich um Kommandoeinheiten, welche die durch die Bombenangriffe vertriebenen Rebellen in Schach halten sollen.

Am Wochenende hatte die türkische Luftwaffe Angriffe auf Lager der PKK im Nordirak geflogen. Die USA unterstützten laut Medienberichten die Türkei bei den Angriffen.

Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan kündigte weitere Einsätze jenseits der Grenze an. «Unsere Armee wird weiterhin alles Notwendige tun», sagte er, ohne die Berichte über die Bodenoffensive zu bestätigen.

Rice im Nordirak

Aus Protest gegen die Unterstützung der Türkei durch die USA sagte Barsani ein Treffen mit US-Aussenministerin Condoleeza Rice ab. Diese war am Dienstag zu einem Überraschungsbesuch im Nordirak eingetroffen.

Rice bezeichnete die Luftangriffe der türkischen Armee als eine «rein türkische Entscheidung». Die US-Aussenministerin traf in der ölreichen Kurdenstadt Kirkuk mit Vertretern der kurdischen, sunnitischen, schiitischen, christlichen und turkmenischen Volksgruppen in der Region zusammen.

Sorge um Zivilbevölkerung

Die EU und die UNO reagierten besorgt auf das türkische Vorgehen. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk UNHCR erklärte in Genf, infolge der Bombardierungen seien 300 Familien - mehr als 1800 Menschen - im Nordirak aus ihren Häusern geflohen.

Nach Angaben von Flüchtlingen wurden bei den Bombardements zehn Dörfer getroffen. Am Montag seien weitere Luftangriffe gefolgt. Die Türkei hatte versichert, es seien weder Zivilisten noch Dörfer getroffen worden.

Die Türkei wirft der irakischen Regierung vor, nicht ausreichend gegen die PKK-Rebellen vorzugehen, welche die Grenzregion als Rückzugsort für ihren Kampf gegen die Regierung in Ankara nutzen. Seit Oktober hat die türkische Armee rund 100 000 Soldaten an der Grenze zum Irak zusammengezogen. Im Konflikt mit der PKK wurden seit 1984 mehr als 37 000 Menschen getötet. (sda)

Deine Meinung